15.01.2019 05:55

Strafgericht BS«Ich hatte Angst, dass sie mir den Penis abbeisst»

Eine heute 36-jährige Chinesin soll einem 60-jährigen Schweizer ins Glied gebissen haben. Sie sagt, er habe sie vergewaltigt und danach zum Oralsex gezwungen.

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Am Montag musste sich ein 60-jähriger Schweizer vor dem Basler Strafgericht verantworten. Er soll eine 36-jährige Chinesin vergewaltigt haben, wonach sie ihm in den Penis biss.

Am Montag musste sich ein 60-jähriger Schweizer vor dem Basler Strafgericht verantworten. Er soll eine 36-jährige Chinesin vergewaltigt haben, wonach sie ihm in den Penis biss.

Keystone/Georgios Kefalas

Die Chinesin Y. Y.* (36) soll dem Schweizer Geschäftsmann M. K.* (60) in den Penis gebissen haben, nachdem er sie vergewaltigt und zum Oralsex gezwungen hatte. Am Montag, 14. Januar, mussten sich beide vor dem Strafgericht verantworten.

Der gutbetuchte K. hatte nach der Trennung von seiner Frau seine Vorliebe für asiatische Frauen entdeckt und gab vor Gericht zu, sie im Rotlichtmilieu aufgesucht zu haben. In Basel verliebte er sich schliesslich in Y., eine der Frauen, die von einem Zeugen als Sexarbeiterin identifiziert wurde.

«Ich glaubte, ich hätte sie vor diesem Leben gerettet. Es war eine Fantasie»

Beschuldigter Markus K.

Die beiden zogen zusammen, doch das Glück währte nicht lange. Noch vor dem Aus der Beziehung soll K. laut Y. gewalttätig geworden sein. Er bestreitet das. Im Februar 2016 eskalierte die Situation und K. forderte von Y. Befriedigung, solange sie bei ihm wohne, wie der Anklageschrift zu entnehmen ist. Als er sie am nächsten Morgen auch noch zum Oralverkehr habe zwingen wollen, soll sie zugebissen haben.

Autsch

Der Biss ins Glied ist unbestritten. K. erlitt laut Anklageschrift Hautunterblutungen, eine blutende, sieben Millimeter lange Hautdurchtrennung sowie mehrere Schürfungen am Penis. Zudem fanden Ärzte mehrere halbmondförmige Verschorfungen am Penisschaft. K. sagte, er habe Angst gehabt, dass sie ihm den Penis abbeisst.

Für die Vergewaltigung hingegen gibt es keine objektiven Beweise. Ob es tatsächlich zu dieser kam, wird das Gericht anhand der Glaubwürdigkeit der Aussagen der Betroffenen entscheiden müssen.

Aussage gegen Aussage

Denn K. zeichnet ein ganz anderes Bild der Vorgänge. Laut ihm habe Y. den Sex in der Nacht initiiert, er habe aber aufgehört, weil er die Beziehung beenden wollte. Weshalb sie ihn am nächsten Morgen in sein Glied biss, konnte er sich nicht erklären.

Sein Anwalt, Christophe Dumartheray, hatte sehr wohl ein Motiv parat: Y. soll Angst gehabt haben, ihre Aufenthaltsbewilligung zu verlieren, sollte sie ihn nicht heiraten können. «Sie wollte die Trennung nicht akzeptieren und biss aus Wut und Frust», sagte er.

«Es war eine Kurzschlusshandlung»

Christophe Dumartheray, Anwalt von K.

Die Vergewaltigung soll Y. schliesslich hinzugedichtet haben, um den Biss zu rechtfertigen. Diesbezüglich äusserte Dumartheray auch Zweifel an den Angaben des Opfers: «Was Sie an Schilderungen des Ablaufs haben, ist schlichtweg nichts», konstatierte er in seinem Plädoyer.

Die Geschichte einer Sexarbeiterin

Sowohl Staatsanwältin Christine Egli wie auch Anina Hofer, Anwältin von Y., waren sich einig, dass die Verteidigung versucht habe, die Frau – und mit ihr ihre Aussagen – in ein schlechtes Licht zu rücken. Ihr Unwille, ihre Tätigkeit im Basler Massage-Salon zuzugeben, sei allerdings nur ein Nebenschauplatz, so Egli. «Wir müssen das Tatgeschehen beurteilen, nicht die Vorgeschichte», sagte Hofer.

Beide empfanden die Aussagen von Y. als glaubhaft. So habe Y. nicht einmal ihre Opferstellung für ein Bleiberecht in der Schweiz genutzt, obwohl es auf dem Spiel stand, argumentierte Hofer. Der Biss sei zudem in Notwehr erfolgt, weshalb die Parteien keine Strafforderungen gegen die Frau stellten.

«Sie hätte sicher nicht diese ganzen Strapazen auf sich genommen, nur um Rache zu üben»

Anina Hofer, Anwältin von Y.

Egli fordert eine Verurteilung von K. wegen Vergewaltigung und eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Hofer hält zudem an einer Genugtuung von 12'000 Franken fest. Dumartheray will einen Freispruch für seinen Mandanten. Das Urteil ist für Dienstag, 16 Uhr angesetzt.

*Namen der Redaktion bekannt

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