Psychische Besonderheiten: «Ich kann halt nicht anders...»
Aktualisiert

Psychische Besonderheiten«Ich kann halt nicht anders...»

Nahezu jeder hat mindestens eine schräge Angewohnheit. Viele treiben ihre Mitmenschen mit diversen Ticks regelrecht in den Wahnsinn. Eine kleine Exkursion in die Welt der nervigen Macken.

von
Runa Reinecke

Soll man etwas sagen und gegen das stille erste Gebot der Grossraumbüros «Du sollst nicht die Harmonie stören» verstossen? Aber es nervt doch so, wenn der Arbeitskollege ständig nicht zu identifizierendes Musikgut fernab jeglicher Intonation vor sich herpfeift. Und dann auch noch in einer Lautstärke... !

Der hat doch eine Macke!

Unser Alltag ist voll von diesen Ticks und Macken, die wir im mehr oder weniger freiwilligen Miteinander ertragen müssen. Einige davon produzieren wir selbst, darunter geräuschintensives Fingerbiegen, lautes «Nase hochziehen», oder notorisches Zappeln. Gibt es denn überhaupt eine fliessende Grenze zwischen einer «dummen Angewohnheit» und einer Zwangsneurose? Wieso haben wir überhaupt diese störenden Macken? «Ein Tick erfüllt für den Betroffenen immer einen Zweck. Er dient beispielsweise zur Ablenkung oder Stabilisierung während einer Krise», weiss die Zürcher Psychologin Marie-Luise Imholz.

So weit, so gut. Doch was ist zu tun, wenn der Mitarbeiter mit seiner nervigen Angewohnheit an die Grenzen des Erträglichen stösst? Die Expertin rät zur Offensive: «In so einem Fall ist es wichtig, mit der betreffenden Person das Gespräch zu suchen». Wenn der Arbeitskollege unter einem Tick leidet der tiefere psychische Ursachen hat, nützt das allerdings wenig. Denn die Person kann den Tick kaum aus eigener Kraft abstellen.»

Trifft dies zu, könne dem Betroffenen nur noch mit einer Verhaltenstherapie geholfen werden.

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