30.11.2018 06:52

Doktor Sex«Ich hatte in 13 Jahren erst einen Orgasmus!»

Jasmin mag Sex und kann ihn auch geniessen. Jedoch würde sie dabei gern zum Orgasmus kommen. Was tun?

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Unbewusst übernommene Wertvorstellungen können einen daran hindern, beim Liebesspiel ganz loszulassen.

Unbewusst übernommene Wertvorstellungen können einen daran hindern, beim Liebesspiel ganz loszulassen.

iStock/Oleg66

Frage von Jasmin (38) an Doktor Sex: Ich habe seit 13 Jahren eine Beziehung und etwa einmal in der Woche Sex mit meinem Partner. Bisher kam ich dabei aber erst einmal zum Orgasmus. Wenn ich es mir selber mache, geht es jedoch immer. Mit meinem Partner bin ich irgendwie gehemmt und blockiert. Es ist, als könnte ich mich in seiner Gegenwart nicht entspannen.

Ich habe sehr gern Sex mit ihm, und er erregt mich auch sehr. Wir haben auch schon vieles versucht, zum Beispiel Oralsex oder die Stimulation von Hand. Aber alles brachte keinen Erfolg. Wie kann ich über meinen Schatten springen und meine Hemmungen verlieren? Ich würde so gern im Kopf einfach loslassen und mich ganz hingeben.

Antwort von Doktor Sex

Liebe Jasmin

Ich verzichte darauf, dir praktische Tipps zu geben. Wie du schreibst, hast du in den vergangenen Jahren nämlich einiges ausprobiert, was zu einem Orgasmus beim Sex mit deinem Partner hätte führen können. Mehr von etwas zu tun, was nicht in sinnvoller Frist zum Erfolg führt, und zu hoffen, dass es irgendeinmal schon klappen wird, halte ich für sinnlos. Gern erzähle ich dir aber etwas über mögliche lernpsychologische Gründe.

Menschen, die beim Sex nicht loslassen können, leiden oft unter tief verankerten und beengenden Moralvorstellungen. Diese sind das Resultat einer den kindlichen Forschergeist stark begrenzenden Erziehung. Von den Eltern vorgegebene und mit Sanktionen durchgesetzte Wertvorstellungen werden für das Kind zum Mass aller Dinge und prägen nachhaltig sein Verhalten und damit auch seine Beziehungen zu den Mitmenschen.

Oft wird Betroffenen erst im Erwachsenenalter bewusst – nicht selten nach längerem Leiden –, dass ihre aus der Kindheit stammenden Konditionierungen sie daran hindern, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Ich vermute, dass es auch bei dir solche unbewusst übernommenen Wertvorstellungen sind, die dich beim Liebesspiel mit deinem Partner daran hindern, ganz loszulassen und dich deiner Lust hinzugeben.

Über den eigenen Schatten zu springen, bedeutet letztlich nichts anderes, als sich die grundsätzlich positiven, aber unterdrückten Inhalte der Persönlichkeit – in deinem Fall alle von den Eltern in der Kindheit sanktionierten Aspekte rund um Körper, Sinnlichkeit und Lust – bewusst zu machen und danach Schritt für Schritt wieder zu integrieren. Ich denke, diese Reise zurück in die Anfänge deiner Biografie dürfte auch für dich hilfreich sein.

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Idealerweise unternimmst du sie in Begleitung einer auf diesem Gebiet erfahrenen Fachperson. Es gibt heute eine Vielzahl verschiedenster Therapieformen, in denen Therapeutinnen oder Therapeuten Menschen dabei unterstützen, ihre unter gesellschaftlichen und familiären moralischen Regelwerken verschütteten individuellen Persönlichkeitsanteile hervorzuholen und in ihr gelebtes Leben zu integrieren. Alles Gute!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch

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