Aktualisiert 14.03.2013 06:06

«Tomb Raider»Ich, in der Haut von Lara Croft

Wie wäre es, im Körper der «Tomb Raider»-Heldin Lara Croft zu stecken? Unser Gameredaktor lässt seiner Fantasie freien Lauf.

von
Jan Graber
Stark wie ein Mann, sinnlich wie eine Frau: Frau Croft lässt mich über die Geschlechterrollen nachdenken.

Stark wie ein Mann, sinnlich wie eine Frau: Frau Croft lässt mich über die Geschlechterrollen nachdenken.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es wäre, eine Frau zu sein? Sicher haben Sie – gerade weil Sie ein Mann sind. (Frauen müssen sich diese Frage ja nicht stellen.) Auf der Hand liegt, wieso ich mich letzthin wieder einmal in die Haut einer Frau zu versetzen versuchte: Lara Croft, Abenteurerin und Forscherin, jung, hübsch und hammerhart, hat mich dazu animiert.

Die Heldin hat im aktuellen Action-Adventurespiel «Tomb Raider» ihren jüngsten Auftritt, und wie an anderer Stelle bereits zu lesen war, handelt es sich um eine erwachsen gewordene Lara Croft - eine, die menschlicher und verletzlicher als je wirkt. Was aber geht in einer Lara Croft wirklich ab, wenn sie steilste Wände hochkraxelt, gegen Wölfe kämpft und martialischen Machos die Birne wegbläst?

Femme Fatale und Forscherin

Ein kurzer Ausflug in die Hintergrundgeschichte des Action-Krachers: Als Forscherin ist Croft mit einem Team auf der Suche nach einer mythologischen Gottheit. Diese wird auf einer mysteriösen Insel vermutet. In der Nähe der Insel gerät das Forschungsschiff in einen plötzlich auftretenden Sturm, nimmt Havarie und das Team strandet auf dem unheimlichen Eiland. Alleine bleiben sie nicht lange: Ein zuvor ebenfalls auf der Insel Gestrandeter namens Mathias hat die Kontrolle an sich gerissen und dominiert die Region mit brutalsten Methoden - ähnlich wie es der grössenwahnsinnige Colonel Walter E. Kurzt (gespielt von Marlon Brando) im Kultfilm «Apocalypse Now» tut.

Lara Croft wird von ihrer Gruppe getrennt und muss sich auf eigenen Füssen durchschlagen. Schritt um Schritt, Schuss um Schuss lernt sie zu überleben. Zunächst versucht sie sich an Tieren und beginnt angesichts deren Leiden beinahe zu weinen. Später setzt sie sich gegen die ersten Schergen von Mathias durch. Sie gewinnt an Stärke, Erfahrung und verbessert im Laufe des Spiels auch ihre Waffen. Trotz den brutalen Konfrontationen bleibt sie aber Forscherin und sammelt Reliquien und Hinweise darauf, was es mit der Insel auf sich hat.

Und sie bleibt Frau: Selbst wenn sie einem Gegner einen Pickel ins Genick rammt oder einen Pfeil durch den Schädel schiesst, spüre ich als Spieler eine Mischung aus Zögern und zielgerichteter Notwendigkeit. Croft hat keine Freude am Töten, doch erkennt sie es als Notwendigkeit. Und sie leidet: Sie zittert in der Kälte, beisst die Zähne zusammen, wenn sie verwundet ist, fürchtet sich vor der nächsten Konfrontation, der sie jedoch nicht ausweichen kann.

Wie ist Sex in der Haut von Lara?

Und ich fange an mir Gedanken zu dieser jungen, im ersten Anblick schwachen und trotzdem übermenschlich starken Frau zu machen: Wäre ich in ihrer Haut auch so wie sie? Würde ich den Mut haben, um einen ungeschlachten Kerl, der brüllend mit einer Machete auf mich losgeht, niederzumachen? Wie ist es, als 21-jährige Frau, die aus der feinstofflichen Welt der Forschung kommt, steile Wände zu erklimmen, reissende Wildbäche zu überspringen und schwindelerregende Funktürme hochzuklettern? Wie ist es, reihenweise wildwütige Gegner auszuschalten, die ihrerseits keine Sekunde zögern würden, sie zu überwältigen, um vielleicht noch Schlimmeres mit ihr anzustellen als sie zu töten?

Und dann dies: Möchte sie vielleicht eines Tages Kinder haben? Kann sie lieben? Wie ist es, als Lara Croft Sex zu haben – in ihrer Haut? Nimmt sie die Männer ebenso hart ran, wie sie mit dem Eispickel einen Schädel spaltet? Oder schmiegt sie sich zärtlich an den Partner, endlich mal nicht gezwungen, die Femme Fatale zu sein und gegen innere Widerstände zu killen?

Nach mehreren Stunden Gamen mit Lara Croft wünschte ich mir, mehr über sie zu erfahren, sie noch menschlicher zu sehen. Denn eines ist mir klar geworden: Spielhelden wie sie schaffen es bisweilen, die Welt um uns mit anderen Blicken zu sehen und uns Gedanken zu Dingen zu machen, die wir sonst geflissentlich unter den Tisch fallen lassen. Vor allem wir Männer.

Der Trailer zum neusten «Tomb Raider»-Spiel

Quelle: YouTube

In der Haut von Lara Croft

Seit der Veröffentlichung des ersten «Tomb Raider»-Games 1996 hat die Spielikone Lara Croft als Vorbild für Verkörperungen der Heldin gedient. Bereits für den zweiten Teil wurde mit dem ersten offiziellen Croft-Model Rhona Mitra geworben. Die allererste öffentliche Darstellung bot indessen Nathalie Cook, die 1996 an der European Computer Trade Show in der Verkleidung der Heldin auftrat. Das letzte offizielle Croft-Model war Alison Carroll, die ab 2008 in diese Rolle schlüpfte. Für den neusten, kürzlich erschienenen Teil wurde indessen mit der Tradition gebrochen: Erstmals in der Geschichte der «Tomb Raider»-Reihe wurde ein Spiel nicht mit einer «echten» Lara Croft beworben. Schade eigentlich, wie sie in unserer Diashow sehen können.

Jan Graber…

… verschob die ersten Gamepixel mit «Space Invaders», «Leisure Suit Larry» und «King’s Quest»; mit «System Shock» und «Rebel Assault» entdeckte er sein Flair für Actiongames. Momentan zockt er «Far Cry 3», freut auf das nächste «Tomb Raider» und intelligentes Futter wie «Beyond Two Souls».

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