Aktualisiert 14.09.2016 06:20

Schüsse aus Maschinengewehr

«Ich hörte ein Pfeifen – dann hat es geknallt»

Rekruten in Thun schossen unabsichtlich auf bewohntes Gebiet. Ein Projektil hätte beinahe das Leben einer Familie zerstört.

von
sul/cho
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Der Familie Bozkurt steckt der Schrecken noch in den Knochen.

Der Familie Bozkurt steckt der Schrecken noch in den Knochen.

20 Minuten/Simon Ulrich
Ihr Haus wurde von einem Projektil eines Maschinengewehrs der Schweizer Armee getroffen.

Ihr Haus wurde von einem Projektil eines Maschinengewehrs der Schweizer Armee getroffen.

20 Minuten/Simon Ulrich
Das Projektil traf eine Scheibe und...

Das Projektil traf eine Scheibe und...

20 Minuten/Simon Ulrich

Im Thuner Strättligen-Quartier sitzt der Schock noch immer tief. Dort schlug am 30. August ein Schuss eines Panzer-Maschinengewehrs in eine Wohnung. 7,5 Millimeter betrug das Kaliber des Projektils, das die heile Welt der Familie Bozkurt durchlöcherte.

Die Kugel traf die Store, durchschlug die Fensterscheibe und blieb schliesslich in der Stubenwand stecken. Sie hätte aber genau so gut jemanden verletzen können – zum Beispiel den anderthalb-jährigen Sohn: «Mein Kind steht oft bei diesem Fenster», sagt Vater Murat.

«Zuerst haben alle nur gelacht»

Glücklicherweise seien sie zum Zeitpunkt des Einschlags gerade im Garten gewesen. «Ich hörte ein Pfeifen und danach hat es geknallt – wie am 1. August.» Schliesslich bemerkte er ein Loch im Fenster. Sie hätten sofort die Polizei gerufen. «Als ich von einem Schuss vom Waffenplatz sprach, haben zuerst alle nur gelacht», sagt Bozkurt.

Nicht nur der Familie Bozkurt ist mittlerweile das Lachen vergangen. Auch bei einer Nachbarin sitzt der Schock noch tief – sehr tief sogar, denn sie wohne in unmittelbarer Nähe: «Ich war gerade am Telefon, als ich den lauten Knall hörte. Ich hatte sofort Angst um meine Nachbarn.» Die junge Frau, die anonym bleiben möchte, ist selber Mutter: «Hier wohnen sehr viele Kinder. Gerade darum darf so etwas einfach nicht passieren.»

Es sei nicht auszudenken, wie die Geschichte hätte ausgehen können. Die junge Frau fragt sich: «Warum lässt man unerfahrene Rekruten überhaupt so eine gefährliche Arbeit machen?»

Fünf Schüsse von Maschinengewehr

Das Wohnhaus im Süden Thuns wurde von einem «Abpraller beziehungsweise Querschläger» getroffen, sagte Tobias Kühne, Mediensprecher der Militärjustiz, gegenüber 20 Minuten.

Insgesamt haben Rekruten unabsichtlich fünf Schüsse aus einem Maschinengewehr auf dem Thuner Waffenplatz gefeuert. Diese haben sich laut einem Insider während einer Funktionskontrolle gelöst. Eigentlich sollten die Waffen dabei nicht geladen sein.

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