Migros-Boss: «Ich kann ja nicht inkognito zu Coop»
Aktualisiert

Migros-Boss«Ich kann ja nicht inkognito zu Coop»

Warum Migros-Chef Herbert Bolliger glaubt, dass die Preise wieder steigen werden.

von
Elisabeth Rizzi
Migros-Chef Herbert Bolliger blickt auf ein Jahr mit einem Rekordgewinn. (Keystone)

Migros-Chef Herbert Bolliger blickt auf ein Jahr mit einem Rekordgewinn. (Keystone)

Herr Bolliger, wann haben sie zuletzt bei Coop eingekauft?

Herbert Bolliger: Ich kaufe nicht bei Coop ein. Aber ich schaue mir die Läden an.

Aha, Wirtschaftsspionage?

Nein, ich kann ja nicht inkognito zu Coop gehen. Dort kennen mich alle.

Coop-Chef Hansueli Loosli sagte neulich zu 20 Minuten: «Migros kopiert, und das ist erlaubt.» Was entgegnen Sie?

Da hat er wohl auf eine Aus­sage meinerseits reagiert. Ich sagte, Coop als ewige Nummer zwei im Detailhandel kopiere uns als Nummer eins immer. Beispiele sind M-Budget, Handys oder die Sélection-Linie.

Warum setzen Harddiscounter die Migros stärker unter Druck?

Wenn in einem gesättigten Markt wegen neuer Konkurrenten die Anteile neu verteilt werden, dann ist die Nummer eins immer stärker betroffen.

Warum wettern Sie eigentlich gegen Aldi und Lidl? Auch Migros senkt die Preise.

Ich finde die extreme Preisentwicklung auf Kosten der Arbeitsplätze in Deutschland schlecht. Aber wenn wir unsere Güter zu tiefen Preisen beschaffen, haben wir das eingesparte Geld schon immer den Kunden weitergegeben.

Sie glauben, die Preise steigen wieder. Weshalb?

Migros macht 50 Prozent des Umsatzes mit Frischprodukten. 2009 gab es eine grosse Überproduktion mit tiefen Beschaffungspreisen. Das könnte sich wieder ändern.

Die Migrosbank hat die Zinsen für Kleinkredite soeben massiv gesenkt. Haben Sie vorher die Kunden abgezockt?

Nein. Die Leitzinsen sind gesunken, aber der Privatkreditmarkt hat das nicht nachvollzogen. Nun waren wir der Meinung, eine Korrektur zu Gunsten der Kunden sei sinnvoll.

Migros schreibt 2009 trotz Umsatzeinbusse einen Rekordgewinn. Wo haben Sie gespart?

Wir haben nicht gespart, sondern unsere Effizienz bei den Prozessen verbessert.

Eine schöne Umschreibung ­dafür, dass Arbeiten weniger Personal benötigen.

Es hat keine Entlassungen gegeben. Aber im Detailhandel ist die Fluktuation hoch. Wir haben da natürlich überprüft, ob freie Stellen wieder besetzt werden. Schliesslich wurden 680 Vollzeit-

stellen abgebaut.

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