Federer zuversichtlich: «Ich kann einige Gänge hochschalten»
Aktualisiert

Federer zuversichtlich«Ich kann einige Gänge hochschalten»

Für Roger Federer beginnt die spannendste Phase der Saison. Zweimal tritt er in den nächsten sechs Wochen in Wimbledon an. Triumphiert er in knapp zwei Wochen, ist er wieder die Nummer 1.

Zum Glück ist Roger Federer nicht besessen davon, Rekorde zu brechen. Ansonsten könnte der Druck auf seinen Schultern in den nächsten Tagen zum Handicap werden. Dem bald 31-jährigen Basler fehlt seit drei Jahren nur noch ein Wimbledonsieg bis zum Rekord von Pete Sampras (7 Siege). Wenn Federer diesmal triumphiert, grüsst er nach Wimbledon ausserdem erstmals seit zwei Jahren wieder als Nummer 1 der Weltrangliste. Und im ATP-Ranking fehlt ihm bloss noch eine Woche als Nummer 1 bis zur Egalisation des «ewigen Rekordes» von Sampras (286 Wochen).

Nach der Auslosung steht fest, dass der Wimbledonsieg Federer in jedem Fall zur Nummer 1 reichen würde, denn Novak Djokovic befindet sich einmal mehr in der gleichen Tableauhälfte wie Federer. Djokovic müsste den Final erreichen, um seine Nummer 1 in jedem Fall aus eigener Kraft verteidigen zu können. Federer erarbeitete sich die gute Ausgangslage seit letztem Herbst mit Turniersiegen in Basel, Paris-Berçy, dem Gewinn des Masters in London.

In dieser Saison schied Federer erst einmal in neun Turnieren vor den Halbfinals aus (in Key Biscayne gegen Andy Roddick) und gewann vier Anlässe, darunter die Masters-1000-Turniere von Indian Wells und Madrid. Seit dem US Open haben Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer auf 10 Punkte genau die gleiche Anzahl ATP-Punkte gewonnen (zwischen 8670 und 8680). Bis September wird sich Federer mehr als einmal die Chance bieten, wieder die Nummer 1 zu werden - vorausgesetzt er spielt im Rahmen der vergangenen Monate.

Seit zweieinhalb Jahren kein Major-Titel

Hilfreich wäre mit Blick auf die Nummer 1 natürlich ein Grand-Slam-Titel. Seit zweieinhalb Jahren, seit dem Australian Open 2010, wartet Federer auf den 17. Major-Titel. Seither scheiterte er an den Grand-Slam-Turnieren dreimal in den Viertelfinals (gegen Söderling, Berdych und Tsonga), fünfmal in den Halbfinals (viermal gegen Djokovic und einmal gegen Nadal) und nur einmal, am French Open 2011, im Final (an Nadal). Beschäftigt ihn das? «Ich denke nicht Tag für Tag, 'Mein Gott ist das lange her, seit ich letztmals ein Grand-Slam-Turnier gewonnen habe'. So denke ich sicher nicht. Eher motiviere ich mich an derartigen Dingen. Ich bin immer erfolgshungrig. Und das ist eine gute Sache.»

Hier vergibt Federer den Halle-Titel

Federer betont auch, dass er nie so arrogant gewesen sei, den Centre Court von Wimbledon als seine Heimat oder sein Wohnzimmer zu bezeichnen - auch nicht zwischen 2003 und 2007, als er hintereinander fünf Titel holte. Federer: «Es gab eine Zeit, während der ich dachte, ich könne auf Rasen nicht verlieren. Aber was passiert, wenn man so denkt? Man verliert schon am nächsten Tag. Aber ich fühle mich in Wimbledon immer gut. All die Erfolge, die ich hier feierte, verleihen immer noch Selbstvertrauen. Ich weiss, dass ich in Wimbledon ein paar Gänge hochschalten kann, weil das Spiel auf Rasen meinen Stärken entgegenkommt.»

Federer mit dem einfachsten Los

Auch die Auslosung dürfte Federer entgegenkommen. Der Schweizer beginnt am Montag gegen den Spanier Albert Ramos (ATP 43), der auf Rasen noch kein Einzel gewonnen hat. Auch in den folgenden Runden träfe Roger Federer auf Widersacher, gegen die er zwar wohl aufpassen muss, die ihm auf Rasen normalerweise aber nicht gefährlich werden können. In der 2. Runde hiesse der Gegner Fabio Fognini (It) oder Michael Llodra (Fr), erstmals auf einen Gesetzten (Julien Benneteau, ATP 31) könnte Federer in der 3. Runde treffen. Weil sich Federer erneut in der gleichen Tableauhälfte wie Novak Djokovic befindet, wird auch Federer sein erstes Einzel am Montag bestreiten.

Titelhalter Djokovic eröffnet das Turnier traditionsgemäss auf dem Centre Court; er trifft auf den Spanier Juan Carlos Ferrero. Die schwierigste Auslosung von den Favoriten erwischte Andy Murray, der Lokalmatador. Will der Schotte endlich seinen ersten Grand-Slam-Titel gewinnen, müsste er womöglich der Reihe nach Nikolai Dawydenko (1. Runde), Ivo Karlovic (2. Runde), Kevin Anderson (3. Runde), Milos Raonic oder Marin Cilic (Achtelfinal), Juan Martin Del Potro (Viertelfinal), Rafael Nadal (Halbfinal) und Federer oder Djokovic (Final) schlagen.

Stanislas Wawrinka (ATP 24) befindet sich in der untersten Sektion der Draw und beginnt das Turnier gegen den Österreicher Jürgen Melzer (ATP 35), einen der besten nicht gesetzten Spieler. Schafft es Wawrinka in die 3. Runde, bekäme er es wohl mit Jo-Wilfried Tsonga (ATP 5) zu tun, der vor einem Jahr in den Viertelfinals Roger Federer eliminiert hat. (si)

Deine Meinung