Giulia Tanno: «Ich hoffte, dass meine Schulter ausgekugelt ist»
Aktualisiert

Giulia Tanno«Ich hoffte, dass meine Schulter ausgekugelt ist»

Freeskierin Giulia Tanno galt als Medaillenhoffnung im Slopestyle für die Olympischen Spiele. Aber die 19-Jährige stürzte und verpasst Pyeongchang.

von
Adrian Hunziker
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Freeskierin Giulia Tanno galt im Slopestyle als grosse Schweizer Medaillenhoffnung an den Olympischen Spielen in Pyeongchang.

Freeskierin Giulia Tanno galt im Slopestyle als grosse Schweizer Medaillenhoffnung an den Olympischen Spielen in Pyeongchang.

Monster
Die 19-Jährige sagte vor eineinhalb Monaten in einem Interview mit 20 Minuten, sie sei so gut wie nie zuvor.

Die 19-Jährige sagte vor eineinhalb Monaten in einem Interview mit 20 Minuten, sie sei so gut wie nie zuvor.

David Malacrida/Monster
Doch an den X-Games in Aspen im Januar geschah das Missgeschick. Tanno blieb an einem Rail hängen und stürzte unglücklich auf das Geländer.

Doch an den X-Games in Aspen im Januar geschah das Missgeschick. Tanno blieb an einem Rail hängen und stürzte unglücklich auf das Geländer.

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Giulia Tanno, was ist das erste Wort, das dir einfällt, wenn du an die Olympischen Spiele denkst?

(überlegt lange) Das ist schwierig. Für mich «traurig», für alle anderen «spannend». Ich freue mich darauf, die Spiele mitzuverfolgen, aber für mich selber in dieser Situation ist es traurig.

Du wirst dir die Spiele also im TV anschauen?

Ja, ich nehme es an. Ich muss ja fast, ich kenne so viele Athletinnen, die mitmachen.

Als du an den X-Games in Aspen gestürzt bist, was war da dein erster Gedanke?

Das Ganze war sehr surreal. Zuerst realisierte ich gar nicht, was passiert war. Es fühlte sich wie in einem Traum an, als würde ich gerade aufwachen. Das war wohl, weil ich auch auf meinen Kopf gefallen war. Dann sah ich den Rettungsschlitten und weigerte mich, auf diesen zu sitzen. Ich lief stattdessen mithilfe meiner Physiotherapeutin zur Medizin-Station oben am Start. Dort wurde ich ein erstes Mal untersucht.

Du hast dir einen doppelten Armbruch zugezogen. Wie stark waren deine Schmerzen?

Es waren komische Schmerzen. Ich habe mir bereits recht viel gebrochen, aber das waren andere Schmerzen. Es fühlte sich so an, als hätte ich mir meine Schulter ausgekugelt. Meine Muskeln fühlten sich eher so an, als hätte ich zu viel trainiert. Ich hätte nie gedacht, dass ich mir etwas gebrochen habe.

War eine Teilnahme an den Winterspielen nach der Diagnose noch eine Option?

Wäre der Bruch etwas weiter unten passiert, hätte man eventuell gipsen können. Ob ich mit Gips hätte antreten können, weiss ich aber nicht. Ohne Schmerzen wäre es sicher nicht gegangen. Wenn ich unbedingt hätte antreten wollen, hätte man eine Platte einsetzen müssen, aber auch damit wäre ich eingeschränkt gewesen. Ich sagte mir deshalb: Wenn ich an Olympische Spiele gehe, will ich auch mit 100 Prozent fahren können. Sonst bin ich genauso enttäuscht, wie wenn ich gar nicht hinfahren kann. Wenn es meine allerletzte Möglichkeit für Winterspiele gewesen wäre, dann wäre das eine Option gewesen. Weil ich hoffentlich in vier und sogar in acht Jahren weitere Chancen bekomme, stand eine Teilnahme ausser Frage.

Wann setzte die Enttäuschung ein, dass du nicht nach Pyeongchang fahren kannst?

Ich hoffte, dass meine Schulter ausgekugelt war, dann hätte ich jetzt wieder voll trainiert und eine Teilnahme wäre eventuell möglich gewesen. Als ich dann realisierte, dass es ein Bruch war, war die Enttäuschung sehr gross. Während der Woche an den X-Games konnte ich es aber gut verdrängen, dank der vielen Events. Ich war immer beschäftigt und hatte Leute um mich herum. Wir flogen am Dienstag zurück, die grosse Enttäuschung kam dann am Flughafen, als ich mich von meinem Team verabschiedete.

Unsere mutigste Olympia-Hoffnung

Giulia Tanno brillierte mit Bronze an den X-Games. Das nächste grosse Ziel der jungen Bündnerin sind die Olympischen Spiele 2018. (Quelle: 20 Minuten/Monster)

Wie äusserte sich bei dir die Enttäuschung?

In den letzten Tagen flossen viele Tränen. Enttäuschung, Wut und Trauer gehen bei mir immer mit vielen Tränen einher. Jetzt geht es aber langsam besser. Es wird wohl wieder etwas schlimmer, wenn dann der Wettkampf im TV läuft.

Von wem hast du Hilfe bekommen?

Von meinem Team und meiner Physiotherapeutin, aber auch von anderen Kolleginnen, die ebenfalls an den X-Games teilnahmen.

Vor eineinhalb Monaten sagtest du im Interview mit 20 Minuten, dass du so gut seist wie noch nie. Ist nun dieser Rückschlag umso bitterer?

Ja, ich glaube schon. Ich hatte eine starke Saison, in den Trainings lief es jeweils gut. Ich hatte selten ganz schlechte Tage. Deshalb steckte ich mir hohe Ziele für Pyeongchang. Aber es tut nun nichts mehr zur Sache, wie gut ich vorher drauf war. Ich hoffe, dass ich in vier Jahren noch besser fahren kann.

Du galtest als Medaillenhoffnung im Slopestyle, nun müssen andere in die Bresche springen. Wem traust du etwas zu?

Ganz sicher drücke ich meinen Teamkolleginnen Mathilde Gremaud und Sarah Höfflin die Daumen. Es wäre schön gewesen, hätten wir zu dritt auf dem Podium stehen können.

Wie sehen nun deine weiteren Pläne ohne Olympia aus?

Ich habe keinen Gips und werde nicht operiert. Ich trage noch eine Woche eine Armschlinge, beginne aber bereits jetzt mit der Physiotherapie. In fünf Wochen wird der Arzt entscheiden, wann ich wieder auf die Ski darf. An den X-Games in Norwegen im Mai möchte ich wieder zu 100 Prozent bereit sein. Im März wären noch zwei Weltcup-Events. Wir müssen schauen, wie schnell der Bruch heilt und ob es dann dafür reicht.

Der Unfall an den X-Games in Aspen

Giulia Tanno blieb in einem Training für die X-Games an einem Rail hängen und stürzte unglücklich auf das Geländer. Dabei zog sie sich einen doppelten Oberarmbruch zu. Zwar musste sich die 19-Jährige nicht operieren lassen, aber sie verpasst die Olympischen Spiele in Pyeongchang.

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