Aktualisiert 28.04.2020 08:53

Corona-Fragebogen

«Ich hoffe, wir lernen alle aus dieser Krise»

Heute mit dem Schwinger Marcel Bieri. Der 25-jährige Zuger holte sich 2019 vor Heimpublikum einen eidgenössischen Kranz. Bieri verdient sein Geld als Lehrer.

von
Adrian Hunziker
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Chrigel Maurer, Gleitschirmfliegen: «Ich habe die Kraft- und Rumpftrainings zu Hause intensiviert. Auch an meiner Ausdauer habe ich weitergearbeitet. Ich habe also einfach meine Leistungsziele angepasst.»

Chrigel Maurer, Gleitschirmfliegen: «Ich habe die Kraft- und Rumpftrainings zu Hause intensiviert. Auch an meiner Ausdauer habe ich weitergearbeitet. Ich habe also einfach meine Leistungsziele angepasst.»

Chrigel Maurer
Marcel Bieri, Schwingen: «Ich habe mir einen kleinen Krafttrainingsraum eingerichtet, in welchem ich drei- bis sechsmal die Woche trainiere.»

Marcel Bieri, Schwingen: «Ich habe mir einen kleinen Krafttrainingsraum eingerichtet, in welchem ich drei- bis sechsmal die Woche trainiere.»

Arnold «The Cobra» Gjergjaj, Boxen:«Finanziell wird es uns alle irgendwann betreffen. Wir hoffen, dass die Krise dank der Isolation bald überstanden ist.»

Arnold «The Cobra» Gjergjaj, Boxen:«Finanziell wird es uns alle irgendwann betreffen. Wir hoffen, dass die Krise dank der Isolation bald überstanden ist.»

Keystone/Patrick Straub

Wie sehr beschäftigt Sie das Coronavirus?

Gerade jetzt in der Corona-Krise wird uns allen bewusst, wie wichtig uns die Gesundheit unserer Liebsten ist. (Wegen Corona sind andere Krankheiten natürlich nicht aus dem Leben verschwunden. Am Samstag, 25. April, ist Welt-Malaria-Tag. An Malaria, einer eigentlich behandelbaren Krankheit, stirbt alle zwei Minuten ein Kind.) Meine neue Rolle als «Swiss Malaria Group»-Botschafter ist mir gerade jetzt sehr wichtig, denn die Schweiz ist stark im Kampf gegen Malaria und für die globale Gesundheit. Verstärktes Schweizer Engagement ist so wichtig wie noch nie, jetzt wo Spitäler in vielen Ländern am Limit sind.

Welchen Einfluss hat die aktuelle Lage auf Ihren Alltag?

Zurzeit hat sie einen eher grossen Einfluss auf meinen Alltag. Im Schulzimmer unterrichte ich per Audio- und Videokonferenzen meine Schülerinnen und Schüler, die ihre Aufgaben und den Unterrichtsstoff sehr selbstständig zu Hause lösen können. Meiner Leidenschaft, dem Schwingen, kann ich zurzeit nicht nachgehen, da die Sportanlagen grundsätzlich geschlossen sind. Dafür habe ich mir zu Hause einen kleinen Trainingsraum eingerichtet, in dem ich mich trotz der misslichen Lage fit halten kann.

Halten Sie sich strikt an die Verordnungen und Empfehlungen der Behörden?

Ja. Ich darf derzeit ja auch nicht schwingen und halte mich strikt daran. Beispielsweise planten wir einen Spot zum Welt-Malaria-Tag. Trotz strengster Sicherheitsvorkehrungen mussten wir die Dreharbeiten aber verschieben.

Wie trainieren Sie derzeit?

Der Schwingbetrieb ist zurzeit eingestellt. Somit bietet sich fast nur noch das Training in den eigenen vier Wänden an. Ich habe mir einen kleinen Krafttrainingsraum eingerichtet, in dem ich drei- bis sechsmal die Woche trainiere.

Für welche Tätigkeiten gehen Sie aus dem Haus?

Zurzeit verlasse ich das Haus vor allem für die Arbeit. Jedoch kann ich mir auch vorstellen, die nächsten Wochen von zu Hause aus meine sechste Klasse zu unterrichten. Durch die gute Vernetzung an unserer Schule und das Zurverfügungstellen von mobilen Geräten wäre dies möglich.

