Prozess gegen Derek Chauvin: «Ich habe verdammte Angst», sagte George Floyd kurz vor seinem Tod
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Prozess gegen Derek Chauvin«Ich habe verdammte Angst», sagte George Floyd kurz vor seinem Tod

Seit Anfang Woche muss sich Ex-Polizist Derek Chauvin vor Gericht wegen Mordes und Totschlags verantworten. Am dritten Verhandlungstag sind die Aufzeichnungen der Bodycams Thema gewesen.

von
Karin Leuthold
Yasmin Rosner
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Die Bodycams haben den Vorfall von Ende Mai letzten Jahres aufgezeichnet.

Die Bodycams haben den Vorfall von Ende Mai letzten Jahres aufgezeichnet.

Pool
George Floyd sagte zum Polizisten, dass er keine Schwierigkeiten haben wolle. 

George Floyd sagte zum Polizisten, dass er keine Schwierigkeiten haben wolle.

via REUTERS
Ende März startete der Prozess gegen den damaligen Polizisten Derek Chauvin.

Ende März startete der Prozess gegen den damaligen Polizisten Derek Chauvin.

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Darum gehts

  • Seit Montag findet vor einem Gericht in Minneapolis der Prozess gegen den angeklagten Polizisten Derek Chauvin statt.

  • Chauvin hatte am 25. Mai 2020 George Floyd minutenlang das Knie in den Nacken gedrückt, obwohl dieser mehrfach klagte, er bekomme keine Luft.

  • Chauvin ist wegen Mordes und Totschlags angeklagt, ihm drohen bis zu 40 Jahre Haft. Er weist alle Vorwürfe von sich.

Im Strafprozess um den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd wurden am Mittwoch die Aufnahmen der Bodycams der Polizisten gezeigt, die an Floyds Festnahme am vergangenen 25. Mai beteiligt waren.

Auf der Bodycam von Officer Thomas Lane hört man Floyd weinen. «Bitte erschiessen Sie mich nicht. Es tut mit leid, es tut mit leid. Bitte erschiessen Sie mich nicht, Officer.» Weiter sagt der Festgenommene: «Ich habe verdammte Angst. Momma! Momma, ich liebe dich! Sagt meinen Kindern, dass ich sie liebe.»

«Ich habe nichts getan»

Auf der Bodycam eines weiteren Polizisten, J. Alexander Kueng, ist ein Dialog mit Floyd zu hören, während dieser bereits in Handschellen gegen eine Wand sitzt.

Floyd: «Ich will keine Schwierigkeiten. Ich hab nichts getan.»

J. Alexander Kueng: «Weisst du, warum du hier bist?»

Floyd: «Warum?»

J. Alexander Kueng: «Weil, so wie es aussieht, du dem Typen hier einen gefälschten Dollar-Schein gegeben hast. Verstehst du das?»

Floyd: «Ja.»

J. Alexander Kueng: «Weisst du, warum wir dich aus dem Auto gezogen haben? Weil du nicht auf das gehört hast, was wir dir sagten.»

Floyd: «Ich wusste gar nicht, was los war.»

J. Alexander Kueng: «Hör uns zu, und wir werden dir sagen, was los ist. Wenn du dich aber so bewegst, dann denken wir, dass viel mehr los ist, das wir wissen müssten.»

«Überprüft seinen Puls»

In dem Moment wendet sich der Polizist an seinen Kollegen. Dabei geht es um die Frage, ob Floyd «auf etwas drauf ist». Floyd sagt ihnen, dass er «auf nichts ist». Der vor Gericht stehende Polizist Derek Chauvin ist vom Gegenteil überzeugt und sagt: «Wir müssen den Kerl unter Kontrolle bringen. Er ist ziemlich gross. Und er schaut so aus, als ob er etwas genommen hat.»

Als George Floyd mit dem Gesicht auf dem Boden liegt, ist ein anderer Zeuge zu hören: «Überprüft seinen Puls, überprüft seinen Puls.» Er sei nicht ansprechbar, er bewege sich nicht mehr, sind die Reaktionen anderer Beamten.

Das Verfahren gegen Derek Chauvin wird am Donnerstagvormittag (Ortszeit) fortgeführt.

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Hier findest du Hilfe:

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GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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