Zaudernde Männer: «Ich habe wohl das Peter-Pan-Syndrom»

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Zaudernde Männer«Ich habe wohl das Peter-Pan-Syndrom»

Es brauche wieder mehr verantwortungsvolle Männer statt Jungs, kritisiert ein Autor. Viele Leser geben ihm recht, nehmen das männliche Geschlecht aber auch in Schutz.

von
daw

Der US-Autor und Unternehmer Dale Partridge ging in einem Facebook-Post hart mit den heutigen Männern ins Gericht: Diese spielten lieber Videospiele, als sich zu binden, fortzupflanzen und um die Kinder zu kümmern. «Ich bin nicht sicher, wann Männer entschieden haben, dass 30 das neue 15 ist.» Kurzum: Männer litten unter dem «Peter-Pan-Syndrom», wie das Phänomen in der Soziologie bezeichnet wird.

Am Ende appelliert Partridge an die Männer, endlich Verantwortung zu übernehmen. Mit seinem Beitrag scheint der US-Amerikaner einen Nerv getroffen zu haben: Er wurde bereits hunderttausende Male geteilt.

«Ich fühle mich, als hätte ich das Peter-Pan-Syndrom»

Auch viele 20-Minuten-Leser stimmen der Diagnose zu. M. W. (29)* etwa gerät öfter an die Spezies Mann, die Partridge Jungs nennt: «Die Männer, die ich kennen gelernt habe, hatten durchs Band die gleiche Einstellung: nie heiraten, nie Kinder kriegen, lieber eine oberflächliche Bindung und die Freiheit geniessen.» Sie könne das nachvollziehen – für eine Frau mit Kinderwunsch sei dies aber ein Problem. Ein Grund für das Verhalten seien sicher Dating-Apps, wo das nächste Abenteuer nur ein Klick entfernt sei.

A. S.* (28) ist selbst werdender Vater – und damit in seinem Umfeld die Ausnahme. Dennoch hat er sich in Partridges Beschreibung wiedererkannt. «Ich fühle mich, als hätte ich das Peter-Pan-Syndrom.» Er habe Angst, der Verantwortung nicht gewachsen zu sein, habe am liebsten Spass mit seinen Freunden. Überhaupt sei es heute schwierig, als Mann allen Anforderungen gerecht zu werden. «Ich hoffe inständig, dass ich es auf die Reihe kriege.»

Männer in der Zwickmühle

Viele Männer sehen sich denn auch zu unrecht als Waschlappen verunglimpft – sie sehen sch als Opfer der gesellschaftlichen Entwicklung. M. H.* scheint vielen Lesern aus der Seele zu sprechen, wenn er schreibt: «Als Mann muss du die Eier legende Wollmilchsau sein. Darauf hab ich keine Lust mehr. Ausserdem verkommen Dates zu Vorstellungsgesprächen.»

Walter Hüppi sieht einen weiteren Grund für Bindungsängste der Männer in der immer noch hohen Scheidungsrate. Gerichte entschieden tendenziell zuungunsten der Männer, die dann ihre «moderne» und «unabhängige» Ex finanzierten. «Von den Männern wird immer mehr gefordert. Natürlich überlegen sich Junge da zweimal, ob man das Risiko einer Heirat in Kauf nehmen will.»

Leserin Melissa Schärer (37) plädiert dafür, dass Frauen den Männern auch genügend Freiräume lassen, um Mann zu sein. «Gleichberechtigung ist gut, darf aber nicht über das Ziel hinausschiessen.» Die gleiche Arbeit soll mit dem gleichen Lohn belohnt werden, die Gleichmacherei der Geschlechter, die schon in der Schule beginne, sei aber falsch. «Ich würde heute kein Mann sein wollen.»

«Beste Entscheidung meines Lebens»

Einige Väter berichten von den guten Erfahrungen, wenn sie im Sinne Partridges gehandelt hätten. So berichtet ein Leser, dass er mit 26 nach einer durchzechten Nacht mit einem Kater aufgewacht sei und realisiert habe, dass ihn das Personal seines Lieblingsclubs besser kenne als seine Mutter. Dann habe er seiner Freundin einen Antrag gemacht. «Es war der beste Entscheid meines Lebens.»

M. F.* findet die Kritik schlicht lächerlich: «Müssen denn alle eine Familie gründen? Es gibt auch solche, die einfach gern das Leben geniessen wollen. In vollen Zügen und ohne Abstriche.»

*Namen geändert

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