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Peter Sauber«Ich habe schon grössere Probleme gelöst»

Am Mittwoch hat BMW den Ausstieg aus der Formel 1 verkündet. Seither ruhen die Hoffungen der rund 400 Mitarbeiter in der Fabrik in Hinwil auf Peter Sauber. Am Freitagnachmittag hat sich der Ex-Teamchef erstmals persönlich zu Wort gemeldet.

von
Peter Haab
Hinwil

Peter Sauber hat ein paar unangenehme Tage hinter sich. Erst wurde er von einer Magen-Darmgrippe geplagt und lag im Bett. Und am Mittwoch folgte dann der Hammerschlag mit dem BMW-Ausstieg aus der Formel 1. 2005 hatte Sauber seinen Formel-1-Rennstall bei BMW in scheinbar sichere Hände gelegt. Doch seit vergangenem Mittwoch steht sein Lebenswerk plötzlich wieder auf dem Spiel. Darum ist bei Peter Sauber seit 48 Stunden der Teufel los.

«Ich kann keine Wunder vollbringen»

In den Werkshallen in Hinwil wissen es alle: Nur Peter Sauber kann den Rennstall retten. «Ich werde alles Menschenmögliche tun, um die Arbeitsplätze meiner ehemaligen Mitarbeiter zu retten. Aber ich kann keine Wunder vollbringen. Und ich werde mich auch nie mehr als Teamchef an die Boxenmauer stellen», betonte der Ex-Teamchef am Freitagnachmittag am Hauptsitz des BMW-Sauber-Teams in Hinwil. Eines steht fest: Selbst wenn es Sauber gelingen sollte, den Fortbestand des Teams zu sichern, wird er nicht mehr mit einem Personalbestand in der Grössenordnung von 400 Mitarbeitern operieren können.

Die Finanzierung ist der wunde Punkt

Peter Sauber lässt aber keinen Zweifel daran, dass er zum Wohle der Hinwiler Mitarbeiter nochmals alles gibt, damit das Projekt für die Weiterführung des Teams unter privater Führung auch finanzieren lässt. Aber die Rolle des «Messias», der alles zum Guten wendet, behagt Sauber gar nicht. «Ich habe den Leuten gesagt, dass ich alle meine Kontakte nutzen werde. Aber das garantiert noch gar nichts. Ich bin nur Berater. Letztlich kann nur BMW in München entscheiden, wie es weitergehen soll.»

Peter Sauber hält noch immer 20 Prozent Anteile am aktuellen BMW-Sauber-Rennstall. Die Frage ist, was BMW mit seinen 80 Prozent zu tun gedenkt. Und ob BMW - wie im Winter der Autohersteller Honda - den Weiterbestand mit einer Vorfinanzierung sichern würde. Bei Honda sind die entscheidenden Leute vor ein paar Monaten in Tokio zum Schluss gekommen, dass es billiger ist, eine weitere Formel-1-Saison aus dem Hintergrund zu finanzieren statt all die Leute zu entlassen und die Formel-1-Abteilung zu schliessen. BMW-Motorsport-Direktor Mario Theissen hält ein Ausstiegsszenario nach dem Beispiel von Honda, wo mit Ross Brawn ein Privatier eingestiegen ist, im Gegensatz zu Peter Sauber ebenfalls für denkbar: «Das werden wir prüfen, das ist eines der möglichen Szenarien.»

Bringt langjährige Erfahrung die Lösung?

Peter Sauber weiss aus seiner langjährigen Erfahrung: die Finanzen sind der wunde Punkt an der Geschichte. Unter rund 100 Millionen Euro Saisonbudget läuft auch in den nächsten zwei, drei Jahren in der Formel 1 nicht viel. In Zeiten einer globalen Wirtschaftskrise lässt sich nicht so leicht ein seriöser Investor finden. Es stellt sich deshalb auch die Frage, ob bei einem Verkauf des Teams die aktuellen Sponsoren an Bord bleiben würden. Vor allem die malaysische Mineralöl-Firma «Petronas» müsste zum Bleiben bewegt werden. Dies ist allerdings denkbar, denn «Petronas» war schon Hauptsponsor des früheren Sauber-Privatteams. Und Peter Sauber pflegt nach wie vor beste Beziehungen zur Vorstandsetage in Kuala Lumpur.

Die Frage ist auch, wie viel Zeit für die Rettung des Rennstalls bleibt. Die BMW-Vorstandsetage in München liess vor zwei Tagen verlauten, dass sich bis spätestens Ende September über die Zukunft der Formel-1-Fabriken in München und Hinwil informieren werde. «Ich kann keinen exakten Zeitpunkt nennen», sagte Peter Sauber. Aber wir müssen uns nichts vormachen. «Die Zeit drängt, und eine Lösung muss möglichst schnell auf den Tisch. Andererseits darf ich auch sagen, dass ich in meinen 17 Jahren in der Formel 1 schon grössere Probleme gelöst habe.» Damit steht fest: Peter Sauber wird ab sofort keine geruhsamen Sommertage mehr verbringen.

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