Alpstein: «Ich habe schon Personen mit Rollkoffer auf dem Bergwanderweg gesehen»

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Alpstein«Ich habe schon Personen mit Rollkoffer auf dem Bergwanderweg gesehen»

Immer wieder kommt es unterhalb des Äschers zu tödlichen Unfällen. Dies habe mit der Beliebtheit, aber auch mit der mangelhaften Vorbereitung der Wanderinnen und Wanderer zu tun.

von
Leo Butie
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An diesem Schild müssen Wanderinnen und Wanderer vorbeilaufen, um zum Seealpsee zu gelangen. 

An diesem Schild müssen Wanderinnen und Wanderer vorbeilaufen, um zum Seealpsee zu gelangen. 

20min/Leo Butie
Am Montag stürzten gleich zwei Personen innert einer Stunde in den Tod.

Am Montag stürzten gleich zwei Personen innert einer Stunde in den Tod.

Kantonspolizei Appenzell-Innerrhoden
Immer wieder kommt es beim Abstieg vom Äscher zum Chobel zu tödlichen Unfällen. 

Immer wieder kommt es beim Abstieg vom Äscher zum Chobel zu tödlichen Unfällen. 

20min/Leo Butie

Darum gehts

  • Innert einer Stunde stürzten unterhalb des Äschers zwei Personen in den Tod.

  • Es ist bereits der dritte Todesfall in diesem Jahr, der sich auf derselben Route ereignete.

  • Der Tourismusverband möchte insbesondere auf die Gefahren des Bergwanderwegs hinweisen.

  • Beim Bergwandern im Alpstein bleibe immer ein Restrisiko.

Innert einer Stunde kamen am Montagnachmittag zwei Personen beim Abstieg vom Äscher zum Seealpsee ums Leben. Eine 66-jährige Frau aus Deutschland stürzte aus noch nicht vollständig geklärten Gründen den steilen Abhang hinunter und über die Felswand ungefähr 80 Meter in die Tiefe. Ungefähr eine Stunde später stürzte ein 58-jähriger Mann im gleichen Abschnitt des Bergwanderwegs und wurde ebenfalls tödlich verletzt.

Gemäss Roland Koster, Mediensprecher der Kantonspolizei Appenzell-Innerrhoden, war auch der Schweizer talwärts unterwegs. Ausserdem waren beide verunglückten Personen entsprechend ausgerüstet. «Sie hatten Wanderausrüstung dabei», so Koster. Die Bergung der verunglückten Personen sei eine grosse Herausforderung für die Rettungskräfte gewesen.  

Viel begangener Bergwanderweg

Es ist bereits der dritte tödliche Unfall in diesem Jahr, der sich zwischen Äscher und Chobel ereignete. Ende Juni stolperte eine 75-jährige Frau beim Abstieg und stürzte ab. Im Juni 2021 starben innert weniger Tage zwei Personen auf dem alpinen Bergweg.  «Es ist ein extrem viel begangener Bergwanderweg, der diesen Namen auch verdient», sagt der Mediensprecher.

Weil derart viele Menschen den Weg benutzen, würde es auch zu mehr Unfällen kommen. Zudem seien die Personen zum Teil nicht für die Berge gekleidet. «Ich habe schon Personen mit Rollkoffer auf dem Bergwanderweg gesehen.»

Die Anzahl Wanderunfälle mit Todesfolge variieren im Alpstein von Jahr zu Jahr. «Es passiert immer mindestens ein tödlicher Unfall», so Koster. Zudem geschehen die Unfälle auf dem Weg ins Tal. «Ich habe noch nie einen tödlichen Wanderunfall beim Aufstieg vom Chobel zum Äscher erlebt, bei der eine Person bergwärts unterwegs war.» An anderen Orten habe es dies aber schon gegeben.

Keine absolute Sicherheit 

Bei Appenzellerland Tourismus des Kantons Appenzell Innerrhoden reagiert man mit Betroffenheit auf die Vorfälle. «Es ist tragisch und wir bedauern es sehr, dass solche Unglücke immer wieder geschehen», sagt Geschäftsführer Guido Buob zu 20 Minuten. Mehr Warnschilder anbringen oder Wanderwege ausbauen sei momentan kein Thema, wobei die Verantwortlichen sicherlich Massnahmen prüfen werden. «Bergwanderwege im Alpstein sind so gut gesichert wie möglich. Es gibt aber keine absolute Sicherheit», so Buob.  

Bergwanderung mit rot-weiss-roter Markierung

Zudem bleibe beim Bergwandern im Alpstein immer ein Restrisiko. Es sei auch eine Frage der Verhältnismässigkeit. «Beim betroffenen Bergweg handelt es sich zweifellos um einen der meistbegangenen Bergwege und somit ist die Wahrscheinlichkeit, dass dort etwas passiert, deutlich höher als auf anderen Bergwegen, die weniger begangen sind.»

Beim Tourismusverband möchte man insbesondere mit Prävention und Information arbeiten. «Wir versuchen, den Leuten zu erklären, dass es kein Spaziergang, ja nicht einmal eine Wanderung ist», so Buob. Es handele sich um eine Bergwanderung mit rot-weiss-roter Markierung.

Appell auf Eigenverantwortung

Diese erfordere nebst guter Ausrüstung und Trittsicherheit auch Konzentration und Schwindelfreiheit von den Bergwanderinnen und -wanderern. Es müsse den Menschen bewusst sein, wie man sich auf einem Bergwanderweg verhält. «Man muss natürlich gutes Schuhwerk tragen und nicht in Lackschuhen oder Turnschuhen Bergwandern gehen.  Zudem vermitteln Wanderstöcke gern eine falsche Sicherheit und können an exponierten Stellen mehr zu Stolperfallen werden als zur Sicherheit beitragen», sagt Buob.

Weiter sei es wichtig, dass man stehenbleibe, um die schöne Aussicht in die Bergwelt richtig geniessen zu können. «Beim Bergwandern gilt die Konzentration einzig und alleine dem Weg.» Appenzellerland Tourismus informiere vorwiegend im Internet, den sozialen Medien und Broschüren und weist auf potenzielle Gefahren hin. «Wir appellieren aber auch an die Selbstverantwortung und dass man sich über die Bergwege im Alpstein vorgängig im Alpstein informiert», sagt Buob. Schlussendlich sei jede Person für die eigene Sicherheit verantwortlich. 

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