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Doktor Sex«Ich kann ihr einfach nicht vertrauen!»

Seit fünf Monaten lebt Jean glücklich in einer neuen Beziehung. Doch nun fährt seine Freundin in ein Klassenlager - in die Stadt, in der auch ihr Exfreund lebt.

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Sich ständig Sorgen über die Zukunft zu machen, kann in einer Depression enden. (Symbolbild: Colourbox.com)

Sich ständig Sorgen über die Zukunft zu machen, kann in einer Depression enden. (Symbolbild: Colourbox.com)

Frage von Jean (18) an Doktor Sex: Ich bin seit fünf Monaten glücklich in einer Beziehung. Trotzdem plagt mich etwas: Ich kann meiner Freundin nicht vertrauen. Um das zu erklären, muss ich etwas zurückblenden. Vor 3 Jahren beendete mein Vater die Ehe mit meiner Mutter wegen seiner Exfreundin, mit welcher er vor 30 Jahren zusammen war. Und vor knapp 2 Jahren wurde ich von meiner damaligen Freundin verlassen. Auch sie ging zu ihrem Ex zurück.

Nun ist es so, dass meine neue Freundin bald mit der Klasse nach Berlin fährt, wo auch ihr Exfreund lebt. Ich weiss, ich sollte mir keine Sorgen machen, aber das geht einfach nicht, da ich grosse Angst habe, auf die gleiche Art wieder verletzt zu werden. Dieses Vertrauensproblem ist nicht neu, es ist auch da, wenn sie beispielsweise mit ihrer besten Freundin in den Ausgang geht. Was kann ich gegen die Angst tun? Ich möchte ihr Vertrauen können und keine schlaflosen Nächte haben, während sie in Berlin ist.

Antwort von Doktor Sex

Lieber Jean

Auf den ersten Blick scheinen es deine biografischen Erfahrungen zu sein, die dazu führen, dass du kein Vertrauen in deine Freundin haben kannst. Bis zu einem gewissen Grad spielen diese sicher eine Rolle. Ich denke aber, dass der Grund deines Misstrauens letztlich nicht da draussen in der Welt, also bei deiner Freundin oder anderen Menschen zu finden ist, sondern bei dir – insbesondere bei deiner Art und deiner Motivation, dich auf bestimmte Weise auf Beziehungen einzulassen und an Menschen zu binden.

Damit soll nicht gesagt sein, dass das Verhalten anderer Menschen keinen Einfluss darauf hat, ob jemand Vertrauen aufbauen kann. Und selbstverständlich kann vorhandenes Vertrauen durch Erfahrungen, wie du sie gemacht hast, zerstört werden. Weil wir aber letztlich immer nur uns selbst, also unser Denken, unsere Haltung und unser Verhalten verändern können, ist es unbedingt wichtig, als erwachsener Mensch mit sich selber ins Reine zu kommen und sich und sein Leben nicht in einer leidvollen Art von nahestehenden Menschen und ihrem Handeln abhängig zu machen.

Egal ob es um die Beziehungen, unsere Gesundheit oder die Weltwirtschaft geht: Im Leben gibt es keine Sicherheit, ausser die, dass wir früher oder später sterben werden. Je eher du dich auf die Tatsache einlässt, dass Unsicherheit die einzige Konstante ist und je eher du damit umgehen lernst, umso eher wirst du frei werden von deinem Misstrauen und von deinen Ängsten, verlassen zu werden. Wozu dir Sorgen machen über das, was deine Freundin im Ausgang oder in Berlin treibt? Auch wenn sie dort ihren Ex trifft und sich wieder in diesen verliebt: du wirst es nicht ändern können. Das Gleiche gilt auch für den Fall, dass sie dich im Ausgang hintergehen würde.

Übe dich in Grosszügigkeit, statt kleinlich auf Sicherheit bedacht zu sein – im Denken und im Handeln. Geniess die Gegenwart mit deiner Freundin und mit allen Menschen, die dir lieb und wichtig sind. Freue dich über das, was gerade geschieht und gestalte dein Leben im Jetzt, statt dir dauernd Gedanken zu machen über eine Zukunft, die du nicht bestimmen kannst und darob zu vergessen, was wirklich wichtig ist.

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