27.09.2020 18:56

Lovely Me«Ich kann auch ohne Kniescheibe Brände löschen»

Monika hat seit ihrer Geburt ein steifes Knie und Probleme mit Beinen und Hüften. Das hält sie aber nicht davon ab, in der freiwilligen Feuerwehr aktiv zu sein.

von
Meret Steiger
1 / 6
Monika aus Reichenbach ist 27 Jahre alt und hat ein steifes Knie.

Monika aus Reichenbach ist 27 Jahre alt und hat ein steifes Knie.

privat
Das steife Knie ist ein Geburtsgebrechen. «Zusätzlich war mein rechtes Bein fünf Zentimeter kürzer, und auch meine Hüften waren nicht in Ordnung.» sagt Monika.

Das steife Knie ist ein Geburtsgebrechen. «Zusätzlich war mein rechtes Bein fünf Zentimeter kürzer, und auch meine Hüften waren nicht in Ordnung.» sagt Monika.

privat
Diverse Narben zieren die Beine der jungen Frau. Sie hat aufgehört zu zählen, wie oft sie operiert wurde. «Mit nur vier Monaten hatte ich meine erste OP, danach sind viele weitere gefolgt.»

Diverse Narben zieren die Beine der jungen Frau. Sie hat aufgehört zu zählen, wie oft sie operiert wurde. «Mit nur vier Monaten hatte ich meine erste OP, danach sind viele weitere gefolgt.»

privat

Darum gehts

  • Monika hat ein Geburtsgebrechen.
  • Die 27-Jährige hat ein steifes Knie und Probleme mit den Hüften.
  • Davon lässt sich die junge Frau aber nicht einschränken.
  • Monika arbeitet als Verkäuferin und ist in der freiwilligen Feuerwehr.

Monika, was ist deine Besonderheit?

Ich habe eine Gehbehinderung, die ein Geburtsgebrechen ist. Ich bin Drilling und hatte damals wohl ein bisschen wenig Platz. Deswegen habe ich im linken Knie keine Kniescheibe und kann das Bein kaum krümmen. Zusätzlich war mein rechtes Bein fünf Zentimeter kürzer, und auch meine Hüften waren nicht in Ordnung.

Was ist dann passiert?

Mit nur vier Monaten hatte ich meine erste OP, danach sind viele weitere gefolgt. 2016 habe ich rechts ein künstliches Hüftgelenk bekommen, und mein Bein wurde verlängert. Im Januar dieses Jahres musste ich auch die linke Hüfte ersetzen. Ich habe zehn Narben unterhalb der Hüfte und muss immer wieder irgendwas operieren, zuletzt mein Ohr, weil ich nicht mehr gut gehört habe. Ich habe mich aber damit abgefunden und sage immer, ich sei eine lebende Baustelle, an mir wird immer was gemacht.

Wurdest du als Kind gehänselt?

Ja, schon. Ich konnte ja zum Beispiel beim Sport auch nicht alles mitmachen, obwohl ich es immer versucht habe. Bei einer Velotour durfte ich dann beim Lehrer im Auto mitfahren, damit ich den Ausflug nicht verpasste. Aber Kinder sind schon gemein: «Hinkebein» und «lahme Ente» haben sie mich genannt. Aber meine beiden Schwestern haben mich immer verteidigt. Erst in der Berufsschule war ich allein.

Wie war das?

Nicht so schön. Am Bahnhof haben mir mal ein paar Teenager hinterhergerufen, dass es solche Menschen wie mich gar nicht geben sollte und ich doch auf die Gleise gehen solle. Das hat mich schon sehr getroffen.

Wie bist du damit umgegangen?

Anfangs hatte ich bei solchen Aussagen wirklich Angst, und ich arbeite ja auch immer noch daran, mich zu akzeptieren. Aber es macht mich auch stärker, dass ich mich immer wieder solchen Herausforderungen stellen muss. Inzwischen ist mein Selbstbewusstsein ziemlich gut. Als mich kürzlich ein erwachsener Mann angestarrt hat, habe ich ihm «Gäll, ich bin schon eine schöne Frau!» entgegengerufen, und er hat sofort peinlich berührt weggesehen.

Wie geht es dir heute?

Gut! Ich bin seit acht Jahren in der freiwilligen Feuerwehr in Frutigen, sie geben mir sehr viel Halt und Kraft. Ich kann auch ohne Kniescheibe Brände löschen! Es ist wie eine zweite Familie, bei der ich ganz ich selbst sein kann und genau so akzeptiert werde. Aber auch meine erste Familie unterstützt mich, wo sie kann. Froh bin auch um meinen Job: Ich arbeite im Verkauf, und mein Arbeitgeber hat sehr viel Verständnis, dass ich zum Beispiel die untersten Regale nicht auffüllen kann, weil ich nicht knien kann. Ich bin aber sehr dankbar für diesen Job und die ganze Unterstützung in meinem Umfeld.

Monika ist 27 Jahre alt und wohnt in Reichenbach. Die Verkäuferin verbringt ihre Freizeit in der Feuerwehr oder beim Schwimmen.

Lovely Me

Mehr Selbstliebe, mehr Body-Positivity: In diesem Format stellen wir regelmässig Menschen vor, die nicht den klassischen Schönheitsidealen entsprechen und sich trotzdem (oder gerade deswegen) schön finden. Egal, ob du ein paar Kilos zu viel hast, deine Sommersprossen erst lieben lernen musstest oder lange mit deiner grossen Nase gekämpft hast: Melde dich bei uns!

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.