«Ich hatte die Schnauze voll»
Aktualisiert

«Ich hatte die Schnauze voll»

Im Fall der vier vernachlässigten und verwahrlosten Kinder aus Berlin-Pankow hat deren Mutter noch vor der Vernehmung durch die Polizei um Verständnis gebeten.

«Vielleicht hatte ich einfach mal die Schnauze voll», sagte die 46-Jährige der Berliner Tageszeitung «B.Z.». Die ehemalige Kindergärtnerin hatte ihre Kinder im Alter von zwölf, elf, neun und acht Jahren ohne Aufsicht in der völlig verdreckten Wohnung zurückgelassen und war zu ihrem Freund gezogen. Die Geschwister wurden vorerst in einem Heim untergebracht.

«Der Vater meiner Kinder liess mich sitzen, ich verlor meine Arbeit als Erzieherin. Aber auch wenn ich mich nicht gekümmert habe, meine Kinder waren nicht verwahrlost», sagte die Frau der Zeitung zufolge weiter. «Ich sah sie vielleicht zwei Tage die Woche, habe Weihnachten und alle Geburtstage mit ihnen gefeiert. Sie wurden weder geschlagen, noch mussten sie hungern.» Die Polizei will am Montag mit der Vernehmung der 46-Jährigen beginnen.

Der Fall war am Freitag ans Licht gekommen, nachdem sich der Älteste beim Jugendamt gemeldet hatte. Die zur Unterstützung gerufene Polizei fand eine Wohnung vor, die sich in einem grauenhaften Zustand befand. In der Vierzimmerwohnung hingen in allen Räumen Spinnweben an den Decken. Die Möbel waren ebenfalls von Spinnweben überzogen. Im Kühlschrank befanden sich «eine undefinierbare, verfaulte Masse und sowohl lebende als auch tote Fliegen». Die Küche wurde offensichtlich seit Monaten nicht mehr benutzt, das schmutzige Geschirr war ebenfalls von Spinnweben überzogen.

Kindgerechte Nahrung war nicht vorhanden. Die Toilette war total verdreckt und mit Kot bedeckt. Der gesamte Fussboden war von Müll, Unrat, verschmutzter Wäsche und Lebensmittelresten bedeckt. Ein Zimmer war kaum zu öffnen, da sich hinter der Tür nur Müll und Unrat befand. Die Kinder wurden vom Jugendamt in Obhut genommen. Das Landeskriminalamt übernahm die Ermittlungen.

Die Mutter war zunächst nicht auffindbar und konnte erst am Freitagabend ermittelt werden. Ihr könnten bis zu drei Jahre Haft drohen. (dapd)

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