Interview: «Ich hörte plötzlich das Zischen einer Katjuscha»
Aktualisiert

Interview«Ich hörte plötzlich das Zischen einer Katjuscha»

Reporter in Gefahr: SF-Israel-Korres-pondent André Marty brach am Sonntagabend ein Live-Gespräch mit Tagesschau-Moderator Heinrich Müller ab und brachte sich in Sicherheit. Grund: Ein Katjuscha-Angriff auf Haifa.

Wie haben Sie die Szene in Erinnerung?

André Marty: Ich hörte plötzlich das Zischen einer Katjuscha und die Rufe eines Kollegen. Eine sehr unangenehme Situation, da ja kurz zuvor bereits Raketen Haifa getroffen hatten. Ich kann nicht sagen, dass ich bewusst Angst hatte, sondern ich habe das Gespräch reflexartig abgebrochen. Erst später wurde klar, dass die Katjuschas dieses Mal ausserhalb von Haifa eingeschlagen hatten.

Was ging Ihnen nachher durch den Kopf?

Marty: Dass ich jetzt sehr gute Argumente brauche, um meinen Angehörigen in der Schweiz zu erklären, warum ich hier nicht abbreche. Ich habe meine Familie angerufen, um sie zu beruhigen.

Mit welchen Argumenten?

Marty: Ich habe einen Informationsauftrag. Mein Job ist es, möglichst objektiv vom Konflikt zu berichten. Vorderhand meide ich aber den Norden des Landes, wo täglich Katjuschas einschlagen.

Wie lange wollen Sie diesen gefährlichen Job noch machen?

Marty: Das hängt davon ab, ob es einen tragfähigen Waffenstillstand gibt. Hoffen wir, dass ich so lange durchhalte, denn ich bin ja im Unterschied zu anderen Stationen, die mit mehreren Korrespondenten und Producern arbeiten, ein Einzelkämpfer.

Andy Fischer

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