Aktualisiert 16.10.2019 13:39

9 Jahre in Haus versteckt«Ich hatte von den Kindern keine Ahnung»

Neun Jahre lang versteckte ein Vater seine sechs erwachsenen Kinder in einem Hof in den Niederlanden. Das sagen Nachbarn und Betroffene zum Fall.

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vro/kle
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Am 28. November 2019 gab die Staatsanwaltschaft in den Niederlanden neue Vorwürfe gegen  Gerrit-Jan D. bekannt. Demnach soll der Sekten-Vater zwei seiner Kinder sexuell missbraucht haben.

Am 28. November 2019 gab die Staatsanwaltschaft in den Niederlanden neue Vorwürfe gegen Gerrit-Jan D. bekannt. Demnach soll der Sekten-Vater zwei seiner Kinder sexuell missbraucht haben.

Wilbert Bijzitter
So präsentiert sich Gerrit-Jan van D. auf Facebook. (21. Oktober 2019)

So präsentiert sich Gerrit-Jan van D. auf Facebook. (21. Oktober 2019)

Screenshot Facebook
Jan D. lebte mit seinen sechs Kindern isoliert auf einem Hof in den Niederlanden. Regelmässig vor Ort war auch der Oberösterreicher Josef B. Eine kleine Brücke führt vom Buitenhuizerweg in Ruinerwold über einen kleinen Kanal zum Anwesen.

Jan D. lebte mit seinen sechs Kindern isoliert auf einem Hof in den Niederlanden. Regelmässig vor Ort war auch der Oberösterreicher Josef B. Eine kleine Brücke führt vom Buitenhuizerweg in Ruinerwold über einen kleinen Kanal zum Anwesen.

Heute.at

Der Fall entsetzt: Ein Mann soll in den Niederlanden seine sechs Kinder in einem Bauernhof versteckt haben – neun Jahre lang. Dort warteten sie laut ersten Erkenntnissen auf das «Ende der Zeiten». Erst als der älteste Sohn fliehen konnte und am Sonntag in einer Kneipe Alarm schlug, kam die Polizei dem Mann auf die Schliche. Zeugenaussagen zeigen, wie verworren der Fall ist.

Wirt und Gäste der Beiz

Wie der Wirt der betroffenen Beiz gegenüber den Medien erklärt, war der 25-Jährige bereits zum zweiten Mal bei ihm, als er um Hilfe bat. Schon anderthalb Wochen zuvor sei er aufgetaucht. Damals habe er in Eile fünf Bier getrunken und sei dann wieder gegangen. Gegenüber anderen Gästen habe er von einem seltsamen Glauben gesprochen, zitiert die «Bild» die niederländische Zeitung «AD». «Er sagte, Tageslicht sei schlecht», sagt ein Mann. «Als wir fragten, ob es ein Kult sei, wusste er nicht, was dieses Wort bedeutet.»

Gleichzeitig schreibt «AD», dass der 25-Jährige seit Anfang des Jahres in den sozialen Medien sehr aktiv gewesen sei. In den letzten Tagen hat er Fotos aus dem Dorf gepostet, in dem die Familie lebte. Auf Facebook gibt er ausserdem an, für eine Firma zu arbeiten. Diese gehört Josef B., dem Hauptmieter des Hofs, wie «De Stenor» schreibt.

Nachbarn der Familie

Versorgt worden ist die Familie laut dem 25-jährigen Sohn von einer Person, die nicht zur Familie gehört. Nachbarn sagten zudem aus, sie hätten immer nur einen Mann im Garten gesehen. «Der Mann war jeden Tag da. Von den Kindern hatte ich keine Ahnung. Ich bin völlig überrascht», sagt einer von ihnen. Fremde seien offenbar nicht gern gesehen gewesen. «Wenn man nur in die Nähe kam, schickte er einen weg», sagt ein Anwohner. In einem Baum habe er eine Kamera entdeckt, sagt ein anderer zu «rtv drenthe». Er habe immer gedacht, dass Drogen im Spiel seien. Mehrmals sei ein Polizeiauto beim Grundstück vorgefahren. «Der Mann weigerte sich aber, die Polizei auf den Hof zu lassen.» Hätten sie von den Menschen Haus gewusst, hätte die Nachbarschaft längst etwas unternommen.

Auch Dorfbewohner Mike war Jan begegnet. Der 25-Jährige fiel ihm auf, weil er alte Kleider trug, lange Haare und einen ungepflegten Bart hatte. Mike unterhielt sich mit dem verwirrten 25-Jährigen. «Beim ersten Gespräch gab er an, dass er nicht mehr nach Hause gehen könne», sagt Mike dem Portal Hart van Nederland. Eine Woche später kam es erneut zu einer Begegnung. Dabei fiel Mike auf, dass Jan lange überlegte, bevor er auf die Fragen des Unbekannten antwortete. «Manchmal zweifelte er oder lachte ein wenig.» Mike erzählte er, dass er Hilfe für seinen Vater suche, der vor drei Jahren einen Schlaganfall erlitten hätte. Bis anhin habe noch kein Arzt seinen Vater gesehen.

Die Besitzerin des Hofs

Auch die Besitzerin des Hofs ahnte nichts von den Zuständen auf dem Grundstück. «Ich bin wirklich erstaunt, das alles zu hören», sagt sie gegenüber «OE24». Josef B. habe die Miete immer pünktlich gezahlt.

Josef, der Österreicher

Wie die Familie heisst, die im Bauernhaus lebte, wissen die Nachbarn nicht. Den Mann, der täglich vorbeikam, nannten sie lediglich Josef, den Österreicher. Er wurde nach Bekanntwerden des Falls festgenommen. Das österreichische Aussenministerium bestätigte seine Nationalität. Gemäss der «Kronen Zeitung» handelt es sich um Josef B., einen gebürtigen Wiener, der 2010 in die Niederlande auswanderte. In welchem Verhältnis der Mann zur Familie steht, ist noch unklar.

Die Ermittler stellten an einer Pressekonferenz am Dienstagabend einige falsche Informationen, die am Morgen in den niederländischen Medien verbreitet worden waren, klar: So sollen der Vater und seine sechs Kinder offenbar nicht im Keller der Farm gewohnt haben, sondern in «provisorisch eingerichteten Räumen». Die Kinder seien im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Die Mutter soll noch vor dem Einzug der Familie im Bauernhof gestorben sein.

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