Mein Horrordate - «Ich hätte mein Date fast im Wald sitzengelassen»
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Mein Horrordate«Ich hätte mein Date fast im Wald sitzengelassen»

Dario* (22) will die naturverbundene Handygegnerin Nurja* (22) beeindrucken. Beim technologiefreien Spaziergang sind die beiden aber fast verloren gegangen.

von
Meret Steiger
Weil Nurja* (22) naturverbunden ist, geht Dario* (22) mit ihr im Wald spazieren – doch das nicht ganz ohne Probleme…

Weil Nurja* (22) naturverbunden ist, geht Dario* (22) mit ihr im Wald spazieren – doch das nicht ganz ohne Probleme…

Illu: Anna Deér

Darum gehts

  • Dario (22) sieht sein Schulgspändli Nurja (22) nach vielen Jahren wieder – und ist schockverliebt.

  • Nurja besitzt kein Smartphone und macht klar, dass sie Handys und Social Media blöd findet.

  • Deswegen lässt Dario beim gemeinsamen Spaziergang sein Handy im Auto und verschweigt so einiges.

  • Diese Entscheidung bereut er aber schon nach kürzester Zeit.

«Ich kenne Nurja von früher, wir sind im gleichen Dorf zur Schule gegangen. Danach haben wir aber beide eine Lehre gemacht und uns aus den Augen verloren. Ausserdem war sie ewig lange in Südamerika auf Reisen. Doch kurz nach ihrer Rückkehr haben wir uns zufällig in der Stadt getroffen und ich war sofort verzaubert.

Shit, Nurja ist ja sagenhaft schön geworden! Sie war schon immer hübsch – fand ich jedenfalls. Aber als ich sie dort am Bahnhof gesehen habe… Ich war instant verliebt. Und deswegen wahrscheinlich auch instant ein bisschen doof. Wir hatten ein kurzes Gespräch, in dem Nurja schon angedeutet hat, dass sie kein Smartphone besitzt, Social Media blöd findet und eigentlich am liebsten in einer Waldhütte leben würde.

«Ich wollte einfach so sein, wie sie sich ihren Traummann vorstellt»

Während dieses ganzen Gesprächs habe ich nur zustimmend genickt, weil ich in der Zwischenzeit in Nurjas Augen versunken bin. Ganz ehrlich: Ich LIEBE Social Media. Ich hänge ständig am Handy. Aber für Nurja hätte ich in diesem Moment mein Telefon sofort im nächstbesten See versenkt, meine Profile bei Facebook und Insta für immer gelöscht – wirklich jetzt!

Jedenfalls hat Nurja mir dann die Festnetznummer ihrer Eltern gegeben, bei denen sie nach ihrer Reise erstmal untergekommen ist. Wir haben ein paar Mal telefoniert und ich habe, ehrlich gesagt, so getan, als wäre ich auf ihrer Natur-Eso-Schiene. Ich wollte einfach so sein, wie sie sich ihren Traummann vorstellt, gopf. Nach einigen Gesprächen haben wir uns schliesslich für einen Waldspaziergang verabredet.

«Ein handyfreier Spaziergang klingt doch nett...»

Wir treffen uns am Parkplatz vor dem Wald. Ich sehe Nurja von weitem und bin sofort wieder schockverliebt. Mein Handy lasse ich natürlich im Auto, schliesslich möchte ich ihr beweisen, dass ich auch total naturverbunden und handyfeindlich bin. Anfangs läuft es super: Zur Begrüssung gibt es eine innige Umarmung und wir finden sofort Gesprächsthemen.

Wir spazieren seit etwa einer Stunde durch den Wald, als Nurja irgendwas von «unbetretenen Wegen» und «neue Orte entdecken» sagt – und sich vom Weg entfernt und einfach direkt in den Wald läuft. Ich gehe ihr natürlich hinterher. Ich bin immer noch schockverliebt, aber während wir durch das Unterholz stolpern und Nurja von ihren spirituellen Erfahrungen in Panama erzählt, stelle ich langsam aber sicher meinen Frauengeschmack in Frage.

«Shit, wo sind wir?»

Nach einer weiteren halben Stunde, in der wir immer tiefer in den Wald gehen, habe ich es langsam gesehen. Ich schlage Nurja vor, dass wir vielleicht noch irgendwo etwas trinken gehen. Sie ist einverstanden und wir kehren um. Oder das denken wir zumindest, aber irgendwie ist der Weg nicht mehr da, wo wir ihn vermuten. Shit. Wo sind wir eigentlich?

Ich verfluche mich selbst, weil ich mein Handy nicht eingepackt habe. Während wir nun etwas ziellos durch das Geäst irren, wird Nurja immer nervöser. Es ist offensichtlich, dass wir uns verlaufen haben. Und obwohl ich auf dem ursprünglichen Weg geblieben wäre, gibt Nurja mir die Schuld an allem! So weinerlich wie sie sich in diesem Wald gibt, kann ich beim besten Willen nicht glauben, dass sie angeblich tagelang durch den Dschungel in Südamerika gelaufen ist.

Nach insgesamt fünf Stunden im Wald finden wir den Weg dann endlich wieder. Ich bin wahnsinnig dankbar, war ich doch kurz davor, Nurja einfach stehen zu lassen. Meine Schockverliebtheit? Weg. Meine gemeinsame Zukunft mit Nurja? Inexistent. Mein Handy? Glücklicherweise sicher in meinem Auto – und bereit für ein Tinder-Abenteuer mit jemandem, der keine Angst vor Technologie hat.

*Namen geändert

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