US-Multimillionär: «Ich habe sie alle umgebracht»
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US-Multimillionär«Ich habe sie alle umgebracht»

Der New Yorker Millionär Robert Durst hat sich beim Dreh eines Dok-Films selbst belastet: Er wusste nicht, dass das Mikrofon noch lief, als er mehrere Morde gestand.

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sut
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Nach über dreissig Jahren als Verdächtiger muss sich Douglas Durst jetzt wegen eines von drei Morden verantworten. Bild: August 2014 in Houston.

Nach über dreissig Jahren als Verdächtiger muss sich Douglas Durst jetzt wegen eines von drei Morden verantworten. Bild: August 2014 in Houston.

Keystone/AP/pat Sullivan
Am Samstag, 14. März 2015, wurde Durst in New Orleans festgenommen. Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles verdächtigt den Spross einer reichen Immobiliendynastie aus New York, im Jahr 2000 seine Pressesprecherin erschossen zu haben.

Am Samstag, 14. März 2015, wurde Durst in New Orleans festgenommen. Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles verdächtigt den Spross einer reichen Immobiliendynastie aus New York, im Jahr 2000 seine Pressesprecherin erschossen zu haben.

Keystone/Orleans Parish Sheriff's Office
In orangem Overall und mit Handschellen wurde er am Montag vor Gericht geführt. Durst verzichtete darauf, seine Auslieferung nach Kalifornien anzufechten.

In orangem Overall und mit Handschellen wurde er am Montag vor Gericht geführt. Durst verzichtete darauf, seine Auslieferung nach Kalifornien anzufechten.

Keystone/Matthew Hinton

«Was um Himmels willen habe ich getan?», fragt Robert Durst in einem Selbstgespräch. Und er gibt gleich selbst die Antwort: «Sie alle umgebracht, natürlich.» Die Aussage klingt wie ein freiwilliges Geständnis. Der 71-jährige Millionenerbe machte sie in einem Hotel, nachdem ihn die Autoren eines Dokumentarfilms mit schwerwiegenden Indizien konfrontiert hatten. Allerdings: Durst war nicht bewusst, dass das am Revers angesteckte Mikrofon noch lief.

Hier das aufgezeichnete Geständnis: Der 71-Jährige beginnt, mit sich selbst zu sprechen:

(Quelle: Youtube/HBO)

Als Folge des Interviews und der Recherchen der Dokfilmer sitzt der Spross einer der reichsten Immobiliendynastien New Yorks jetzt in New Orleans im Gefängnis. Mit Handschellen und in einem orangen Overall wurde er am Montag dem Richter am Bezirksgericht vorgeführt, wo seine vier Anwälte grünes Licht für die Auslieferung nach Kalifornien gaben. In Los Angeles erwartet Durst die Anklage, im Jahr 2000 seine damalige Pressefrau Susan Berman erschossen zu haben.

Er war das schwarze Schaf der Milliardärsfamilie

Durst ist der älteste Sohn einer Familie, der laut «New York Times» Amerikas höchster Büroturm, One World Trade Center, und zehn weitere Wolkenkratzer in New York gehören. Obwohl hochintelligent, versagte er im Geschäft. Er zerstritt sich mit dem Vater, weshalb statt ihm der zweitgeborene Bruder Douglas das Immobilienimperium übernehmen durfte. Später erstritt Robert von der Familie eine Entschädigung von 65 Millionen Dollar.

Der Polizei galt Durst als suspekt, seit 1982 seine Frau Kathleen nördlich von New York spurlos verschwunden war. Der Leichnam wurde nie gefunden, und die Staatsanwälte erhoben vorerst keine Anklage. Doch im November 2000 nahmen sie den Fall wieder auf. Es lag auf der Hand, dass sie Dursts Vertraute Susan Berman befragen würden. Für Durst war das womöglich ein unerträgliches Risiko. Einen Monat später war Berman tot, getötet durch einen Schuss in den Hinterkopf.

Leichenteile in der Bucht von Galveston

Durst galt wieder als Verdächtiger, aber er hatte ein Alibi, das sich nicht entkräften liess. Jetzt setzte er sich nach Texas ab. Als Frau verkleidet, mietete er in Galveston eine Kleinwohnung. Im September 2001 wurden in der Bucht Leichenteile des Nachbarn Morris Black angeschwemmt. Vor Gericht gab Durst zu, Black erschossen zu haben, allerdings aus Versehen. Bei einem Handgemenge um eine Schusswaffe habe sich ein Schuss gelöst, behauptete Durst. Er habe die Leiche aus Angst, dass ihm niemand die Geschichte der Notwehr glauben würde, zerlegt. Die Geschworenen nahmen es ihm ab und sprachen ihn frei.

Die neuerliche Festnahme ist ein grosser Erfolg für die Autoren des sechsteiligen Dokudramas «The Jinx» (der Verhexer) über «das Leben und die Tode von Robert Durst». Laut «Times» stellten Regisseur Andrew Jarecki und sein Kameramann Marc Smerling ihre Beweismittel den Ermittlern in Los Angeles zur Verfügung. In der Folge nahm die Staatsanwaltschaft den schubladisierten Mordfall wieder auf. Die Staatsanwaltschaft liess Durst am Samstag ergreifen, einen Tag bevor HBO die letzte Folge von «The Jinx» ausstrahlte. Man fürchtete, Durst werde ausser Landes fliehen.

Briefkuverts als schwerste Indizien

Das Geständnis auf dem WC ist nach Auffassung von Rechtsexperten nicht einmal das schlimmste Indiz der Dok-Filmer. Zusätzlich fanden sie einen Brief, den Durst vor deren Tod an Berman geschickt hatte. Auf dem Kuvert schrieb er in Blockbuchstaben die Adresse falsch als «Beverley Hills». Die Handschrift und das falsche «e» vor dem «y» finden sich exakt gleich auf einem Briefumschlag, mit dem der Mörder die Polizei von Beverly Hills auf den Ort hinwies, wo Susan Bermans Leiche später gefunden wurde. Die Gegenüberstellung der zwei gleich falsch geschriebenen Ortsnamen auf den Briefkuverts bringt Durst im HBO-Interview sichtlich in Verlegenheit.

Viele Kenner glauben, dass Robert Dursts Geständnis stimmt und er für alle drei Todesfälle verantwortlich ist. Vorerst dürfte er nur des Mordes an Susan Berman angeklagt werden. Der Fall von Dursts verschwundener Frau lässt sich nur neu aufrollen, wenn sich Zeugen melden oder der Leichnam auftaucht. Für den Tod von Morris Black kann Durst nach US-Recht kein zweites Mal belangt werden.

Der Trailer von «The Jinx» (auf Englisch):

(Quelle: Youtube/SerienTrailerMP)

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