Freiheitstrychler Andy Benz in der «Arena» - «Ich habe wahrscheinlich mehr Impfungen intus als Sie, Herr Brotz»
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Freiheitstrychler Andy Benz in der «Arena»«Ich habe wahrscheinlich mehr Impfungen intus als Sie, Herr Brotz»

In der «Arena» sagte Freiheitstrychler-Gründer Andy Benz, als regelmässiger Brasilienreisender sei er kein Gegner von Impfungen per se. Und was das Bundeshaus angehe: Er wisse, wie man auch ohne Krawall hineinkomme.

von
Samina Stämpfli

Freiheitstrychler Andy Benz bei der Liveschaltung in der Sendung «Arena».

SRF/Arena

Darum gehts

  • Die «Arena» von Freitagabend fand unter dem Titel «Zoff ums Zertifikat» statt.

  • Themen waren Ueli Maurer im Freiheitstrychler-Hemd, die Ausschreitungen an der Corona-Demo am Donnerstag in Bern sowie die Zertifikatspflicht.

  • Der Mitbegründer der Freiheitstrychler, Andy Benz, wurde live zugeschaltet.

  • Er distanzierte sich von den Ausschreitungen an der Demonstration der Massnahmengegner in Bern und betonte, er sei kein Impfgegner.

Nach einer bewegten letzten Woche fragte Moderator Sandro Brotz diesen Freitag in der «Arena»: «Schreitet die Spaltung der Gesellschaft voran? Oder kriegt die Schweiz in der Pandemie die Kurve?»

Die Sendung fand ihren Einstieg mit Ueli Maurers Auftritt im Freiheitstrychler-Hemd Anfang der Woche sowie die darauffolgenden Ausschreitungen während der Corona-Demo vor dem Bundeshaus in Bern letzten Donnerstag. Ob es Zusammenhänge gebe zwischen dem Auftritt des Finanzministers und den Ausschreitungen, war die erste Frage von SRF-Moderator Sandro Brotz. Er stellte sie SVP-Nationalrat Lukas Reimann.

Hat Ueli Maurer «Benzin ins Feuer» der Corona-Gegnerinnen und -Gegner gegossen?

Dieser verteidigte seinen Bundesrat: «Ueli Maurer habe nur die Nähe zum Volk gesucht». Weiter mutmasste Reimann, die Angriffe auf das Gitter seien von linken Gegendemonstranten erfolgt. Worauf er von Brotz mit Hinweis auf Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause korrigiert wurde – dieser habe eine solche Begrifflichkeit nie verwendet. Nause hatte am Freitag von einem militanten Kern der Anti-Massnahmen-Bewegung gesprochen.

Ruth Humbel, Nationalrätin «Die Mitte», nannte Ueli Maurers Verhalten «nicht würdig» und warf ihm vor, er würde zwar als Finanzminister einerseits Unternehmen Überbrückungshilfen zusprechen, sich nun aber den Freiheitstrychlern und Corona-Leugnern «anbiedern».

Lukas Reimann kam Ueli Maurer zuvor: Er posierte bereits an einem Anlass zum «Nein» zum Rahmenabkommen mit Parteikollegen Ronald Rino Büchel (l.) und Mike Egger (r.).

Lukas Reimann kam Ueli Maurer zuvor: Er posierte bereits an einem Anlass zum «Nein» zum Rahmenabkommen mit Parteikollegen Ronald Rino Büchel (l.) und Mike Egger (r.).

SRF

Flavia Wasserfallen (SP) fand zum Thema Ueli Maurer, dass sie eigentlich lieber über die Problematik als solche als über den «Meister der gezielten Provokation» reden würde: «Die Ungeimpften sind keine geschlossene Gruppe.» Man müsse die, die sich querstellen und «unschweizerisch» verhalten, von denen unterscheiden, die man dazu bewegen könne, sich noch zu impfen. Sie verglich die Schweiz mit Dänemark, wo «die Rechte die Impfung ebenfalls als Ausweg aus der Pandemie sehe». Man müsse dafür einen gesellschaftlichen Konsens finden, so die Nationalrätin weiter.

Live-Schaltung nach Einsiedeln

Nach gut 17 Minuten schaltete Sandro Brotz nach Einsiedeln zu Andy Benz, einem Mitbegründer der massnahmenkritischen Freiheitstrychler. Benz distanzierte sich mit Zigarre im Mund von den Ausschreitungen am Donnerstag: «Die Freiheitstrychler stehen für die Selbstbestimmung und Selbstverantwortung ein», meinte er. Auf die Aussage von Brotz, die Aktion sei «undemokratisch», «unwürdig» und «unschweizerisch» gewesen, verlangte Benz eine Begründung. Er wisse zudem gut, wie er ins Bundeshaus hineinkomme, falls er das wolle – ohne Krawall.

«Ich habe wahrscheinlich mehr Impfungen drin als Sie», Freiheitstrychler Andi Benz betont in der «Arena», er sei kein Impfgegner. 

«Ich habe wahrscheinlich mehr Impfungen drin als Sie», Freiheitstrychler Andi Benz betont in der «Arena», er sei kein Impfgegner.

SRF

Er sei zudem kein Impfgegner, betonte er, da er berufsmässig öfters in Brasilien sei und deswegen mehr «Impfungen drin hätte als Sandro Brotz», worauf dieser ihn fragte, ob er ein Patriot sei. Benz antwortete im Frage-Antwort-Spiel weiter, dass er die Bundesverfassung stütze, welche momentan mit Füssen getreten werde, er das Land nicht spalte, sondern für diejenigen einstehe, die von der «Willkür» des Bundesentscheids getroffen würden, worauf ihn Brotz verabschiedete und zurück in die Runde fragte.

Hotelleriesuisse-Präsident Andreas Züllig (FDP) kam auf die Wirtschaftsfreiheit zu sprechen, worauf sich die Diskussion mit Einbezug des Publikums etwas verlief. Die Zertifikatspflicht im Bundeshaus und in den ÖV sowie die Auslastung in den Unispitälern wurde angeschnitten, wobei Claude Ammann, Präsident des schweizerischen Fitness- und Gesundheits-Center Verbandes, kurz die «ärgerliche Situation» für die Fitnesscenterbetreiber schilderte, bevor dann das Gespräch über die Impfquote zu den Schnelltests kam.

Sollen Tests auch nach Oktober gratis bleiben?

Bereits jetzt stünden Vertreterinnen und Vertreter der SP, SVP und Grünen sowie auch der Mitte für Gratistests nach dem ersten Oktober ein, nachdem sie vorher noch auf Gegenkurs waren. Nun wolle man, weil die Zertifikatspflicht auch Hochschulen und Kultur betreffe, nochmals über die Bücher. Auch Wasserfallen und Reimann betonten ihre Zustimmung.

Doch ob die Corona-Tests für Menschen ohne Symptome ab ersten Oktober etwas kosten sollen, sei noch unklar – wie Gesundheitsminister Alain Berset an der Pressekonferenz vom Freitag sagte.

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