Strafgericht BS: «Ich hatte nie im Sinn, auf die Terrasse zu gehen und die Flinte zu nehmen»
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Strafgericht BS«Ich hatte nie im Sinn, auf die Terrasse zu gehen und die Flinte zu nehmen»

Ein 66-jähriger Rentner musste sich vor dem Basler Strafgericht wegen versuchter Nötigung und Schreckung der Bevölkerung verantworten. Neun Monate zuvor drohte er, auf Schüler des Basler Wirtschaftsgymnasiums zu schiessen, nachdem diese auf dem Schulareal vor seiner Wohnung angeblich Böller gezündet hatten.

von
Jessica Schön
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Ein Mann verlor am 9. Januar die Fassung, als Schüler des Wirtschaftsgymnasiums angeblich mehrere Knallkörper vor dem Schulgelände gezündet haben. 

Ein Mann verlor am 9. Januar die Fassung, als Schüler des Wirtschaftsgymnasiums angeblich mehrere Knallkörper vor dem Schulgelände gezündet haben.

Foto: bs.ch
 «Irgendwann stehe ich mit einer Flinte auf dem Balkon und knalle diese Arschlöcher ab», soll er während eines Telefonats mit dem Rektor 
der Schule gedroht haben. Dieser brachte den Fall zur Anzeige. 

«Irgendwann stehe ich mit einer Flinte auf dem Balkon und knalle diese Arschlöcher ab», soll er während eines Telefonats mit dem Rektor
der Schule gedroht haben. Dieser brachte den Fall zur Anzeige.

Foto: Keystone
Am Freitag, dem 9. Oktober, wurde der Fall vor Basler Strafgericht verhandelt. 

Am Freitag, dem 9. Oktober, wurde der Fall vor Basler Strafgericht verhandelt.

Foto: JSD BS

Darum gehts

  • Am 9. Oktober musste sich ein 66-jähriger Rentner wegen versuchter Nötigung und Schreckung
    der Bevölkerung vor dem Basler Strafgericht verantworten.
  • Im Januar drohte er dem Rektor des Basler Wirtschaftsgymnasiums, auf Schüler zu schiessen, nachdem diese angeblich mehrere Knallkörper gezündet hatten.
  • Der Angeklagte wurde in beiden Tatbeständen für schuldig erklärt.


Der Eklat hatte sich am 9. Januar ereignet: Schüler des Wirtschaftsgymnasiums sollen mehrere Knallkörper vor dem Schulgelände gezündet haben. Der Rentner, dessen Terrasse an das Areal angrenzt, habe daraufhin die Fassung verloren: «Irgendwann stehe ich mit einer Flinte auf dem Balkon und knalle diese Arschlöcher ab», drohte er während eines Telefonats mit dem Schulrektor.

Am Freitagmorgen, dem 9. Oktober, kam es zur Verhandlung vor dem Basler Strafgericht. «Ich hatte in diesem Moment einfach die Schnauze voll», gestand der Beschuldigte gegenüber Richterin Felicitas Lenzinger. Ausgerechnet dann, als es mit dem Lärm angefangen habe, sei er zusammen mit den drei Pflegehunden, die er zu diesem Zeitpunkt bei sich hatte, auf der Terrasse gesessen: «Es knallte ja nicht zum ersten Mal innerhalb dieser Woche. Hätten die Hunde an diesem Tag nicht vor blanker Angst in meine Wohnung uriniert, wäre es vielleicht anders gekommen.»

Als er sich telefonisch bei der Schule beschwerte und sich vom Schulsekretariat zum Rektor durchstellen liess, habe es dann nicht mehr viel gebraucht: «Der Rektor sagte, er könne sich das gar nicht vorstellen. Das hat in dem Moment bei mir schon gereicht. Ich fragte mich, was er diskutieren wollte - ich fühlte mich nicht ernst genommen.»

«Wenn man als Rektor so etwas hört, schafft das einen»

Schon zuvor sei es zwischen dem Angeklagten und der Schule immer wieder zu Problemen gekommen. Diese seien aber jeweils technischer Natur gewesen, betonte der Rentner. Auch der Rektor der Schule, der als Zeuge in die Verhandlung vorgeladen war, bestätigte dies. Den Vorfall vermerkte er unmittelbar in einer Aktennotiz. «Beim Telefonat sagte ich, dass ich die Reklamation entgegennehmen würde und dass ich im Moment nicht mehr machen könne. Wir haben 700 Schülerinnen und Schüler. Aber ich versicherte ihm, dass ich den Vorfall abklären würde», so der Rektor.

Das schien den Beschuldigten aber nicht zu beschwichtigen. Immer wieder sagte er, dass man jetzt etwas machen solle. Daraufhin sei die problematische Drohung gefallen. «Ich muss dazu klar sagen, dass ich die Drohung nicht auf mich bezog. Aber wenn man als Schulrektor so einen Satz hört, dann schafft das einen.»
Als er sich in den folgenden Tagen mit Mitarbeitern des Erziehungsdepartements besprach, entschied er, Anzeige zu erstatten: «Es gibt offensichtlich viele Dinge, die den Beschuldigten im Zusammenhang mit der Schule stören. Darum musste ich mich auch fragen, ob ich die Aussage ernst nehmen müsse. Ich dachte auch, dass es vielleicht auch ein Hilferuf sein könne, bevor ihm der Kragen platzt.»

«Meine Wortwahl war sehr ungeschickt»

Der Angeklagte zeigte sich einsichtig. Zwar gebe es neben ihm viele Nachbarn, die sich über die Situation mit der Schule nervten. Er sei aber der Einzige, der keine Faust im Sack mache: «Ich hatte nie im Sinn gehabt, auf die Terrasse zu gehen und die Flinte zu nehmen. Das habe ich so im Affekt gesagt, weil ich in diesem Moment wütend war. Meine Wortwahl war sehr ungeschickt», räumte er ein. «Ich werde das Gespräch suchen und mich für das, was ich gesagt habe, entschuldigen.»

Der Schuldspruch erfolgte beim Angeklagten in beiden Tatbeständen. Der Rentner wurde zu einem Tagesansatz von 120 Tagen à 110 Franken und einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt. Die Waffen, die bei ihm zu Hause sichergestellt wurden, kamen zu Abklärungszwecken ins Waffenbüro.

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