Aktualisiert 08.06.2013 23:21

Haris Seferovic«Ich kann das Gefühl kaum beschreiben»

Mit dem 1:0 gegen Zypern hat die Schweizer Nati quasi mehr als die Hälfte der Wegstrecke nach Brasilien 2014 geschafft. Dank dem ersten Länderspieltor von Haris Seferovic.

von
Eva Tedesco

Die Schweizer Nationalmannschaft besiegt Zypern 1:0 dank einem Tor von Haris Seferovic in der 90. Minute. (Video: 20 Minuten)

Es war ein hartes Stück Arbeit und ein elendes Geduldsspiel bis Haris Seferovic die Nati und 16'900 Zuschauer im Stadion gegen Zypern in der 90. Minute erlöste. Aber Genf, die Schweizer Nationalmannschaft und Zypern - das passt. Vor bald fünf Jahren, am 20. August 2008, gab Ottmar Hitzfeld mit einem 4:1-Sieg sein Debüt als Schweizer Nationaltrainer im Stade de Genève. Der damalige Gegner: Zypern. Am Samstagabend trafen die beiden Teams wieder in Genf aufeinander. Diesmal war es kein freundschaftliches Aufeinandertreffen. Vielmehr ging es für die Schweiz darum, ihre Leaderposition in der WM-Gruppe E auszubauen und sich für die heiklen Gastspiele in Oslo (10. September) und vor allem in Tirana (11. Oktober) ein Polster zu schaffen.

Das beträgt nach dem Erfolg über Zypern vier Punkte auf Verfolger Albanien, fünf auf Island und komfortable sechs Zähler sind es bereits auf Norwegen, immerhin dem Kontrahenten aus Topf 1. Dank dem ersten Länderspieltor von Seferovic. Als sich alle mit dem zweiten torlosen Remis gegen die Weltnummer 122 abgefunden hatten, spielte Xherdan Shaqiri den Ball steil in den Strafraum, wo plötzlich Seferovic halb rechts alleine vor Antonis Giorgallidis auftauchte und den Ball cool über den Zypern-Keeper lupfte. Die Welle der Erlösung ging durch die Mannschaft, durchs Stadion und wohl durch die ganze Schweiz.

Seferovic ist stolz auf seinen Treffer

«Ich kann das Gefühl nach meinem Tor kaum beschreiben», sagte der 21-jährige Stürmer, der Fiorentina gehört, aber das letzte halbe Jahr leihweise bei Serie-B-Klub Novara seine Sporen abverdient hat. «Ich bin riesig stolz auf mein Tor und freue mich, dass meine ganze Familie und meine Freundin dabei sein konnten. Es hat sehr viel Nerven gebraucht heute. Die Erleichterung war gross. Ich habe gesehen, wie alle von der Ersatzbank aufgesprungen sind und sich mit mir gefreut haben. Besonders gefreut hat mich der Jubel von Granit Xhaka, den ich schon so lange kenne und viel gelacht habe beim Zusammenzug jetzt bei der Nati. Druck hatte ich keinen. Als ich eingewechselt wurde, habe ich mir vorgenommen mein Bestes zu geben und ich glaube, dass ich es auch gut gemacht habe.»

Es war der gerechte Lohn für fast 90 Minuten anrennen. Die Schweizer spielten sich unzählige Chancen heraus. Josip Drmic (7.) und Mario Gavranovic (8.) eröffneten den Sturmlauf schon früh. Der Kopfball des FCZ-Stürmers fand aber nur den Pfosten. Kurz vor der Pause versuchten sich Valon Behrami und Johan Djourou und scheiterten. Ebenso Xherdan Shaqiri. Drmic (32.) und der sehr engagierte Valentin Stocker (53.) trafen lediglich ins Aussennetz. «Zypern war sehr kompakt und defensiv eingestellt. Wir haben probiert und probiert und manchmal braucht es halt dann einfach ein bisschen Glück», so der Siegtorschütze.

«Gegen Zypern ist der Wurm drin»

«Gegen Zypern ist der Wurm drin», glaubt Xherdan Shaqiri. Der Triple-Gewinner ermöglichte mit seinem herrlichen Zuspiel in die Tiefe auf Seferovic den einzigen Treffer des Abends, nachdem er selbst zuvor einige Male gescheitert war. «Es war ein schwieriges Spiel, wir haben uns viele Chancen herausgearbeitet, aber wir haben das Tor nicht gemacht. Irgendwie war der Ball nach dem Regen etwas rutschig, aber wir hätten auch in der Verwertung der Chancen konsequenter und effizienter sein müssen. Am Ende bin ich sehr erleichtert, dass wir den Treffer in letzter Minute noch machen konnten.»

Die Szene vor seinem Zuspiel beschreibt Shaqiri nach dem Spiel so: «Ich habe in der ersten Halbzeit viel Platz gehabt, bin aber nicht oft zwischen den Linien angespielt worden. Am Schluss ist es doch gelungen, dass ich in der Schnittstelle frei zum Ball gekommen bin und auf den Verteidiger ziehen und ein Pässli in die Tiefe spielen konnte. Danach macht es Haris auch super.»

Schweiz nach 6 Spielen noch ungeschlagen

«Ich bin nur ein bisschen enttäuscht, dass wir nicht so gut gespielt haben und dort anknüpfen konnten, wie wir es uns vorgenommen haben. Aber es war super, dass alle für uns gespielt haben in der Gruppe und wir gewinnen konnten. Das war ein wichtiger Sieg und ein sehr grosser Schritt, dass wir unserem Ziel näher kommen – das ist Brasilien. Es ist noch nicht vollbracht, aber auf jeden Fall war der Sieg ein schöner Abschluss vor der Sommerpause.»

Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld musste auf der Tribüne (2. Spielsperre) arg leiden. Aber Genf, Hitzfeld und die Nati, das passt. Die Nati bleibt ohne Niederlage in ihrer WM-Qualifikationsgruppe E. Die positive Bilanz nach sechs Spielen: vier Siege, zwei Remis, null Niederlagen. Zudem hat sie bisher erst ein Gegentor hinnehmen müssen.

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