Verletzte beim Oxa-Club: «Ich hatte unglaubliches Glück»

Aktualisiert

Verletzte beim Oxa-Club«Ich hatte unglaubliches Glück»

Grossalarm statt Partyalarm in Zürich: Die rigide Einlasspolitik des Nachtclubs Oxa hat zu einem tragischen Unfall geführt. Das wartende Partyvolk drückte in der Nacht auf Sonntag ein Geländer ein – Dutzende Personen stürzten in die Tiefe. Während draussen blutende Verletzte verarztet wurden, feierte man drinnen nichtsahnend weiter.

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amc/pat

Es ist Samstagabend und hunderte Menschen stehen vor dem Club «Oxa» Schlange. Für viele ist es der erste Besuch im Techno-Club, denn ausnahmsweise ist der Einlass schon ab 16 Jahren. Bereits um 22 Uhr ist der Andrang riesig. «Es waren extrem viele Leute – sehr viel mehr als sonst», berichten Augenzeugen. Während drinnen die Beats das Tanzvolk bewegen, wird die Schlange draussen immer länger. «Es standen 200 bis 300 Leute an», sagt Adem M.*

Je länger das Partyvolk warten muss, desto aggressiver wird die Stimmung: «Die Leute begannen zu stossen und zu schieben, drängelten sich vorbei», so Adem weiter. Um 22:45 Uhr dann der tragische Moment: Unter dem Druck der Massen bricht ein Geländer auf rund zehn Meter Länge ein. Dutzende Menschen stürzen anderthalb Meter tief in ein ausgetrocknetes Bachbett.

«Die Leute drängten weiter in den Club»

Die alarmierten Rettungskräfte lösen Grossalarm aus: Die Abteilung Schutz & Rettung der Stadt Zürich rückt mit einer Grossraumambulanz, zehn Rettungswagen und einem Notarzteinsatzfahrzeug an. «Es war wie in einem Bienenhaus», berichtet ein Augenzeuge. Ein Krankenwagen sei nach dem anderen eingetroffen und es seien immer mehr geworden. Während die Rettungskräfte im nahe gelegenen Parkhaus eine Sammelstation zur Erstversorgung einrichten und sich um die Verletzten kümmern, hat die Polizei alle Hände voll zu tun mit dem anstehenden Partyvolk, wie zwei Augenzeugen unabhängig von einander berichten.

«Die Leute drängten weiter in den Club, beschimpften die Polizei und behinderten sie massiv», so die Zeugen unisono. Polizeisprecher René Ruf bestätigte die Aussagen nicht. «Gemäss den Beamten vor Ort waren die Leute kooperativ», so Ruf. Die Clubbetreiber hätten aber den Vordereingang schliessen müssen und liessen die Leute über den Hintereingang hinein. Da sei es wahrscheinlich, dass sich einige Partygäste zu verbalen Provokationen hinreissen liessen.

Im Inneren des Clubs wummerten die Beats nach dem Unglücksfall weiter, als ob nichts geschehen wäre. Von den Ereignissen draussen ahnt niemand etwas: «Keiner hat im Club auch nur den Zwischenfall erwähnt», so Augenzeuge Adem M. Die Lage draussen ist zu diesem Zeitpunkt unter Kontrolle. Die Leute teilweise geschockt, aber ruhig. Elf Personen müssen «mit leichten bis mittelschweren Verletzungen» in verschiedene Spitäler gebracht werden. Neun können nach ambulanter Versorgung wieder entlassen werden. Die Verletzungen reichen von Prellungen bis hin zu Verdacht auf Frakturen, teilte ein Polizeisprecher gegenüber der Nachrichtenagentur AP mit.

«Einen Moment früher und ich hätte im Graben gelegen»

Viele der Besucher realisieren erst auf dem Nachhauseweg, wie viel Glück sie hatten. «Ich habe das Blut neben dem eingedrückten Geländer erst am nächsten Morgen gesehen», berichtet ein Clubbesucher. Es hätte auch seines werden können. Er stand zum tragischen Zeitpunkt nur einige Meter weiter vorne in der Schlange. Andere realisieren auch auf dem Nachhauseweg nichts von den Ereignissen: «Viele sind gleichgültig an den Krankenwagen vorbei gegangen – für sie schien das normal», so Adem M. weiter. Für ihn ist klar: «Ich hatte unglaubliches Glück – einen Moment vorher und ich hätte auch im Graben gelegen.»

Die genaue Ursache des Geländereinsturzes wird zurzeit vom Wissenschaftlichen Dienst der Stadtpolizei Zürich untersucht. «Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren», sagt Sprecher Ruf. Die Abklärungen dürften ein bis zwei Wochen dauern, wie Ruf der SDA erklärte. Ob die Betreiber des Clubs eine Schuld trifft, konnte Ruf noch nicht sagen. «Unsere Priorität gilt der Ursache, danach werden wir uns der Schuldfrage widmen», so Ruf gegenüber 20 Minuten Online. Gemäss einem Anwohner war das Gitter erst vor vier oder fünf Jahren montiert worden. Die Clubbetreiber waren bisher nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Augenzeugen-Video zeigt das Gedrängel zum Zeitpunkt des Vorfalls: $$VIDEO$$

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