Brand in Sex-Studio: «Ich hörte die anderen Frauen schreien»
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Brand in Sex-Studio«Ich hörte die anderen Frauen schreien»

Der Brand in einem Basler Mehrfamilienhaus brach in einer Wohnung aus, die als Sex-Studio genutzt wurde. Das zuständige Amt wusste nichts vom Rotlicht-Betrieb im Haus.

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lha/las/lb
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Die Feuerwehr musste die Prostituierten, die im Sex-Studio im ersten Stock der Liegenschaft arbeiteten, mit der Drehleiter retten.

Die Feuerwehr musste die Prostituierten, die im Sex-Studio im ersten Stock der Liegenschaft arbeiteten, mit der Drehleiter retten.

Screenshot Telebasel
So sah es im Studio aus, bevor das Feuer die Wohnung verwüstete. Bis am Montagabend arbeiteten laut Webseite des Studios fünf Prostituierte in der Wohnung.

So sah es im Studio aus, bevor das Feuer die Wohnung verwüstete. Bis am Montagabend arbeiteten laut Webseite des Studios fünf Prostituierte in der Wohnung.

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Das Bau- und Gastgewerbeinspektorat wusste nichts vom Sexbetrieb in der Liegenschaft.

Das Bau- und Gastgewerbeinspektorat wusste nichts vom Sexbetrieb in der Liegenschaft.

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Durch das Feuer am Montagabend in einem Mehrfamilienhaus am Claragraben 35 in Basel wurden 23 Bewohner vorübergehend Obdachlos. Das Feuer brach in einer Wohnung im ersten Stock der Liegenschaft aus. Sie wurde als Sex-Studio genutzt, mit dem Namen «Studio Harmonie».

Ein Augenzeuge sagt, dass die Prostituierten, die am Montag im Studio anwesend waren, «im Arbeitstenue» von der Feuerwehr mit der Drehleiter aus der Wohnung gerettet wurden. Das Studio ist komplett ausgebrannt, das Feuer griff auch ins Treppenhaus über. Noch ist unklar, wann die Mieter wieder zurück in ihre Wohnungen können.

«Meine Kleider, alles ist verbrannt»

«Ich war in meinem Zimmer und hörte die anderen Frauen Feuer, Feuer schreien», sagt Chloé*, eine Prostituierte des Studio Harmonies. «Ich hatte Angst vor den Flammen und habe ein Handtuch an den Türspalt gelegt, damit kein Rauch eindringen konnte. Ich habe meine Tasche mit den wichtigsten Sachen gepackt und wurde dann von der Feuerwehr übers Fenster gerettet.» Ihre Kollegin Diana* konnte nur noch ihre Papiere vor den Flammen retten. «Mein Koffer, meine Kleider, alles ist verbrannt.»

Warum das Feuer im Studio ausgebrochen ist, konnte keine der Sexworkerinnen aus dem Studio Harmonie sagen, die von 20 Minuten erreicht werden konnten. «Ich bin mir sicher, dass das Feuer nicht absichtlich gelegt wurde. Es muss ein Unfall gewesen sein», sagt Chloé. «Ich war regungslos vor Schock, als wir am Dienstag ins Haus konnten und sahen, dass alles zerstört ist.»

Den fünf Prostituierten, die im Studio ihrem Erwerb nachgingen, wurde mit dem Feuer auch die Existenzgrundlage entzogen. «Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Alle Frauen, die hier arbeiteten, sind sehr gute Menschen», sagt Chloé.

Kein Bordellbetrieb bewilligt

Dass in der Liegenschaft Prostituierte tätig waren, ist dem Vermieter bekannt. Auf Anfrage sagte er, dass der Betrieb auch bewilligt sei. Das Bau- und Gastgewerbeinspektorat hatte allerdings keine Kenntnis von so einem Betrieb in der Liegenschaft, wie die Amtsleiterin Luzia Wigger Stein auf Anfrage von 20 Minuten erklärte. Sie hält fest: «Ein Bordell ist nicht bewilligt am Claragraben 35.»

«Falls eine Prostituierte alleine in ihrer Wohnung arbeitet, braucht sie keine Bewilligung», erläutert Wigger Stein. Das war beim Studio Harmonie aber nicht der Fall. Der Sexbetrieb hat auf seiner Webseite, die seit Mittwochnachmittag in Überarbeitung ist, Jobs angeboten. Man biete «Top-Einkommen, eine diskrete Arbeitsstelle sowie eigenes Inserat und Seite im Internet» an. Ob das nun ein widerrechtlicher Sexbetrieb war, konnte Wigger Stein nicht sagen. «Wir dürfen uns nicht auf Informationen aus dem Internet verlassen», erklärte sie.

Der Betreiber des Studios reagierte nicht auf Anfragen von 20 Minuten.

*Namen geändert

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