Aktualisiert 02.10.2012 20:55

Spuhlers Abgang

«Ich hoffe, dass ich eine Lücke hinterlasse»

Der Thurgauer SVP-­Nationalrat Peter Spuhler tritt Ende Jahr zurück. Im Interview erklärt er, weshalb er entschieden hat, sich voll und ganz auf seine Firma Stadler Rail zu konzentrieren.

von
Simona Marty

Herr Spuhler, ist Ihnen die Doppelbelastung als Unternehmer und Nationalrat zu viel geworden?

Nein. Die anziehende Rezession und die Eurokrise haben mich dazu bewogen, mich künftig voll auf meine Firma zu konzentrieren. Natürlich gab es aber Phasen, in denen ich Kompromisse machen musste. Das sieht man auch an meiner Absenzenliste.

Ihre Kollegin Nathalie Rickli hat sich übernommen. Sind auch Sie an Grenzen gestossen?

Klar ist es manchmal schwierig alles unter einen Hut zu bekommen. Aber ich führe seit Jahren tausende Mitarbeiter, das ging immer irgendwie. Ein Burn-Out hatte ich nie.

Die SVP durchlebt schwere Zeiten. Wollten Sie nicht einfach das sinkende Schiff verlassen?

Nein, die Turbulenzen der SVP haben absolut keine Rolle gespielt. Ich habe meinen Entscheidung bereits in den Sommerferien getroffen und sie der Parteispitze kommuniziert.

Ihr Abgang wird der Partei weiter zusetzen...

Ich hoffe natürlich, dass ich nach 13 Jahren als Nationalrat auch eine gewisse Lücke hinterlasse. Spass beiseite. Die SVP hat viele gute junge Politiker, die diese Lücke problemlos füllen können.

In Bern wird wohl nicht nur Ihr wirtschafliches Know-how, sondern auch Ihre Geselligkeit fehlen...

Ich habe tatsächlich gerne auch mit meinen politischen Gegner nach der Debatte mal ein Glas Wein getrunken. Ich glaube das ist auch sehr wichtig. Wenn man nur mit einem Zweihänder durchs Leben geht, dann kommt man weniger weit.

Wird ihre Familie nun etwas mehr Zeit mit ihnen haben?

Um die Auftragsbücher auch im 2014 zu füllen, müssen wir Märkte ausserhalb Europa erschliessen. Dies bedingt mehr Reisetätigkeit, weshalb ich eher weniger Zeit haben werde.

Eine Rückkehr nach Bern schliessen Sie also aus?

Nein. Vorderhand bleibe ich aber einfach mit Herzblut SVP-Mitglied.

Die SVP wird also auch trotz des Rücktritts weiter mit Ihrer finanziellen Unterstützung rechnen können?

Ich habe die SVP-Thurgau und partiell auch die SVP Schweiz mit kleineren Beiträgen immer wieder unterstütz. Das wird auch in Zukunft so bleiben.

Bedauern nicht nur bei der SVP

Mit Peter Spuhler verliert die SVP ein weiteres prominentes Aushängeschild – laut Politberater Louis Perron ein Rückschlag für die Partei: «Unter der starken Hand von Christoph Blocher konnten in der SVP nur wenig eigenständige Politiker heranwachsen. Peter Spuhler war einer davon, weshalb sein Rücktritt die Partei sicherlich schwächen wird.» Dies auch, weil er zwischen den Parteien eine Brücke schlagen konnte.

SP-Nationalrätin Hildegard Fässler bestätigt: «Er ist ein geselliger Mensch, der mit Parlamentariern aller Parteien etwas trinken ging.» Doch auch der SVP-Wirtschaftsflügel dürfte nun geschwächt werden. FDP-Parteipräsident Philipp Müller: «Mit Peter Spuhler verliert die Wirtschaftskommission eine wichtige unternehmerische Stimme, die in der Lage war, aus ihrer Berufserfahrung heraus Vorlagen zu beurteilen.»

Bei SVP-Parteipräsident Toni Brunner ist das Bedauern deshalb besonders gross: «Es ist traurig, dass Politiker, die unternehmerisch tätig sind, politisch kürzertreten müssen, weil die Parlamentsarbeit immer mehr zunimmt.» (sma)

Verena Herzog rückt nach

Die Nachfolge von Peter Spuhler wird die Thurgauer SVP-Grossrätin Verena Herzog antreten. Die Kindergärtnerin, Haus- und Geschäftsfrau ist auf der ersten Nachrückposition der Thurgauer SVP-Liste. Auf nationalem Parkett ist die Bildungspolitikerin und Mutter von drei Kindern noch völlig unerfahren. Für Toni Brunner ist das aber kein Problem: «Jeder, der neu nach Bern kommt, muss einmal anfangen. Verena Herzog hat auf jeden Fall unsere vollste Unterstützung.» (sma)

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