Aktualisiert 11.05.2017 21:33

Rüfenacht-Schocker«Ich hätte verbluten können»

Nach der Schlittschuhattacke von Ziga Jeglic fordert Thomas Rüfenacht eine lebenslange Sperre für den slowenischen Stürmer. Die Kufe hatte den Hals des Schweizers nur knapp verfehlt.

von
Marcel Allemann, Paris

Die Szene war der grösste Aufreger bislang an dieser WM: wie der Slowene Ziga Jeglic am Samstag mit dem Schlittschuh gegen den Hals von Nati-Stürmer Thomas Rüfenacht tritt, als dieser vor der slowenischen Bank ein Handgemenge mit Robert Sabolic hat.

Rüfenacht hatte alles Glück dieser Welt, dass ihn der irre slowenische Kung-Fu-Stürmer nicht richtig traf und aufschlitzte.

«Ich habe zum grossen Glück keinen Kratzer, doch es hätte anders kommen und ich hätte verbluten können», sagt der SCB-Stürmer zu diesem krassen Vorfall und schüttelt den Kopf.

Erst später realisiert

Im Spiel selber nahm diesen weder Rüfenacht selbst noch sonst jemand von der Schweizer Bank wahr. «Ich war mit Sabolic beschäftigt und dachte, da boxe noch ein weiterer Slowene in meine Richtung. Doch dass dies sein Schlittschuh war, hätte ich nie gedacht. Hätten wir das gewusst, dann hätten wir als Team bestimmt reagiert.»

So richtig bewusst, was da geschehen war, wurde es dem 32-Jährigen erst in der Nacht auf Montag. «Zuvor war ich auf das Spiel gegen Norwegen fokussiert. Doch danach habe ich das Video noch mehrmals angeschaut, und viele Freunde und Leute aus meiner Familie haben sich per SMS bei mir gemeldet, weil sie schockiert waren.» Das war auch Rüfenacht. Und nun kommt auch noch die Wut hinzu.

Erst später realisiert

Die IIHF hat Jeglic für zwei Spiele gesperrt. Nur für zwei Spiele. Für Rüfenacht ist dieses Urteil ein Skandal: «Das war ein vorsätzlicher Angriff mit einer Waffe, er hat den Schlittschuh als Messer missbraucht. Das hat mit Eishockey nichts mehr zu tun. Die IIHF sollte ein Zeichen setzen und diesen Spieler lebenslang sperren. Dass er mich nicht richtig getroffen hat, war reiner Zufall. Hätte er mich getroffen, dann wäre ich nicht mehr hier, und Jeglic würde sicherlich lebenslang gesperrt. Doch weil glücklicherweise nichts passiert ist, kommt er so davon – das kann nicht sein!»

Täter Jeglic hat Rüfenacht seit dem Spiel nicht mehr gesehen, obwohl die Schweizer und die Slowenen im gleichen Hotel wohnen. «Ich weiss nicht, was ich mache, sollte er mir über den Weg laufen. Doch eigentlich möchte ich diesen Typen nie mehr sehen, der sollte eigentlich auch gar nicht mehr hier sein!» Auch vom slowenischen Verband hat sich noch niemand bei Rüfenacht gemeldet: «Das bringt mir zwar nicht viel, aber zumindest eine Entschuldigung hätte ich schon erwartet.»

«Ich wollte niemanden verletzen»

Diese Schocker-Szene ist natürlich auch in Slowenien ein grosses Thema. Der 29-jährige Ziga Jeglic, der bei Slovan Bratislava in der KHL spielt, steht im Ruf, im Gegensatz zu einigen anderen slowenischen Nationalspielern eigentlich ein ruhiger und besonnener Sportler zu sein. Gegenüber slowenischen Journalisten sagte Jeglic, dass er erschrocken sei, als er am Tag nach dem Spiel gegen die Schweiz diese Videoaufnahmen von sich gesehen habe. Er habe nicht glauben können, dass er das sei: «Es tut mir enorm leid. Ich wollte doch niemanden verletzen!»

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