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Streaming-Plattformen«Ich habe viele Interessen und brauche fünf Abos»

Das Angebot an Streaming-Diensten wächst rasant. Leser erzählen, warum sie welche Plattform abonniert haben und wie viel sie dafür berappen.

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rol/mm
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Amazon Prime Video, Sky Sports, DAZN: In der Schweiz gibt es zahlreiche Streaming-Anbieter.

Amazon Prime Video, Sky Sports, DAZN: In der Schweiz gibt es zahlreiche Streaming-Anbieter.

Keystone/Christian Beutler
Rund 1,5 Millionen Schweizer setzen auf Netflix.

Rund 1,5 Millionen Schweizer setzen auf Netflix.

Rolf Vennenbernd
Youtube ist kostenlos und technisch gesehen ein Streaming-Dienst. Im Alltag wird Youtube aber eher als Videoportal wahrgenommen. Dennoch sind immer mal wieder ganze Filme oder Serien auf Youtube verfügbar. Mit Youtube Premium hat die Video-Plattform seit einiger Zeit einen kostenpflichtigen Streamingdienst (15.90 Franken pro Monat).

Youtube ist kostenlos und technisch gesehen ein Streaming-Dienst. Im Alltag wird Youtube aber eher als Videoportal wahrgenommen. Dennoch sind immer mal wieder ganze Filme oder Serien auf Youtube verfügbar. Mit Youtube Premium hat die Video-Plattform seit einiger Zeit einen kostenpflichtigen Streamingdienst (15.90 Franken pro Monat).

Monika Skolimowska

«Game of Thrones» von HBO, «Stranger Things» von Netflix und Teleclub für die Champions League: Wer bei aktuellen Serien und Sportereignissen mitreden will, kommt um mehrere Streaming-Abos nicht herum. «Dann wird es leider richtig teuer», sagt Digital-Experte Jean-Claude Frick. In den USA haben bereits über 40 Prozent der Konsumenten mehr als zwei Abos.

20-Minuten-Leser erzählten, warum sie auf welche Streaming-Abos setzen und wie viel sie das kostet.

Robin Kyburz teilt sich mit drei weiteren Personen ein Netflix-Abo mit amerikanischer VPN und bezahlt pro Monat deshalb 5 Franken. «Vor etwa eineinhalb Jahren habe ich komplett auf Netflix umgestellt. Mit dem amerikanischen Anschluss ist die Auswahl zudem noch grösser.» Er habe zwar noch eine Fernsehbox, schaue aber auch Newssendungen inzwischen meist online. «Momentan bin ich zufrieden mit meinem Netflix-Abo, da ich andere Produktionen kaum schaue. Einen Wechsel nur wegen Serien wie ‹Game of Thrones› ziehe ich nicht in Erwägung.» Diese könne man auch anderweitig streamen.

Mit den immer zahlreicher werdenden Streaming-Diensten hat Robin Kyburz prinzipiell kein Problem: «Einerseits finde ich es gut, dass so viele Firmen versuchen, ihr eigenes Ding aufzubauen. Andererseits ist es aber fragwürdig, wenn der Markt mit so vielen verschiedenen Angeboten überschwemmt wird.» Es sei schlicht unübersichtlich und koste im Endeffekt zu viel. «Ich würde es begrüssen, wenn sich mehrere Streaming-Dienste zu einem Monopol zusammenschliessen und in TV-Angebote von Schweizer Telekommunikationsanbietern eingegliedert würden.»

Matthias Linder besitzt nur ein Streaming-Abo, nämlich jenes von Dazn. Dafür bezahlt er monatlich 12.90 Franken: «Früher konnte ich gratis Fussball schauen. Das ist heute leider immer weniger möglich, da Fussball zunehmend über Pay-TV-Angebote ausgestrahlt wird.» Eigentlich unterstütze er solche bezahlpflichtigen Angebote ungern: «Deswegen auf Fussball zu verzichten, kommt für mich als Sportfan aber nicht infrage.» Das Dazn-Abo mit der englischen Premier League reicht Matthias aus: «Wenn ich Serien schauen, dann die, die im Free TV kommen. Auch Musik konsumiere ich gratis über Youtube.» Er bedaure es sehr, dass es immer weniger Free TV gebe. «Langfristig werde ich sicher dazu gezwungen sein, auf einen Videostreaming-Dienst wie Netflix umzusteigen.»

Roger Kuprecht nutzt nebst dem Pay-TV-Angebot Teleclub Now auch Netflix. Als Sportfan hat er zudem ein Dazn- und ein «Sky Sports + Show»-Abo. Alles zusammen kostet pro Monat satte 112 Franken. «Ich nutze sehr viele Abos, teile die Kosten aber mit zwei weiteren Personen. So ergibt das unter dem Strich rund 35 Franken pro Monat und Person.» Seines Erachtens ist das noch bezahlbar. «Noch mehr Streaming-Abos werde ich aber sicher nicht dazukaufen.»

Kuprecht hat an den vielen Streaming-Diensten aber auch etwas auszusetzen: Es werde immer komplizierter, sich in einem solchen Angebotsdschungel zurechtzufinden. «Wer viele Interessen hat, muss fast zwingend mehrere Abos haben.» Es bräuchte deshalb eine Plattform, die aufzeigt, welche Angebote bei welchen Streamingdiensten laufen. Zudem sollte es Rabatte für Kunden geben, die mehrere Abos nutzten.

Melanie Stucki bezahlt für ihr Streaming-Abo rund 45 Franken pro Jahr: «Ich nutze Vavoo. Dort habe ich Zugriff auf Netflix, Sky, Amazone Prime und Maxdome – und das zu einem Bruchteil des Preises, den ich bezahlen müsste, wenn ich all diese Abos einzeln abgeschlossen hätte.» Das Vavoo-Angebot sei riesig: Von neusten Kinofilmen über diverse Sportarten, Cartoons, Kinder- und Erwachsenen-Serien bis hin zu ganz alten Produktionen. Gerade für Familien sei das ein ideales Angebot. Zudem seien sämtliche TV-Kanäle aus jedem beliebigen Land erhältlich, allein schon 300 deutsche TV-Stationen.

«Ich wurde via Kollegen aus England auf Vavoo aufmerksam und habe die App dann via Playstore heruntergeladen. Ich bin nicht bereit, so viel Geld für all diese einzelnen Streaming-Dienste zu bezahlen.»

Wer streamt was?

Netflix ist vor allem bei Jüngeren und Personen mit höherem Haushaltseinkommen beliebt, wie der «IGEM Digimonitor 2018» zeigt. Etwa gleich viele Männer wie Frauen nutzen den Streaming-Dienst. Andere Anbieter wie Sky Ticket oder Amazon Prime Video werden im Gegensatz dazu vorwiegend von Männern benutzt.

Während fast ein Viertel der Schweizer Netflix mindestens gelegentlich nutzt, sind es bei Sky und Teleboy je vier Prozent der Bevölkerung, bei Amazon Prime gute zwei Prozent. Den Sportprogramm-Anbieter DAZN nutzen gerade mal 0,2 Prozent aller Schweizer gelegentlich.

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