Tom Lüthi im Interview: «Ich hätte gewinnen können»

Aktualisiert

Tom Lüthi im Interview«Ich hätte gewinnen können»

Tom Lüthi fuhr beim GP von Deutschland auf den starken 5. Platz. Nach dem Rennen erklärte er seine spektakuläre Niederlage gegen Randy Krummenacher und warum es nicht bis ganz nach vorne gereicht hat.

von
Klaus Zaugg
Sachsenring

Krummenacher zieht zwei Runden vor Schluss problemlos an Lüthi vorbei. (Quelle: SF)

20 Minuten Online: Tut es weh, erstmals auf diesem hohen Niveau von einem Schweizer überholt worden zu sein?

Tom Lüthi: Nein, überhaupt nicht. Randy Krummenacher hat in der Schlussphase, als andere und auch ich nicht mehr konnten, nochmals zugelegt. Eine Superleistung, ich gratuliere.

Wussten Sie, dass er von hinten heranfährt?

Ja, ich wusste, dass ein Fahrer aufholt. An der Box ist es mir angezeigt worden und ich habe es auf der Grossleinwand gesehen.

Sie haben es auf der Grossleinwand gesehen? Fernsehen während des Rennens?

Ja, es gibt auf den meisten Rennstrecken ein paar Sekundenbruchteile, um auf die Grossleinwand am Streckenrand zu schauen. Da habe ich gesehen, dass einer auf einer weissen Maschine den Anschluss findet, habe aber nicht gesehen, wer es war.

Sie waren dann im Zweikampf gegen Randy Krummenacher chancenlos.

Ja, das ist so. Dabei hätte ich das Rennen gewinnen können.

Was ist passiert?

Ich hatte nach einer etwas wilden ersten Phase des Rennens mit harten Zweikämpfen gegen Hernandez den Anschluss an die Spitzengruppe gefunden und konnte problemlos folgen. Als das Signal kam, dass von hinten einer aufholt, konnte ich DeAngelis ohne Schwierigkeiten überholen und auf Platz drei vorstossen. Sechs Runden vor Schluss spürte ich, wie die Reifen nachlassen, drei Runden vor Schluss waren die Reifen ganz ruiniert und ich war gegen Randy Krummenacher chancenlos. Ich konnte nicht mehr zusetzen.

Hätten Sie mit guten Reifen das Rennen gewinnen können?

Ja, ich hätte gewinnen können.

Alle Piloten fahren mit Einheitsreifen. Wie kann es sein, dass Sie wegen der Reifen nicht mehr um den Sieg fahren können, während andere Fahrer mit der gleichen Maschine und den gleichen Reifen gewinnen?

Die Reifenabnutzung hängt von der Abstimmung der Maschine ab. Das macht die Differenz.

Es war also nicht ein «fauler» Reifen?

Nein, das wäre eine Ausrede. Die Abstimmung meiner Maschine verursachte den grösseren Reifenverschliess. Wir werden nun das Rennen genau analysieren um herauszufinden, was wir bei der Abstimmung ändern müssen.

Wir stehen nun bei «Halbzeit» der WM. Wie sieht Ihre Bilanz aus?

Nach einem sehr guten Saisonbeginn gingen wir bei der Abstimmung der Maschinen in eine falsche Richtung und wir hatten einen Durchhänger, der durch meinen heftigen Sturz in Barcelona noch verschlimmert worden ist. Nun sind wir wieder auf einem guten Weg. Der Sachenring ist ja nicht meine Lieblingsstrecke und trotzdem waren wir im Training und im Rennen vorne dabei.

Sie sind jetzt wieder dort, wo Sie am Anfang der Saison schon mal waren?

Ja, so kann man das sagen. Beim nächsten Rennen in Brünn werde ich wieder um einen Podestplatz fahren.

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