Zürich – «Ich hatte Angst» – Ex-Polizeioffizier wegen Stalking verurteilt
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Zürich«Ich hatte Angst» – Ex-Polizeioffizier wegen Stalking verurteilt

Ein ehemaliger Offizier der Zürcher Kantonspolizei hat seine Geliebte und Mutter des gemeinsamen Kindes mit Todesdrohungen drangsaliert, nachdem sie ihn verlassen hatte.

von
Stefan Hohler
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Vor dem Einzelrichter des Bezirksgerichts Zürich musste sich ein Ex-Polizist wegen Nötigung verantworten. 

Vor dem Einzelrichter des Bezirksgerichts Zürich musste sich ein Ex-Polizist wegen Nötigung verantworten.

20min/hoh
Er soll seine ehemalige Geliebte und Mutter des gemeinsamen Kindes  über Monate hinweg gestalkt, drangsaliert und genötigt haben. 

Er soll seine ehemalige Geliebte und Mutter des gemeinsamen Kindes über Monate hinweg gestalkt, drangsaliert und genötigt haben.

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Darum gehts

  • Ein Ex-Kadermann der Kantonspolizei Zürich hat seine Geliebte mit Todesdrohungen genötigt.

  • Die Frau, mit der der Mann ein gemeinsames Kind hat, hatte die Liebesbeziehung mit ihm abgebrochen.

  • Der Einzelrichter des Bezirksgerichts Zürich hat ihn wegen Nötigung verurteilt.

Der ehemalige Offizier der Zürcher Kantonspolizei konnte die Trennung nicht akzeptieren und wollte um jeden Preis mit seiner Geliebten und dem gemeinsamen Kind zusammenleben. Auf knapp 130 Seiten sind in der Anklageschrift Unmengen von E-Mails, Briefen und Skype-Nachrichten niedergeschrieben, in welchen der verheiratete Mann während eineinhalb Jahren seiner ehemaligen Geliebten Vorwürfe und Drohungen machte («Nebst der Militärwaffe und der Polizeiwaffe habe ich noch zwei private»), Suizidabsichten ankündigte («Soeben Suizid im Tatort geschaut, falls es Dich interessiert») sowie die Weiterführung der Liebesbeziehung forderte ( «Ohne Liebe funktioniert keine Familie»).

Am Prozess am Donnerstag vor dem Einzelrichter sagte die Frau, dass die Suizid- und Todesabsichten sie in Panik versetzt hätten: «Ich habe die Drohungen ernstgenommen und hatte Angst pur.» Er habe sie weiterhin als Geliebte gewollt, seine Familie aber nicht verlassen wollen. «Er hat meine Mandantin über Monate hinweg gestalkt, drangsaliert und genötigt», fasste ihr Anwalt die Anklageschrift zusammen. Die Staatsanwältin verlangte wegen Nötigung und Hausfriedensbruch eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 90 Franken.

Nur Verlierer und keine Gewinner

Für den Beschuldigten waren die gemachten Aussagen eine Dummheit gewesen, welche er in seiner grossen Verzweiflung geäussert habe. «Sie waren aber nie als eine Drohung gemeint», sagte er unter Tränen. Die Frau habe ihn massiv unter Druck gesetzt und verunmöglicht, das gemeinsame Kind zu besuchen. Er habe es im November 2018 zum letzten Mal gesehen. Sein Anwalt verlangte einen Freispruch. Die Frau hätte sich die Befürchtungen nur eingebildet: «Es war lediglich Kopfkino.» Sie habe ihm nie deutlich gemacht – wie jetzt am Prozess –, dass sie Angst vor ihm habe. «Es war ein Missverständnis in der Kommunikation, keine Nötigung.»

Der Einzelrichter folgte aber der Staatsanwältin und verurteilte den Beschuldigten wegen Nötigung zu einer bedingten Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 120 Franken. Das Verhalten sei Stalking gewesen. «Es hat in dieser ganzen Geschichte nur Verlierer gegeben und keine Gewinner», fasste der Richter die Beziehungstragödie zusammen.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Suizidgedanken? Oder hast du jemanden durch Suizid verloren?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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