Wie verbringen Sie in diesen Tagen Ihre Freizeit?

In meiner Freizeit verbringe ich viel Zeit mit Krafttraining. Es gibt mir ein wenig Normalität in dieser Zeit, in der man sehr flexibel sein muss. Natürlich ist diese Zeit auch eine gute Möglichkeit, Dinge zu tun, für die man sich sonst nie die Zeit genommen hat. Oder warum nicht wieder einmal die Grosseltern anrufen? Diese freuen sich riesig über einen spontanen Anruf. Mein ehrenamtliches Engagement für die Swiss Malaria Group beschäftigt mich natürlich vor dem Welt-Malaria-Tag auch, ich hoffe, wir lernen alle aus dieser Krise, wie wichtig Schweizer Engagement für die globale Gesundheit ist. Denn unsere Sicherheit vor Pandemien ist nur so stark wie das schwächste Gesundheitssystem der Welt.

Welche Corona-Challenge haben Sie bereits ausprobiert?

Ich habe mich bis jetzt noch in fast keiner Corona-Challenge versucht. Ich habe aufgrund einer «Nomination» ein Foto von mir im Kindesalter geteilt, das wars dann aber auch schon.

Was fehlt Ihnen derzeit am meisten?

Ganz klar: der Schwingsport. Das Schwingtraining, aber noch viel mehr die Schwingfeste. Die Atmosphäre, die Schwingfans und der Zweikampf fehlen mir sehr. Ich glaube, ich bin nicht der einzige Schwinger, dessen Vorfreude auf eine Zeit mit Schwingfesten riesig ist. Jetzt heisst es zwar noch abwarten, aber alles geht einmal zu Ende, auch die zurzeit schwierige Zeit.

Haben Sie wegen der Corona-Krise Existenzängste?

Als Primarlehrer und Schwinger nicht, doch als «Swiss Malaria Group»-Botschafter mache ich mir grosse Sorgen um Kinder weltweit, die derzeit nicht zur Schule können, deren Eltern nichts verdienen, um Essen zu kaufen, und deren Leben aufgrund der Überlastung der Spitäler gefährdet sind, sollten sie beispielsweise an Malaria erkranken.

Wie schöpfen Sie in solchen Zeiten Zuversicht?

Wenn ich aktuelle Bilder sehe, die ein Gefühl von Zusammenhalt auslösen. National oder international. Oft ist es so, dass man in einer misslichen Lage zuerst seine Schäfchen ins Trockene bringen will, bevor links und rechts geschaut wird. Dann ist es umso schöner, wenn durch kleine oder grosse Gesten Solidarität gezeigt wird.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn alle Verbote aufgehoben werden?

Ich freue mich am meisten auf die Dinge, die mir derzeit am meisten fehlen. Das Schwingtraining, die Schwingfeste und natürlich der Duft von Sägemehl. Das Auflösen der Verbote bedeutet zugleich, dass sich die Lage beruhigt hat. Darauf freue ich mich auch sehr.

Welche Botschaft haben Sie an Ihre Fans?

Haltet durch – bleibt zu Hause. Nicht nur für euch, sondern für alle, die wir auf einem Planeten leben – auch für Kinder in Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen.

Welt-Malaria-Tag 2020

Der diesjährige Welt-Malaria-Tag am 25. April steht im Zeichen der grossen Fortschritte im Kampf gegen Malaria mit mehr als 7 Millionen geretteter Leben und über 1 Milliarde verhinderter Fälle in den letzten zwei Jahrzehnten. Zugleich bedroht Covid-19 diesen Fortschritt, und sofortiges Handeln ist entscheidend, um Leben zu retten.

Gemäss dem Welt-Malaria-Bericht der WHO sterben jährlich über 400'000 Menschen an Malaria. Am häufigsten trifft es Kinder unter fünf Jahren sowie schwangere Frauen. Die durch Covid-19 bedingte Überlastung der Gesundheitssysteme birgt die Gefahr eines massiven Anstiegs der Malaria-Infektionen und –Todesfälle. Modelle berechnen 105'000 zusätzliche Malaria-Todesfälle, vorwiegend von Kindern.

Zum diesjährigen Welt-Malaria-Tag ernannte die Swiss Malaria Group den Eidgenossen Marcel Bieri zu ihrem neuen Botschafter.

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