Hautkrankheit Krätze auf dem Vormarsch – «Am schlimmsten war der Juckreiz zwischen den Beinen»
Aktualisiert

Hautkrankheit auf dem Vormarsch«Ich hatte Krätze-Wunden auf meiner Vulva»

In unseren Nachbarländern ist die Krätze auf dem Vormarsch. Auch in der Schweiz könnte sich die Hautkrankheit wieder stärker ausbreiten. Eine Betroffene erzählt.

von
Zora Schaad
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«Der Juckreiz zwischen den Beinen war am schlimmsten», erzählt eine Krätze-Betroffene. Diese Hautkrankheit ist für viele eine Krankheit aus anderen Zeiten. Doch seit einigen Jahren häufen sich die Fälle. 

«Der Juckreiz zwischen den Beinen war am schlimmsten», erzählt eine Krätze-Betroffene. Diese Hautkrankheit ist für viele eine Krankheit aus anderen Zeiten. Doch seit einigen Jahren häufen sich die Fälle.

privat 
Verantwortlich für den juckenden Hautausschlag sind weibliche Krätzmilben (Sarcoptes scabiei). Sie leben in den oberen Hautschichten und ernähren sich von Schuppen und Zellflüssigkeit. Ihr Kot und die Eier der Tiere ...

Verantwortlich für den juckenden Hautausschlag sind weibliche Krätzmilben (Sarcoptes scabiei). Sie leben in den oberen Hautschichten und ernähren sich von Schuppen und Zellflüssigkeit. Ihr Kot und die Eier der Tiere ...

Wikimedia Commons/Kalumet/CC BY-SA 3.0
... lösen beim Menschen eine allergische Reaktion aus. Typische Symptome: Betroffene leiden unter starkem Juckreiz, ... (Symbolbild)

... lösen beim Menschen eine allergische Reaktion aus. Typische Symptome: Betroffene leiden unter starkem Juckreiz, ... (Symbolbild)

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Darum gehts

  • In Nachbarländern tritt die Hautkrankheit Krätze wieder vermehrt auf.

  • Auch in der Schweiz haben laut einer Dermatologin die Krätze-Fälle zugenommen.

  • Die Krankheit wird durch Milben übertragen und führt zu quälendem Juckreiz.

  • Eine betroffene 20-Minuten-Leserin erzählt von ihrem Kampf mit der Hautkrankheit.

Lange galt sie in Europa als ausgerottet, nun ist sie wieder im Kommen: Die Hautkrankheit Krätze. Ausgelöst durch Milben, die sich in der obersten Schicht der Haut einnisten und dort kleine Gänge graben, löst die Krankheit bei den Betroffenen einen starken, oft quälenden Juckreiz aus.

«In den letzten zehn Jahren nahmen die Scabies- oder Krätze-Fälle in den dermatologischen Praxen und Kliniken hierzulande deutlich zu. Dies ist unter anderem durch verstärkte Mobilität, Globalisierung und Migration zu erklären», so Bettina Schlagenhauff, Fachärztin für Hautkrankheiten und Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie SGDV. «Weitere Gründe liegen in der Schwierigkeit der Behandlung: Oft erfolgt keine synchrone Behandlung von Kontaktpersonen und bei Kindern wird die Krankheit häufig erst spät erkannt. So werden die Scabiesmilben ungehemmt weitergegeben.» Zahlen dazu gebe es allerdings nicht, denn die Krankheit sei in der Schweiz nicht meldepflichtig. «Man nimmt an, dass es gerade in städtischen Regionen, wo Menschen auf engerem Raum zusammenleben eher zu Anstiegen der Fallzahlen gekommen ist.»

Auf Anfrage von 20 Minuten erklärt auch der Schweizerische Apothekerverband PharmaSuisse, dass eine Zunahme im Verkauf der Krätze-Präparaten zu beobachten sei. «Der Verkauf von Präparaten gegen Scabies ist seit 2018 tendenziell gestiegen, wobei das Jahr 2020 am meisten Nachfrage aufzeigt», so Stéphanie Logassi Kury, Leiterin Kommunikation. Die Anzahl der verkauften Präparate gegen Scabies seien in der deutschsprachigen Schweiz deutlich stärker gestiegen als in der französischen oder italienischen Schweiz. Betreffend Jahreszeiten sei ein erhöhter Verkauf der Präparate im Frühjahr, aber vor allem im Herbst und Winter festzustellen.

«Ich kratzte mich halb wund»

Auch in unserer Community wird gekratzt. Eine Leserin (30) erzählt: «Zeitweise war der Juckreiz kaum auszuhalten. Nachts war es am schlimmsten: Ich kratzte mich halb wund, schlief vor lauter Juckreiz manchmal bis frühmorgens nicht oder musste mehrmals kalt duschen gehen, um eine Linderung zu erfahren. Cremen und antiallergische Mittel habe ich verschiedene ausprobiert – sie halfen leider nicht immer.»

Angefangen habe es eigentlich harmlos: «Es juckte mich ein paar Tage lang – allerdings war der Juckreiz kaum der Rede wert. Da eine Freundin von mir kürzlich an Krätze erkrankt ist, bin ich, um auf Nummer sicher zu gehen, zum Arzt gegangen. Der Doc meinte, ich hätte bloss ein paar Pickel am Po, hat mir aber trotzdem vorsichtshalber eine Krätze-Salbe zum Einmalgebrauch verschrieben.» Obwohl sie keine klare Diagnose hatte, habe sie die Salbe mit dem Wirkstoff Permethrin, der Parasiten abtötet, eingestrichen. Der Juckreiz sei damit zwar verschwunden, aber rund 14 Tage später erneut aufgetreten.

«Am schlimmsten Tag konnte ich kaum mehr zum Supermarkt laufen»

«Es hat dann nicht mehr aufgehört. Als plötzlich überall an meinem Körper Wunden und Pusteln auftraten, wusste ich, dass ich wohl doch Krätze hatte.» Besonders unangenehm seien der Juckreiz und die Pusteln an den Genitalien gewesen: «Ich hatte mehrere Wunden an meiner Vulva. Am schlimmsten Tag konnte ich kaum zum Supermarkt laufen, so fest schmerzte es mich zwischen den Beinen.»

Auch warm duschen konnte die Frau lange nicht, da Wärme den Juckreiz verstärke. Dank täglichem Waschen der Kleidung, Bettwäsche und ärztlicher Behandlung mittels Creme und Tabletten konnte die junge Frau die Milben inzwischen loswerden. Der Juckreiz – eine allergische Reaktion des Körpers auf die Exkremente und Überreste der Milben – wird ihr aber noch bis zu einem Monat erhalten bleiben.

Was ist Krätze?

Krätze, auch Scabies genannt, ist eine durch Parasiten verursachte Hautkrankheit. Sie wird von 0,3 bis 0,5 mm grossen Krätzemilben ausgelöst, die sich in die oberste Schicht der Haut – bevorzugterweise in warmen Körperregionen wie den Genitalien, zwischen Fingern und Zehen oder in der Achselgegend – einnisten. Der Körper reagiert mit starkem Juckreiz auf den Eindringling. Krätze ist keine Geschlechtskrankheit an sich, kann aber beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Ansteckungen geschehen durch längeren Hautkontakt zwischen Partnern, Partnerinnen oder Eltern und Kindern – kurze Berührungen, wie etwa eine Umarmung, reichen für eine Übertragung normalerweise nicht aus. Entgegen der landläufigen Meinung, nur unsaubere oder arme Menschen seien von der Hautkrankheit betroffen, kann Krätze jeden treffen.

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