Aktualisiert 08.10.2018 21:01

Bully mit ernstem Film

«Ich hätte auch auf die Nase fallen können»

Mit «Ballon», einer wahren Geschichte über DDR-Flüchtige, drehte Michael «Bully» Herbig (50) erstmals einen Thriller. Mit Comedy ist nun vorläufig Schluss.

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Bully hat mit «Ballon» seinen ersten Thriller gedreht. <i>(Video: herbX Film/StudioCanal)</i>

Bully, «Ballon» dreht sich um die sogenannte Ballonflucht zweier DDR-Familien im Jahr 1979 – warum hat es fast 40 Jahre gedauert, bis der Stoff in Deutschland auf die Leinwand kommt?

Das ist eine interessante Frage. Bei «Der Schuh des Manitu» habe ich auch immer gedacht: Warum hat das denn noch keiner gemacht? Von «Ballon» gab es zwar in den 80er-Jahren eine US-Version («Night Crossing», Anmerkung der Redaktion), aber die Geschichte hat mich nie losgelassen.

Der Weg ins Kino war nicht einfach.

Stimmt. Ich brauchte die Remake-Rechte von Disney, obwohl die echten Familien längst ihre Zustimmung gegeben haben. Das hat zwei Jahre gedauert.

Und dann hat dir Star-Regisseur Roland Emmerich geholfen. Wie kam es dazu?

Das Projekt war kurz vor dem Scheitern. Dann bin ich nach Los Angeles geflogen und habe Roland angerufen. Wir kannten uns zwar nur flüchtig, aber ich war mal zum Barbecue bei ihm eingeladen und wir waren uns sympathisch.

Wie hat er auf deine Idee reagiert?

Wir sassen in seiner Küche und er hat nach zehn Minuten gleich verstanden, welches Potenzial diese Geschichte fürs Kino hat.

Das gibt Auftrieb, oder?

Ja, klar. Er hat eine Nase für absolutes Blockbuster-Kino. Da läufst du natürlich mit einem anderen Selbstbewusstsein bei Disney ein.

Welchen Hollywoodstar hättest du gern mal vor der Linse?

Ich bewundere Tom Hanks schon mein halbes Leben. Schlecht habe ich den noch nie gesehen. Und er hat diesen krassen Wandel von Komödien zu Dramen gemacht.

Den hast du mit deinem ersten Thriller jetzt auch gemacht. Gab es denn Leute, die sagten: ‹Bully, du kannst das nicht›?

Direkt hat mir das keiner gesagt, aber gedacht sicher. Jetzt wird mir erst bewusst, dass ich auch auf die Nase hätte fallen können. Auch, was das Historische anbelangt. Ich wollte vermeiden, dass Leute sagen: Jetzt kommt der Komiker aus Bayern und will uns erklären, wie die DDR funktioniert hat.

Stimmt es, dass du keine Komödien mehr drehen willst?

Als Darsteller wäre ich offen dafür, aber nicht als Regisseur. Ich habe grosse Lust auf andere Genres.

Was reizt dich?

Alles – ausser Horror. Da bin ich noch nicht so weit. Vielleicht in zehn Jahren.

Ein Schweizer Kinostart von «Ballon» ist momentan nicht geplant.

Zum Film:

1979 in Thüringen. Die Familien Strelzyk und Wetzel haben über zwei Jahre hinweg einen waghalsigen Plan geschmiedet: Sie wollen mit einem selbstgebauten Heissluftballon aus der DDR fliehen. Doch der Ballon stürzt kurz vor der westdeutschen Grenze ab. Die Stasi findet Spuren des Fluchtversuchs und nimmt sofort die Ermittlungen auf, während die beiden Familien sich gezwungen sehen, unter grossem Zeitdruck einen neuen Flucht-Ballon zu bauen. Mit jedem Tag ist ihnen die Stasi dichter auf den Fersen – ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Michael «Bully» Herbig drehte erstmals einen Thriller, vor der Kamera standen unter anderem mit Friedrich Mücke, Karoline Schuch und David Kross.

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