Soundhealing Selbstversuch im Hotel Cervo Zermatt
Anne-Sophie gibt der Gruppe eine Soundhealing-Stunde. Für Redaktorin Malin ist es die erste.  

Anne-Sophie gibt der Gruppe eine Soundhealing-Stunde. Für Redaktorin Malin ist es die erste.

We are W
Publiziert

Retreat in Zermatt«Ich habe vor Fremden geweint – und es genossen»

Leuten, die man kaum kennt, sein Innerstes zeigen, ist nicht jedermanns Sache. Redaktorin Malin geht das auch so. Trotzdem hat sie es im Rahmen eines Retreats in Zermatt gewagt.

von
Malin Mueller

Am Freitagabend geht es mit dem Zug nach Zermatt – ich bin auf dem Weg zu einem Retreat von We are W, einem Zürcher Online Fitness Studio, das sich neben dem physischen auch dem psychischen Wellbeing verschrieben hat. Gemeinsam mit den Gründerinnen Anne-Sophie und Dannalize soll es im Cervo Mountain Resort in Zermatt zwei Tage lang um Achtsamkeit, Dankbarkeit und Fitness gehen.

Über We are W

Anne-Sophie (links) und Dannalize sind die Gründerinnen von We are W.

Anne-Sophie (links) und Dannalize sind die Gründerinnen von We are W.

We are W

We are W bietet Spinning-Workouts und Pilates an, beides mit einem Fokus auf die passende Musik und abgestimmt auf den Beat. Dazu kommen Stretchingkurse, Ernährungs-Workshops und Klangbäder, alles online und live. Wer keine Zeit hat, kann die Workouts später im Replay-Modus wiedergeben. Je nach gekauftem Paket kosten die Kurse zwischen zehn und 20 Franken pro Session.

Am Abend steht das erste gemeinsame Dinner im Madre Nostra, dem hauseigenen Restaurant des Cervo, auf dem Plan. Die Runde aus den drei anderen Teilnehmerinnen und unseren zwei Coaches ist lustig und was aufgetischt wird köstlich. Beides sorgt dafür, dass ich früh aber selig schlafen gehe, um mich für den nächsten Tag zu wappnen.

Pilates mit Aussicht

Der beginnt gleich nach dem Frühstück mit einer kleinen Wanderung. Es geht zum Restaurant Paradise in Findeln, aber den Lunch müssen wir uns erst verdienen. Mittels einer musikalisch untermalten Pilates-Lektion (We are W bezeichnet sie als Rave – und ja, das kommt hin), die es in sich hat. Die Sicht auf das Matterhorn realisiere ich erst, als ich mir nach der letzten Übung den Schweiss von der Stirn wische.

Auf der Terrasse des Paradise absolvieren wir eine Pilates-Session. Redaktorin Malin schwitzt vorne im Bild.

Auf der Terrasse des Paradise absolvieren wir eine Pilates-Session. Redaktorin Malin schwitzt vorne im Bild.

We are W

Ich spüre Dankbarkeit. Und den Muskelkater, der an bisher unbekannten Stellen folgen wird. Das folgende Menü aus Tapas, Quinoa-Bowl und Kaiserschmarrn tröstet allerdings ziemlich gut.

Die Quinoa-Bowl im Paradise kann sich sehen lassen. 

Die Quinoa-Bowl im Paradise kann sich sehen lassen.

Malin Mueller

Sound-Meditation

Zurück im Hotel darf ich das traumhafte Spa im Cervo geniessen, bevor es zu meiner ersten Soundhealing-Stunde geht. Was mich erwartet? Bis Anne-Sophie beginnt, auf ihren Klangschalen zu spielen, habe ich keine Ahnung.

Vom Soundbad zum Tränenbad: In der Jurte des Cervo Zermatt wird es für unsere Redaktorin emotional. 

Vom Soundbad zum Tränenbad: In der Jurte des Cervo Zermatt wird es für unsere Redaktorin emotional.

Instagram/Cervozermatt

Denn: Ich bin nicht gerade esoterisch. Edelsteine finde ich höchstens hübsch anzusehen, der Mond ist für mich ein Objekt am Himmel und Horoskope Humbug. Und doch drifte ich weg, als ich im angenehm dunklen Ritual Room meine Augen schliesse. Der Klang im Hintergrund übertönt meine Gedanken. Meine Hände beginnen zu kribbeln. Ich frage mich während der Lektion alle paar Sekunden, ob ich eigentlich schlafe.

Als uns Anne-Sophie sanft aus der Meditation zurückholt, kann ich mich nur noch bruchstückhaft an die vergangenen Minuten erinnern. Es ist ein seltsames Gefühl. Ich werde emotional, ohne dass ich es mir richtig erklären kann. Die Orakelkarten (eine einfachere Form der Tarot-Karten), die wir im Anschluss ziehen dürfen, machen es nicht besser: Mein unesoterisches Ich stört sich daran, dass die Beschreibung meiner Karte so gut auf meine aktuelle Situation passt. Aber tauschen ist nicht.

Wasser marsch

Am letzten Retreat-Tag folgt nach einer Pilates-Stunde Klangbad Nummer zwei. Meine Emotionalität von gestern ist auch auf die anderen Teilnehmerinnen übergeschwappt. Am Ende der Stunde brechen zwei von ihnen in Tränen aus. Ich halte mich wacker. Vor allem, weil im Anschluss die Besprechung der Orakel-Karten von gestern geplant ist.

Der Ritual Room des Cervo wird für das Soundbath abgedunkelt.

Der Ritual Room des Cervo wird für das Soundbath abgedunkelt.

Cervo Zermatt

Zuvor habe ich mit mir selbst vereinbart, meine Gedanken zur Karte nicht zu teilen. Gefühle zeigen, besonders vor Fremden, gehört zu meinen Top drei Ängsten. 15 Minuten später sitze ich tränenüberströmt in einer Jurte, werde von links am Arm gestreichelt, von rechts umarmt, wir alle weinen gemeinsam. Und irgendwie… ist das schön?! Ich kann die quälenden Gedanken an die Erfahrungen, die ich mit der Beschreibung der Orakelkarte verknüpft habe, loslassen. Zum ersten Mal spüre ich diese Freiheit nach dem Weinen, die ich bisher nur vom Hörensagen kannte.

Auch bei der Wanderung am zweiten Retreat-Tag kann die Aussicht punkten.

Auch bei der Wanderung am zweiten Retreat-Tag kann die Aussicht punkten.

Malin Mueller

Die Wanderung im Anschluss wollte ich nutzen, um mich neu zu sortieren. Doch das muss ich gar nicht. Mein Kopf ist frei, ich bin im Jetzt und – siehe da – sehr dankbar. Mein Fazit zu den vergangenen zwei Tagen fällt deshalb positiv aus: Ihnen verdanke ich die Erkenntnis, dass man Gefühle manchmal zulassen muss, um mit ihnen zurechtzukommen. Ganz schön deep. Aber auch ziemlich gut.

Du willst das auch erleben? Das nächste Retreat findet vom 22. bis 24. April im Cervo Mountain Resort in Zermatt statt. Anmelden kannst du dich online.

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