Aktualisiert 14.08.2019 12:15

Hauptbahnhof Zürich

«Ich halte mich sicher nicht ans Rauchverbot»

In der Nacht auf Mittwoch wurden die Aschenbecher am Zürcher HB abmontiert. Die Pendler sind skeptisch, Raucher künden Widerstand an.

von
juu

Am grössten Schweizer Bahnhof brechen für Raucher harte Zeiten an. Am Dienstag wurden am Hauptbahnhof Zürich mehrere Markierungen am Boden angebracht, die das Rauchverbot im Inneren signalisieren sollen. Ab Mittwoch soll der gesamte Bahnhof rauchfrei werden – auch E-Zigaretten sind untersagt. Nur in speziellen Sektoren vor den Bahnhöfen und auf den Perrons ist das Qualmen weiterhin erlaubt.

Pro Perron wird es neu noch zwei grosse Aschenbecher geben, die Bahnhofshalle wird komplett rauchfrei. Über den Zonen soll ein Hinweis hängen, dass das Rauchen nur zwei Meter links und rechts davon gestattet ist. «Eine Markierung oder Einzäunung wird es aber nicht geben. Wenn jemand zweieinhalb Meter weiter weg steht, ist es auch nicht schlimm», sagt Christian Fricker, Projektleiter bei der SBB.

«Wir setzen auf Kommunikation statt Bussen»

Schweizweit sollen bis 2020 insgesamt rund tausend Bahnhöfe umstrukturiert werden. Ziel sei es, für einen angenehmeren Geruch zu sorgen und die Abfallmenge, die durch das Rauchen entsteht, zu minimieren. Laut dem Verband öffentlicher Verkehr landen schweizweit pro Tag rund 550 Kilogramm Zigarettenstummel auf dem Gleisbett. Da Zigarettenfilter aus dem thermoplastischen Kunststoff Celluloseacetat bestehen, sind sie biologisch nicht abbaubar. Die Entfernung der Stummel kostet die SBB jährlich rund drei Millionen Franken. Einige Dutzend Bahnhöfe wurden bereits umgerüstet.

Wer im Verbot raucht, hat nicht viel zu befürchten: «Wir setzen auf Kommunikation. Deshalb werden wir auch keine Bussen ausstellen», so Fricker. Stattdessen würde man die Rauchenden ansprechen und höflich auf die signalisierten Bereiche hinweisen. Auf den unterirdischen Gleisen hingegen ist das Rauchen schon seit geraumer Zeit untersagt. Wie Fricker sagt, können dort weiterhin Bussen und Verzeigungen ausgesprochen werden.

«Das Rauchverbot ist eine Möchtegern-Erziehung»

Rund 80 Aschenbecher werden in der Nacht auf Mittwoch abmontiert. Die Veränderung kommt nicht bei allen gut an: «Das ist einfach nur eine Möchtegern-Erziehung», schimpft eine junge Pendlerin. Andere pflichten ihr bei: «Das ist so dumm, also ich werde mich sicher nicht daran halten», sagt etwa der 17-jährige Erik Oehmichen. Selbst Nichtraucher sind der Meinung, dass die Umsetzung schwierig wird: «Ich finde es gut, denn der Rauch stört mich. Aber ich denke, dass es die Raucher nicht interessieren wird», findet Ivana Lekic (siehe Video).

Auch bei der SBB ist man sich bewusst, dass die Umstellung nicht von heute auf morgen erfolgt: «Die neue Regelung bedarf einer Verhaltensänderung. So etwas braucht einfach seine Zeit», sagt Fricker. Dennoch sei man zuversichtlich, dass sich in naher Zukunft alle mit der neuen Regelung arrangieren werden.

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