20.08.2014 17:50

Mardy Fish«Ich hatte alle 30 Minuten eine Angstattacke»

Mardy Fish war 2011 die Weltnummer 7 im Tennis. Vor zwei Jahren bekam er Angstzustände und hat seit zwei Jahren beinahe nicht mehr gespielt. Dafür versucht er sich im Golf.

von
hua

Kennen Sie Mardy Fish noch? Der amerikanische Tennisspieler stand im August 2011 auf dem 7. Rang der Weltrangliste, er gewann sechs Titel auf der ATP-Tour. Aktuell wird der 32-Jährige noch auf Position 1024 geführt. Dieses Abrutschen hat aber nicht damit zu tun, dass Fish schlecht spielt. Nein, der Amerikaner spielt derzeit gar nicht - und das hat einen triftigen Grund: Fish leidet seit zwei Jahren unter Angstzuständen.

Dem Profi aus Minnesota wurde im März 2012 eine Form von Herzrhythmusstörungen diagnostiziert. Doch dieses Gebrechen verschlimmerte sich schon bald, denn Fish begann unter Angststörungen zu leiden. Der Rechtshänder spielte zwar noch weiter, er konnte aber sich nicht mehr auf seinen Sport konzentrieren, bis er im Oktober 2013 die Notbremse zog. In der dritten Runde an den Winston-Salem Open spielte der Amerikaner gegen den Finnen Jarkko Nieminen und gab im dritten Satz auf, da die Panikattacken zu stark wurden. Seither hat Fish noch dreimal den Tennisschläger geschwungen.

Panikattacke im Flugzeug

Als einen der schwierigsten Momente in den letzten Jahren bezeichnet Fish einen Vorfall mit Roger Federer. 2012 hätte der Amerikaner in der vierten Runde der US Open gegen den Maestro antreten sollen, doch er gab wenige Minuten vor der Partie forfait. Und es kam noch schlimmer: Als Fish am gleichen Abend mit seiner Frau von New York nach Los Angeles fliegen wollte, geriet er in Panik, als das Flugzeug gerade das Gate verliess. «Zum Glück war meine Frau dabei. Sie sprang auf und sagte, wir müssten sofort das Flugzeug verlassen.» So flog das Ehepaar Fish erst fünf Tage später nach Los Angeles - in einem Privatjet. Danach war der Tennisspieler so verängstigt, dass er sein Haus für drei Monate nicht verlassen konnte.

«Ich hatte zu dieser Zeit alle 30 Minuten Angstattacken. Sie wollten einfach nicht aufhören», so der 32-Jährige. Nun geht es dem Amerikaner den Umständen entsprechend besser. Er hat keine Panikattacken mehr, doch er muss immer noch Medikamente nehmen und befindet sich weiterhin in Therapie. Aber er war in den vergangenen zwei Jahren nicht in der Lage, allein zu reisen oder eine Nacht allein zu verbringen. «Am traumatischsten war es aber immer auf dem Tennisplatz», gibt Fish gegenüber «USAtoday» zu.

Fish schliesst ein Comeback nicht aus

Ein Comeback auf der ATP-Tour hat Fish bisher nicht kategorisch ausgeschlossen. «Ich will wieder spielen», sagt er. Um gleich darauf anzufügen: «Ich bin einfach nicht sicher, ob mir das je gelingen wird. Es ist immer noch ein täglicher Kampf.» Auch andere noch aktive Spieler sind sich nicht sicher, ob ihr Kollege zurückkehren oder seine Karriere beenden wird. «Ich wäre nicht überrascht, wenn er sich für das eine oder das andere entscheidet. Ich hoffe aber, dass er den Reiz verspürt, noch mal zurückzukommen. Das wäre für alle super», sagt John Isner, die Weltnummer 15 und einer von Fishs Freunden - zu diesen gehört auch Andy Roddick -, mit denen er den Kontakt weiterhin pflegt.

«Wenn ich nie mentale Gesundheitsprobleme gehabt hätte, bestünde bei mir kein Zweifel, dass ich immer noch spielen würde», sagt Fish. Da er derzeit nicht Tennis spielen kann, kümmert er sich um seine beiden Kinder und spielt Golf. Und das nicht mal schlecht. Fish hat bisher eine 67er-Runde als bestes Ergebnis vorzuweisen. Einen Cut hat er aber noch nie überstanden. Er träumt davon, einmal an den US Open im Golf und im Tennis teilnehmen zu können. Da kann man ihm nur wünschen, dass ihm das gelingt.

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