Aktualisiert 19.08.2010 17:49

Baschi

«Ich kann der nächste Superstar werden»

Baschi weiss, dass in Deutschland
niemand auf ihn wartet. Trotzdem ist er sicher, dass er es dort weit bringen wird.

von
Jonas Dreyfus

Baschi, du hast abgenommen?

Ein paar Kilo. Ich fühle mich gerade gut in Shape.

Was war deine Diät?

Die Hälfte von allem. Beim Bier fängts an - leider bin ich dort aber noch nicht ganz bei der Hälfte angekommen.

Echt, wie oft hast du denn einen Kater?

Schon öppedie mal. Wenn ich mit der Band nach einem Konzert abstürze oder im Studio mal einen durchgebe. In dem Sinn komme ich schon nicht zu kurz.

Warum erzählst du eigentlich immer, dass du gern trinkst und kiffst? Die meisten Promis versuchen genau das zu verheimlichen.

Ich finds einfach nichts Schlimmes, weil es im Rahmen liegt. Ich bin ja kein Junkie.

Wie fühlst du dich im Moment?

Super. Ich bin sehr froh, dass mein neues, hochdeutsches Album endlich rauskommt. Es gab Momente während den Aufnahmen in Berlin, wo wir daran gezweifelt haben, ob es je fertig wird. Wir haben einfach kein Licht am Ende des Tun­nels gesehen und uns gefragt: Was machen wir noch hier? Komm, wir gehen heim!

Warum?

In Deutschland hat niemand auf mich gewartet: ein Schweizer, der hochdeutsch singt. Zum Glück bin ich aber etwas grössenwahnsinnig und total von mir überzeugt. Ich glaube, dass ich dort der nächste Super­star werden kann.

Weshalb?

Es gibt wenige wie mich: jung, rockig, frech.

Ähm, doch. Davon gibts viele. Was macht dich anders?

Sicher mal mein komisches Deutsch - nein, im Ernst: Ich finde, ich bin echt. Das macht mich aus.

Dein hochdeutsches Album heisst «Auf Grosser Fahrt». Bist du schon mal mit dem Rucksack durch die Welt gezogen?

Dafür hatte ich seit «Music Star», als ich 16 war, gar keine Zeit, und vorher war ich zu jung. Aber Ferien mache ich, so viel ich kann.

Individual oder pauschal?

Gleich nach «Music Star» bin ich mit meiner Freundin Katy für 300 Franken nach Griechenland gefahren. Seit der Erfolg da ist, bin ich recht wählerisch geworden. Ich mache gern ... wie sagt man dem? Entspannungsferien? Es muss einfach ein geiles Hotel sein. Am liebsten mit so wenig Zimmern wie möglich. Wir waren schon auf Bodhuiti, Malediven, und auf Bali in einem ganz kleinen, huere edlen Resort. Oder wir gehen auch mal ein Wochenende lang nach Nizza shoppen.

Ein ziemlich erwachsenes Programm für einen 23-Jährigen.

Ich hab im Beruf schon genug Action, privat habe ich gern meine Ruhe. Und ich bin anspruchsvoll – das gebe ich zu. Ich spiele jetzt auch Golf, obwohl mich alle auslachen und sagen: Das kannst du mit 50 noch machen.

Wie reagierst du darauf?

Ich ziehe grad extra das geilste Polo-Shirt, die auffälligste Sonnenbrille und die teuerste Uhr an. Damit es noch versnobter aussieht.

Am Anfang deiner Karriere sah man deine Mutter oft an deiner Seite. Wie häufig siehst du sie heute noch?

Ich besuche sie alle paar Wochen in ihrem Coiffeur-Laden, sie schneidet mir die Haare, kritisiert meine Songs, ich habe eine dumme Schnurre wegen dem Haarschnitt, den sie mir verpasst, und sage: «Hoffentlich kommt bald wieder ein Shooting, wo mir jemand eine anständige Frisur schneidet.»

Du bist bekannt für deine grosse Klappe. Wann verschlägt es dir die Sprache?

Wie jeder Mann habe ich oft Mühe, über meine Gefühle zu sprechen.

Akzeptierst du das einfach?

Nein, ich mache mir Gedanken über mich und darüber, wie ich mich verbessern kann. Ich finde, ich bin ein moderner, emanzipierter Mann.

In welchen Situationen hast du Mühe, über deine Gefühle zu sprechen?

Zum Beispiel, wenn es Probleme in der Beziehung gibt. Ich bin manchmal ein Trampel und mache zu sehr einen auf Kumpel. Das kann ver­letzend sein. Oder ich habe beim Nachtessen plötzlich das Bedürfnis, aufzustehen und meinen Kopf vor die Boxen zu halten. Ich habe in der Öffentlichkeit ja eigentlich genug Möglichkeiten, meine Show abzuziehen, muss es dann aber auch noch in der Familie tun.

Wirst du auch mal laut, wenn es Streit gibt?

Nein, im Gegenteil. Ich rede unglaublich gern in Interviews oder singe voller Gefühl auf der Bühne. Aber wenn es im Privaten ernst wird, werde ich leise und fühle mich schnell angegriffen. Ich kann mir auch sehr schlecht Fehler eingestehen. Ich rede mir dann lieber ein, dass ich es ja nicht so gemeint habe. Aber trotzdem ist es passiert, und ich sollte die Konsequenzen tragen.

Woher diese Konfliktscheu?

Vielleicht liegts in der Familie. Meine Vater war ähnlich mit meiner Mutter. Er konnte nie sagen, was er will, und hatte oft keine eigene Meinung. Wie ein leeres Blatt. Eine Frau hat auch mal gern, wenn man sagt: «Komm, wir machen es jetzt so und so.» Aber ich hatte ein sehr enges Verhältnis zu meinem Vater und habe oft mit ihm gequatscht. Als er vor zwei Jahren an Krebs gestorben ist, war eine meiner wichtigsten Ansprechpersonen einfach weg.

Hast du Angst vor dem Sterben?

Ich habe Angst vor Krankheiten. Vor allem, wenn ich mir Sendungen wie «Puls» anschaue. Hinter dem Ohr habe ich ein riesiges Muttermal, das ich kürzlich untersuchen liess. Aber es ist alles in Ordnung.

Seit der Sekundarschule hast du keine Ausbildung mehr gemacht. Gibt es Situa­tionen, in denen du gern gebildeter wärst?

Meine Allgemeinbildung ist in Ordnung - ich weiss, was in der Welt läuft. Aber ich habe definitiv einen Komplex, was Fremdsprachen angeht. Auf Englisch kann ich mich knapp durchschlagen, aber das wärs dann auch schon. Katy spricht perfekt Englisch, Französisch, gut Italienisch und sogar noch Isländisch. Da stehe ich mit ihr in den Ferien schon etwas dumm da.

Wann findest du dich lang­weilig?

Nie.

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