02.06.2020 03:07

Schaffhausen

27-Jähriger verprügelt – Polizei nimmt vier Verdächtige fest

Der 27-jährige Swinten Thiru wurde am Montag, seinen Angaben nach grundlos, von einer Männergruppe bewusst angegriffen. Einer habe ihm sogar mit dem Gürtel ins Gesicht geschlagen. Die Kantonspolizei Schaffhausen hat nun vier Tatverdächtige festgenommen.

von
Gamze Ibis

Darum gehts

  • Swinten Thiru wurde am Montag kurz nach Mitternacht von einer Männergruppe angegriffen.
  • Dabei wurde er mit einer Gürtelschnalle geschlagen und erlitt einen klaffende Wunde über dem Auge.
  • Er und sein Kollege denken, dass die Tat aus rassistischen Motiven begangen wurde.
  • Die Kantonspolizei Schaffhausen ermittelt im Fall.

«Die Männer sind gezielt auf mich losgegangen. Meine Kollegen liessen sie in Ruhe», so Leser-Reporter Swinten Thiru aus Schaffhausen. Am Montag kurz nach Mitternacht war der 27-Jährige mit drei weiteren Kollegen, alle im Alter von 22 und 27 Jahren, in der Altstadt von Schaffhausen auf dem Nachhauseweg, als eine Männergruppe, bestehend aus rund zehn Personen, grundlos auf Thiru losgegangen sei.

Die Schaffhauser Polizei hat am Mittwoch vier Tatverdächtige im Alter von 30, 33, 34 und 39 Jahren festgenommen. Sie seien teilweise geständig und müssten sich vor der Staatsanwaltschaft verantworten, heisst es in einer Mitteilung. Es seien drei Männer bei dem Vorfall am Montag verletzt worden. Der genaue Tathergang sei Gegenstand laufender Ermittlungen.

«Sie haben mich umkreist»

«Als wir der Gruppe begegnet sind, haben sie uns in einem offensichtlich aggressiven Tonfall provozieren wollen», sagt der Sri Lanker. Er und seine Kollegen seien aber nicht darauf eingegangen. Nach weiteren Anpöbelungs-Versuchen hätten sich dann einige aus der Zehnergruppe losgerissen und seien gezielt auf ihn losgegangen. «Sie waren betrunken», so Thiru.

Seine Kollegen seien nie im Visier der Männer gewesen. Nach und nach seien dann die restlichen Männer der Gruppe dazu gestossen. «Sie haben mich sogar umkreist. Dabei habe ich diese Männer noch nie in meinem Leben gesehen», so Thiru.

Knapp am Auge vorbei

Thiru konnte den Männern zunächst entwischen, doch er und seine Freunde seien weiterhin von den Pöblern verfolgt worden. «Einer hat mir dann mit seinem Gürtel, der eine massive Schnalle hatte, aufs Gesicht geschlagen», erzählt er. Er habe noch so ausweichen können, dass der Gürtel nicht sein Auge sondern «nur» seine Augenbraue traf. «Zwei haben mich festgehalten und der Dritte ist auf mich los. Ich hatte Angst um mein Leben.»

Auch sein Kollege, der ihn schützen wollte, wurde dann angegriffen. «Als ich Thiru schützen wollte, hat mich derselbe Mann mit dem Gürtel an der Schulter und der Schläfe getroffen», so der 26-Jährige. Doch weiter seien sie nicht auf ihn losgegangen. «Die Gruppe hatte von Anfang an meinen dunkelhäutigen Kollegen Thiru im Visier.»

Taxifahrer wollten nicht helfen

Als sich die Freunde schliesslich definitiv losreissen konnten, hätten sie am Bahnhof ein Taxi nehmen wollen. «Ich wollte schnell weg von dort. Doch weil ich geblutet habe, haben die Taxifahrer die Autos von innen verschlossen», sagt Thiru. Der 27-Jährige habe angeboten, seine Wunde mit dem Pulli abzudecken, um das Innere nicht zu verschmutzen. Doch auch dann habe niemand helfen wollen. Schliesslich kam er ins Spital, wo seine Wunde genäht werden musste. Mittlerweile wurde er bereits wieder entlassen.

«Ich kann mir nicht vorstellen, warum man mich so attackiert», sagt Thiru. Er glaube, dass es an seiner Hautfarbe liege. Er sei nämlich aus der Gruppe, der, der die dunkelste Hautfarbe habe. Selber habe Thiru es nicht gehört, doch seine Kollegen hätten gemeint, dass öfters das Wort ‹Negro› gefallen sei. «Ich denke das war purer Hass, weil er dunkelhäutig ist», ergänzt sein Kollege (26), der bei der Attacke dabei war.

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