Entführungsopfer: «Ich kam mit einem Lächeln aus der Hölle»
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Entführungsopfer«Ich kam mit einem Lächeln aus der Hölle»

Mit einem eindrücklichen Video stellten sich Amanda Berry, Michelle Knight und Gina DeJesus erstmals seit ihrer Befreiung der Öffentlichkeit und bedankten sich bei allen.

von
kmo

In einer Videobotschaft haben sich die drei Entführungsopfer aus Cleveland für die Unterstützung bedankt. (Video: Reuters)

Die drei Frauen aus Cleveland, die zehn Jahre lang von einem Mann in dessen Haus gefangen gehalten und misshandelt wurden, haben sich erstmals gemeinsam an die Öffentlichkeit gewandt. In einem am Montagabend (Ortszeit) auf Youtube veröffentlichten Video bedanken sich Amanda Berry, Gina DeJesus und Michelle Knight bei ihren Familien, Freunden und bei der Öffentlichkeit für die Geldspenden und die Ermutigungen, die ihnen einen Neustart im Leben ermöglicht hätten.

«Als Erstes will ich allen sagen, wie glücklich ich bin, dass ich wieder zuhause bei meiner Familie und meinen Freunden bin» – mit diesen Worten macht Amada Berry den Auftakt im Video. Die junge Frau wirkt ruhig und gefasst. Sie bedankt sich nicht nur bei denjenigen, die ihr geholfen haben, sondern auch bei all denen, die sie in Ruhe gelassen haben: «Ich werde jeden Tag stärker, und dass ich jetzt eine Privatsphäre habe, hilft mir enorm», sagt sie.

Vor zehn Jahren entführte Frauen aufgetaucht

Etwas weniger lange spricht Gina DeJesus, sie überlässt dafür ihren Eltern das Mikrofon. Ihre Mutter appelliert an alle, die ebenfalls jemanden vermissen: «Vertrauen Sie auf die Nachbarn und bitten Sie sie um Hilfe.»

Cleveland: So wurden die Frauen befreit

«Ich war in der Hölle und zurück»

Am eindrücklichsten sind aber die Worte von Michelle Knight, die als Letzte spricht. «Ich war in der Hölle und zurück. Aber ich bin stark genug, um mit einem Lächeln auf dem Gesicht, mit hoch erhobenem Kopf und festem Schritt aus der Hölle zu marschieren.»

Mit dem Video wollten die Frauen der Öffentlichkeit etwas geben, um sich gleich wieder aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen.

Der 52-jährige Peiniger Ariel Castro muss sich zurzeit vor Gericht verantworten. Die Anklagepunkte gegen den früheren Busfahrer lauten auf Entführung, Vergewaltigung und Mord in zwei Fällen, weil er bei einer der Frauen mit Faustschlägen in den Bauch Fehlgeburten ausgelöst hatte.

Die Frauen waren unabhängig voneinander in den Jahren 2002 bis 2004 im Alter von 14, 16 und 20 Jahren verschwunden. Castro soll sie im Auto mitgenommen und dann - zeitweise sogar in Ketten - in seinem Haus eingekerkert und missbraucht haben. Bei der Befreiung Anfang Mai fand die Polizei auch die sechsjährige Tochter einer der Frauen. Ein Test ergab, dass Castro der Vater ist.

Die Eltern von DeJesus hatten einen Fonds eingerichtet, um Spenden für den Neustart der Frauen zu sammeln. Knights Anwältin Kathy Joseph teilte mit, die drei Frauen wollten sich nun, Monate nach ihrer Befreiung, bei den Menschen in Cleveland und auf der ganzen Welt bedanken. James Wooley, ein Anwalt von DeJesus und Berry, teilte mit, seine Mandantinnen bedankten sich für die Vertraulichkeit, mit der ihr Fall in der Öffentlichkeit behandelt werde. (kmo/sda)

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