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Nachzügler Furrer«Ich habe vor Glück geschrien»

Von zu Tode betrübt zu himmelhoch jauchzend. Für Philippe Furrer wurde mit der späten Nomination für das Olympia-Team unserer Eishockey-Nati ein Märchen wahr.

von
Marcel Allemann
Kanada

Philippe Furrer, wie haben Sie von Ihrem Glück erfahren?

Philippe Furrer: Ich habe mich am Nachmittag im Flughafenhotel etwas schlafen gelegt, um mich vorbeugend wieder an die Schweizer Zeit zu gewöhnen, als das Telefon klingelte. Am anderen Ende war Sarah Haslebacher von Swiss Icehockey und teilte mir mit, dass ich nun doch dabei sei. Ich glaubte zuerst an einen Scherz. Als sie jedoch sagte, ich solle alles stehenlassen und so rasch wie möglich zum Team kommen, da habe ich vor Glück geschrien. Wenn sonst noch jemand in meiner Nähe geschlafen haben sollte, dann hab ich diese Person bestimmt geweckt.

Die zwei Tage zuvor waren für Sie weniger spassig.

Ja, es war extrem schwer. Ich stand ja schon vor dem olympischen Dorf und hatte meine Olympia-Akkreditierung um den Hals, als wir realisierten, dass wir einen Spieler zu viel dabeihatten und ich sie wieder abgeben musste. Stattdessen fand ich mich kurz später allein in einem Hotelzimmer wieder. Das war der absolute Tiefpunkt. Ich war so frustriert, dass ich mir nicht mal die Eröffnungsfeier im Fern­sehen ansah. Ich hätte es nicht verkraftet.

Und wie sieht es jetzt in Ihnen aus?

Es ist wie Tag und Nacht. Jetzt ist ein Märchen wahr geworden. Olympische Spiele im Eishockey-Land Kanada zu er­leben, das ist ein Traum. Statt den Tiefpunkt erlebe ich nun den Höhepunkt meiner Kar­riere.

Sind Ihre Gedanken nun auch bei Goran Bezina, dessen Platz Sie erbten?

Auf jeden Fall, für ihn ist das ganz bitter, vielleicht noch bitterer als zuvor für mich. Denn Gogo war gesetzt. Ich dagegen wusste, dass – wenn alles normal läuft – entweder Patrick von Gunten oder ich wieder heimreisen müssen.

Bezina reist ab – Krueger verzichtet auf Ersatz

Für Goran Bezina sind die Olympischen Spiele vor dem ersten Spiel gegen die USA heute um 21 Uhr bereits vorbei. Nach einem wettkampfmässigen Training am Sonntag ist seine Rippenverletzung wieder aufgebrochen, sie ­verunmöglicht einen Einsatz des Servette-Ver­teidigers in Vancouver. Zum späten Handkuss kommt Philippe Furrer, der die zwei Tage zuvor getrennt vom Team in einem Flughafenhotel verbringen musste, da nur 23 Spieler akkreditiert werden können. Der SCB-Verteidiger durfte nicht einmal mit dem Team trainieren, sondern wartete auf gepackten Koffern auf seine Abreise. Nun hat er die 23. Akkreditierung von Bezina übernommen und ist im olympischen Dorf eingezogen. Gestern stiessen als Letzte die beiden NHL-Söldner Jonas Hiller (Anaheim) und Mark Streit (NY Islanders) zum Team.

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