01.07.2020 10:59

Bauer tötet Rehkitze

«Ich höre regelmässig die Schreie der Mutter nach den Jungtieren»

Ein Thurgauer Bauer wurde mehrmals vorgewarnt, dass es auf seiner Wiese neben dem Kantonsspital in Frauenfeld Rehkitze hat. Trotzdem suchte er sie vor dem Mähen nicht ab. Drei Jungtiere mussten sterben. Anwohner sind empört.

von
Michel Eggimann
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Weil ein Bauer drei Rehkitze zermäht hat, wurde er angezeigt.

Weil ein Bauer drei Rehkitze zermäht hat, wurde er angezeigt.

KEYSTONE
Passiert ist es auf einer Wiese beim Kantonsspital Frauenfeld.

Passiert ist es auf einer Wiese beim Kantonsspital Frauenfeld.

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Die Rehkitze verstecken sich im hohen Gras zum Schutz vor Gefahren.

Die Rehkitze verstecken sich im hohen Gras zum Schutz vor Gefahren.

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Darum gehts

  • Ein Bauer hat in Frauenfeld drei Rehkitze zermäht.
  • Der Bauer wurde von einer Anwohnerin angezeigt.
  • Die Stiftung für das Tier im Recht begrüsst die Anzeige.
  • Die Rehmutter suchte nach dem Tod immer wieder nach ihren Jungtieren.

Auf der Wiese über der Tiefgarage beim Kantonsspital Frauenfeld haben sich Rehkitze eingenistet. Anwohner haben in letzter Zeit vermehrt Rehe dort gesehen und den Bauer der Wiese darüber informiert, da aktuell Mähzeit ist. Wie die «Thurgauer Zeitung» schreibt, sagte der Bauer aus dem benachbarten Thundorf gegenüber einer Anwohnerin, er kümmere sich um die Rehfamilie.

Es kam aber anders. Insgesamt hat der Bauer drei Rehkitze auf dem Gewissen. Die Jungtiere seien zermäht worden. Ein Tier sei schon tot gewesen, bevor der zuständige Revierförster eintraf. Die zwei anderen wurden mit einem Gnadenschuss von ihren Qualen erlöst.

Anzeige gegen den Bauer

Der Bauer sagte zu der Zeitung, es täte ihm leid. Sagt aber auch, dass sich auch jemand anders hätte um die Tiere kümmern können. Eine Anwohnerin meint: «Wir sind erschüttert, dass in der heutigen Zeit ein Bauer nicht die zur Verfügung stehenden Hilfestellungen in Anspruch nimmt.» Möglichkeiten sind etwa Drohnen zum Absuchen der Felder vor dem Mähen oder Verblendungen aufzustellen, die die Rehe verscheuchen.

Die Anwohnerin hat gegen den Mann Strafanzeige eingereicht wegen Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz, wie die Kantonspolizei Thurgau bestätigt. Bei der Stiftung für das Tier im Recht heisst es, der Bauer könnte sich tatsächlich strafbar gemacht haben. Caroline Mulle sagt: «Jedem Landwirt sollte bekannt sein, dass Rehe ihre Jungtiere während der Mähzeit von Mitte April bis Mitte Juli zur Welt bringen und diese im hohen Gras Schutz suchen.» Weil der Duckreflex in den ersten Wochen grösser als der Fluchtreflex sei, würden Rehkitze bei Gefahr reglos liegen bleiben und erst aufspringen, wenn es zu spät sei. Da in diesem Fall der Bauer offenbar keine Schutzmassnahmen für die Rehkitze getroffen hat, müsse laut Mulle davon ausgegangen werden, dass er den Tod der Tiere in Kauf genommen habe.

Rehmutter sucht ihre Jungtiere

In der Nachbarschaft ist die Empörung teils gross über das Verhalten des Bauers. Eine Anwohnerin sagt zu 20 Minuten: «Es ist furchtbar. Ich höre regelmässig die Schreie der Mutter nach den Jungtieren.» Die Rufe seien sehr laut und immer wieder zu hören – sei es tagsüber oder in der Nacht.

Auch die Anwohnerin, die Strafanzeige eingereicht hat, ist noch immer schockiert. Auch sie hat nach dem Tod der Jungtiere immer wieder beobachtet, wie die Rehmutter zu der Wiese zurückgekehrt ist, um ihre Jungtiere zu finden.

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42 Kommentare
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Naturbursche

02.07.2020, 05:11

Unfassbar Da wird von April bis Juni fast täglich über Rehkitzrettung mit Drohnen in allen Medien berichtet. Kostet den Landwirt nichts ausser ein kurzes Telefon. In dieser Gegend gibt es viele Drohnenpiloten die für die Rehkitzrettung sofort auf Platz. Vor allem wen schon hesicherte Kenntnisse von vorhanden Kitzen besteht. Liebe Landwirte in der ganzen Schweiz notiert euch: Rehkitzrettung.ch Ruft da an um so eine Tragödie zu verhindern. Das sollte nicht zuviel verlangt sein. Leider stelle ich dieses Verhalten der Ignoranz unter den Landwirten immer wieder fest, schade.

Jagdskeptiker

01.07.2020, 14:53

3 Rehkitz weniger, welche im Herbst abgeknallt worden wären.

andrebu

01.07.2020, 14:29

Dieser Tiermörder gehört eingespert. Er wird aber wo möglich noch eine Möglickeit finden dafür noch Subventionen zu bekommen.