Aktualisiert 21.02.2017 11:28

Strassenumfrage

«Ich hätte sonst Automechaniker gelernt»

Viele Schweizer finden, es gebe zu viele Gymischüler. 20 Minuten hat bei Lehrlingen und Studierten nachgefragt, wie sie darüber denken.

von
lz

59 Prozent der Schweizer Stimmbevölkerung sind der Meinung, dass es zu viele Gymnasiasten gibt, so eine Umfrage von Vimentis. Das Resultat sorgt für kontroverse Reaktionen.

«Offenbar leiden viele Personen mit einem Lehrabschluss unter falschen Minderwertigkeitskomplexen und lassen ihren Frust an den Gymnasiasten ab», so der scharfzüngige Kommentar von Bildungspolitikerin Kathy Riklin. Sie erklärt sich das Umfrageresultat mit dem Umstand, dass die Mehrheit der Schweizer keine Matura hat. Es gebe mit Sicherheit nicht zu viele Gymnasiasten, so die CVP-Nationalrätin weiter. Sonst würde die Schweiz ja nicht gezwungen sein, Fachkräfte aus dem Ausland zu holen.

Koch wird Sozialpädagoge

20 Minuten wollte von Passanten wissen, ob sie ebenfalls der Meinung sind, dass es zu viele Gymnasiasten gibt (siehe Video oben). Oder leiden viele Nicht-Akademiker doch an unbegründeten Minderwertigkeitskomplexen?

Nicht alle können das Umfrageresultat verstehen. Ida Bähler (22), Veterinärmedizin-Studentin aus Liestal BL, sagt etwa: «Bildung ist gerade für die Schweiz als Wirtschaftsstandort sehr wichtig.»

Der Theorie, dass viele Lehrabgänger gegenüber Gymnasiasten Komplexe hätten, kann sich niemand unter den Befragten anschliessen. «Also ich habe keine Komplexe, weil ich nicht ans Gymi gegangen bin», sagt die 16-jährige Sarina Ebener. Sie beginnt in Kürze eine Lehre als Fotofachfrau.

Die Frage für welchen Werdegang sich die Befragten entschieden hätten, wenn sie die umgekehrte schulische Laufbahn beschreiten müssten, ergab interessante Antworten: So hätte Koch Julian Rehberg (19) gern Sozialpädagogik studiert und die angehende Tierärztin Ida Bähler wäre Automechanikerin geworden.

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