Diskriminierung bei Wohnungssuche: «Ich hätte einziehen dürfen, mein Mann nicht»
Aktualisiert

Diskriminierung bei Wohnungssuche«Ich hätte einziehen dürfen, mein Mann nicht»

Laut einer Studie haben Menschen mit ausländischem Nachnamen Mühe, eine Wohnung zu finden. Betroffene berichten von ihren Erfahrungen auf dem Schweizer Wohnungsmarkt.

von
rab
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Wer den «falschen» Namen hat, findet schwerer eine Wohnung: Türschild eines Zürcher Hochhauses. (Archivbild)

Wer den «falschen» Namen hat, findet schwerer eine Wohnung: Türschild eines Zürcher Hochhauses. (Archivbild)

Keystone/Christian Beutler
Eine Untersuchung im Auftrag des Bundesamts für Wohnungswesen (BWO) kommt zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit, eine Wohnung besichtigen zu dürfen, steigt oder sinkt, ...

Eine Untersuchung im Auftrag des Bundesamts für Wohnungswesen (BWO) kommt zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit, eine Wohnung besichtigen zu dürfen, steigt oder sinkt, ...

Keystone/Martin Ruetschi
... abhängig davon, mit welchem Namen ein Bewerbungstext gezeichnet ist.

... abhängig davon, mit welchem Namen ein Bewerbungstext gezeichnet ist.

Keystone/Anthony Anex

Gemäss den Autoren einer Studie im Auftrag des Bundesamts für Wohnungswesen (BWO) haben «Personen mit einem kosovarischen oder türkischen Namen eine deutlich geringere Chance, zu einer Wohnungsbesichtigung eingeladen zu werden».

«Mein Mann durfte nicht mit einziehen»

Bestätigen kann dies Leserin Jana S.* Die gebürtige Schweizerin ist in Zürich aufgewachsen. Als sie ihren Mann mit Nachnamen Omar heiratete, erlebte sie zum ersten Mal, mit was für Vorurteilen er sich herumschlagen muss. «Ich wollte zu ihm nach Thun ziehen, habe mit diesem Namen aber viele Absagen bekommen. Da hiess es, wir sollen dahin zurück gehen, wo wir herkommen. Einmal wurde mir sogar gesagt, ich könne einziehen, mein Mann aber nicht.»

Kurz vor der Geburt ihres Kindes liessen sie ihren Namen schliesslich legal ändern. Das kostete 600 Franken. «Auch in den sozialen Medien merke ich den Fremdenhass. Wenn ich mit meinem alten Namen poste, habe ich eine Stimme. Wenn ich mit Omar unterschrieben habe, wurde mir gesagt, ich dürfe keine Meinung haben, da ich keine Schweizerin sei», sagt S.

«Ich bekam eine Absage, mein Kollege nicht»

Ein anderer Leser mit türkischen Wurzeln erhielt monatelang nur Absagen auf seine Wohnungsbewerbungen. Dies verleitete ihn dazu, sich zweimal auf eine Wohnung zu bewerben: Einmal mit seinem richtigen Namen und einmal mit dem Nachnamen eines Freundes: «Ich erhielt eine Absage, aber meinen Kollegen haben sie eingeladen», so der Mann.

«Es kam der gleiche Satz»

Weitere Leser berichten in den Kommentarspalten von ähnlichen Erfahrungen. So hat etwa User Sla86 vor zwölf Jahren auf der Suche nach seiner ersten eigenen Bleibe bei einem Vermieter per Telefon um einen Besichtigungstermin gebeten. Dieser soll jedoch gesagt haben: «Es tut uns leid, die Wohnung ist seit gestern besetzt.»

Als das Inserat zwei Wochen später noch immer online aufgeschaltet war, versuchte der User erneut sein Glück: «Es kam der gleiche Satz wie zwei Wochen zuvor», erzählt er. Kurz darauf bat er seine Freundin – eine Schweizerin – darum, beim gleichen Vermieter anzurufen: «Sie wurde sofort gefragt, wann sie Zeit für eine Besichtigung hat. Mich schockierte das telefonische Aussortieren.»

«Will jedem die gleichen Chancen einräumen»

Ein anderer User ist selbst auch Vermieter und achtet sehr bewusst darauf, niemanden zu diskriminieren. «Entsprechend habe ich auch laufend fremdländische Mieter. Trotzdem zeigt meine Erfahrung, dass ich bisher mit den Schweizern respektive in der Schweiz geborenen im Durchschnitt weniger Aufwand hatte.» Er sehe trotz allem jeden Miet-Bewerber als eigenständige Persönlichkeit an: «Ich will jedem die gleichen Chancen einräumen. Schliesslich gibt es auch Schweizer, mit welchen ich dieselben Probleme hatte.»

*Name der Redaktion bekannt

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