Aktualisiert 30.06.2009 07:13

Tote Hündin«Ich handelte aus Notwehr»

Hündin Gina ist tot. Ihre Besitzerin erhebt schwere Vorwürfe gegen einen Hundebesitzer, der Gina totgeschlagen haben soll und dann einfach weglief. Nun meldet sich dieser bei 20 Minuten Online und erzählt, wie er der Hündin erste Hilfe leistete.

von
Annette Hirschberg

Die tragische Geschichte von Hündin Gina sorgte letzte Woche für Aufruhr. Besitzerin Janina Zbinden erzählte zahlreichen Medien, ihre beiden Hofhunde Gina (5) und Tyson (3) seien zu einem Passanten gerannt, der mit einem kleinen weissen Hund auf einem Spazierweg unmittelbar bei ihrem Bauernhof unterwegs war. Den Vorfall schildere sie so: «Ich stand auf dem Vorplatz des Hofes. Plötzlich hörte ich einen dumpfen Knall. Es tönte wie ein Schlag. Ich rannte zu meiner Hündin Gina. Sie lag am Boden und röchelte nur noch. Ihre Zunge war ganz blau. Minuten später war sie tot. Vom Mann fehlte jede Spur.»

Diese schweren Vorwürfe wollte Enver D.* nicht auf sich sitzen lassen. Denn er hatte sich an jenem Samstag gegen die Hunde von Zbinden zur Wehr gesetzt. Abgehauen war er jedoch nicht, er meldete sich sogar selbst bei der Polizei wegen des Vorfalls. 20 Minuten Online erzählt er seine Version des «tragischen Tages».

«Ich fürchtete um das Leben meiner Sunny»

«Niemals werde ich diesen Samstagnachmittag vergessen», sagt Enver D. Dem gestandenen Mann treten dabei die Tränen in die Augen. «Ich hatte gerade meine kleine Hündin Sunny von der Leine gelassen, als von einem etwa 20 Meter entfernten Bauernhof zwei laut bellende Hunde auf sie losstürzten.» Die Besitzerin habe von Weitem nach den Hunden gerufen, doch die beiden hätten nicht reagiert, sondern seien einfach weitergerannt. Bei seiner Hündin angekommen, seien die beiden sofort auf sie los gegangen. «Sie packten sie, drehten sie auf den Rücken und liessen nicht von ihr ab.», erzählt Enver D. Da habe er Panik bekommen. «Ich fürchtete um das Leben von Sunny, sie war ja so viel kleiner, und die angreifenden Hunde waren zu zweit.»

«Ich leistete sofort Erste Hilfe»

Weil er die Hunde abwehren wollte, aber Angst vor Bissen hatte, trat er einmal nach den Hunden. «Niemals wollte ich einen verletzen oder gar töten», sagt er. Als Hündin Gina anfing zu taumeln, habe er sofort Erste Hilfe geleistet. Er habe am Boden gekniet und sich um das Tier gekümmert, als die Besitzerin auftauchte. «Da stiess sie mich weg und beschimpfte mich», erzählt er. Enver D. hat Verständnis für das Verhalten der Besitzerin. «Schliesslich hatte auch sie Panik um ihre Hündin», sagt er. Er habe weiter helfen wollen. Doch sie habe darauf mit «hau einfach ab, verschwinde» reagiert und ihn ständig weggestossen. Schliesslich habe sie den Hund weggetragen. Enver D. hat dann ihrer ebenfalls anwesenden Freundin seinen Namen gegeben. «Ich wollte mich nie aus der Verantwortung stehlen.»

«Immer wieder rief ich auf dem Hof an»

Als er nach Hause kam, war er immer noch völlig aufgelöst und voller Sorge. «Ich wusste nicht einmal, ob der Hund noch lebt oder nicht.» Übers Internet habe er den Hof der Hundebesitzerin ausgemacht und immer wieder angerufen. «Sicher fast zwanzig Mal, aber es hat nie jemand abgenommen.» Schliesslich habe er sich am Abend bei der Polizei gemeldet. «Ich habe die Nummer 117 gewählt und alles erzählt.» Die Kapo Zürich bestätigt diese Aussage. Der Beamte, mit dem Enver D. sprach, hatte keine Anzeige der Hundebesitzerin gefunden. Falls es eine Anzeige gebe, werde er benachrichtig, wurde Enver versprochen. «Dass Gina tot ist und Anzeige erstattet wurde, habe ich trotzdem zuerst aus den Medien erfahren», sagt Enver D.

Verantwortung bei der Halterin

Der Tod der Hündin tut ihm unendlich leid. «Das ist einfach schrecklich, aber ich handelte aus Notwehr», sagt er. Für ihn trägt die Hundebesitzerin die Hauptschuld am Vorfall, weil sie ihre Hunde nicht unter Kontrolle hatte. «Die dürfen ihr nicht einfach abhauen und einen anderen Hund bedrohen.»

*Name geändert

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