Lovely Me: «Ich habe zweimal meine rechte Hand verloren»
Publiziert

Lovely Me«Ich habe zweimal meine rechte Hand verloren»

Patricia hat bei einem Arbeitsunfall ihre rechte Hand verloren. Heute hat die 38-Jährige gelernt, mit ihren Einschränkungen zu leben.

von
Meret Steiger
1 / 5
Patricia ist 38 Jahre alt und lebt seit fast 20 Jahren ohne ihre rechte Hand, die sie bei einem Arbeitsunfall verloren hat.

Patricia ist 38 Jahre alt und lebt seit fast 20 Jahren ohne ihre rechte Hand, die sie bei einem Arbeitsunfall verloren hat.

zvg
Nach dem Unfall konnte die Hand wieder angenäht werden. «Nach drei Wochen habe ich eine Infektion bekommen. Man musste mir daraufhin die gesamte Hand amputieren», erzählt Patricia.

Nach dem Unfall konnte die Hand wieder angenäht werden. «Nach drei Wochen habe ich eine Infektion bekommen. Man musste mir daraufhin die gesamte Hand amputieren», erzählt Patricia.

zvg
Heute ist Patricia wieder glücklich: «Meine Körperhaltung stimmt nicht zu 100 Prozent, aber ansonsten geht es mir gut».

Heute ist Patricia wieder glücklich: «Meine Körperhaltung stimmt nicht zu 100 Prozent, aber ansonsten geht es mir gut».

zvg

Darum gehts

  • Patricia hat bei einem Arbeitsunfall 2001 ihre rechte Hand verloren.

  • Die Hand konnte erst wieder angenäht werden, durch eine Entzündung verlor Patricia die Hand nach einigen Wochen erneut.

  • Auf eine Prothese verzichtet die heute 38-Jährige.

  • «An schlechten Tagen verfluche ich den Fehler, der zu meinem Unfall geführt hat – aber an den anderen 360 Tagen im Jahr spielt es keine Rolle», sagt Patricia.

Patricia, was ist an dir besonders?

Ich habe mit 18 zweimal meine rechte Hand verloren. Sie konnte nach meinem Arbeitsunfall erst wieder angenäht werden, aber nach einigen Wochen habe ich eine Infektion bekommen, und die Hand musste amputiert werden.

Was ist bei dem Arbeitsunfall passiert?

Ich habe mit Güterzügen gearbeitet und beim Rangieren ein geschlossenes Signal übersehen. Aus Sicherheitsgründen, damit der Güterzug, in dem ich sass, keinen Personenzug traf, ist der Zug dann entgleist. Dabei ist mein Arm an einem Fahrleitungsmast hängen geblieben, und ich bin vom Güterwagen geschleudert worden. Am Boden wollte ich per Funk um Hilfe rufen und habe gemerkt, dass meine rechte Hand fehlt. Das war ein Schock, aber das Ausmass dieser Verletzung war mir in diesem Moment nicht klar. Zum Glück hat die Feuerwehr meine Hand gefunden, und im Spital wurde diese, vorerst erfolgreich, wieder angenäht.

Hat das funktioniert?

Vorerst schon. Doch nach drei Wochen mit meiner «neuen alten» Hand habe ich eine Infektion bekommen. Man musste mir daraufhin die gesamte Hand amputieren. Um ehrlich zu sein: Für mich war die Amputation der Hand fast schlimmer wie der Unfall.

Wie bist du damit umgegangen?

Anfangs war es nicht einfach. Ich hatte auch Suizidgedanken, die aber im Nachhinein fast ein bisschen skurril sind: Ich habe daran gedacht, mich im Spital aus dem Fenster zu stürzen – aber meine grösste Sorge war, mit welcher Hand ich den Infusionsbeutel halten sollte. Doch schon kurz nach der Amputation kam ich an einen Punkt, an dem ich mich fürs Kämpfen entschieden habe. Oder, wie es Die Toten Hosen sagen: «Steh auf, wenn du am Boden bist.»

Hast du nun eine Prothese?

Ich habe eine, aber ich habe sie schon lange nicht mehr benutzt. Nach der Amputation habe ich Ergotherapie bekommen, da war die Prothese auch ein Thema. Für mich war aber schnell klar, dass sie für mich keinen Mehrwert hat. Ich hatte grosses «Glück», dass ich wirklich nur meine Hand verloren habe – mein ganzer Unterarm ist noch da. Gerade beim Einkaufen kann ich zum Beispiel problemlos den Korb mit dem Unterarm halten. Ausserdem war es nicht meine dominante Hand. Da ich Linkshänderin bin, musste ich nicht alles neu lernen.

Wurdest du schon angestarrt oder angesprochen?

Angesprochen wurde ich noch nie, aber angestarrt immer wieder. Das macht mir aber nichts aus, es entspricht halt nicht der Normalität. Schlimm finde ich es eigentlich immer nur dann, wenn ein Elternteil «Psst!» zum Kind macht – das Kind wollte wahrscheinlich etwas fragen, und die Eltern geben ihm eine falsche Scham mit.

Wie geht es dir heute?

Meine Körperhaltung stimmt nicht zu 100 Prozent, aber ansonsten geht es mir gut. An schlechten Tagen verfluche ich den Fehler, der zu meinem Unfall geführt hat – aber an den anderen 360 Tagen im Jahr spielt es keine Rolle. In meinem Leben hat sich durch den Unfall auch einiges positiv verändert, zum Beispiel meine Selbstständigkeit als Tierbetreuerin. Das ist ein Traumjob, den ich ohne den Unfall wohl nicht ausüben würde.
Patricia ist 38 Jahre alt und ist selbstständige Tierbetreuerin. In ihrer Freizeit geht die 38-Jährige aus Müntschemier gerne Kegeln.

Hol dir den OneLove-Push!

Du willst keinen Comic von Yehuda Devir mehr verpassen, willst wissen, welche Bettgeschichten Ella, Bruce und Lars diese Woche erzählen, und interessierst dich für Facts und Trends rund um Beziehung, Sex und Dating? Kannst du von aussergewöhnlichen Liebesgeschichten und ungewöhnlichen Schicksalen nicht genug bekommen? Dann hole dir den OneLove-Push, um keine wichtige Story mehr zu verpassen.So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann aufs «Einstellungen»-Zahnrad und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «OneLove» an – schon läufts.

Deine Meinung