Oberster Impf-Chef – «Ich kann mir gut vorstellen, dass in einigen Kantonen die 2G-Regel kommt»
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Oberster Impf-Chef«Ich kann mir gut vorstellen, dass in einigen Kantonen die 2G-Regel kommt»

Nach der 2G-Forderung aus Schaffhausen entbrennt ein Streit um schärfere Regeln. Für viele Politikerinnen und Politiker ist der Ausschluss von Getesteten diskriminierend.

von
Noah Knüsel
Christina Pirskanen
Daniel Krähenbühl
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In gewissen deutschen Bundesländern wie etwa Niedersachsen gilt bereits jetzt die 2G- oder 2G-Plus-Regel. 

In gewissen deutschen Bundesländern wie etwa Niedersachsen gilt bereits jetzt die 2G- oder 2G-Plus-Regel.

Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa
Die 2G-Plus-Regel besagt, dass Betreiber selbst wählen können, ob sie 2G oder 3G einführen. Wenn nur Geimpften und Genesenen Eintritt gewährt wird, fällt die Masken- und Abstandspflicht.  

Die 2G-Plus-Regel besagt, dass Betreiber selbst wählen können, ob sie 2G oder 3G einführen. Wenn nur Geimpften und Genesenen Eintritt gewährt wird, fällt die Masken- und Abstandspflicht.

Swen Pförtner/dpa
Auch der Kanton Schaffhausen fordert im Konsultationsverfahren die Einführung der 2G-Regel. 

Auch der Kanton Schaffhausen fordert im Konsultationsverfahren die Einführung der 2G-Regel.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Der Kanton Schaffhausen fordert die 2G-Regel beim Zertifikat.

  • Wie die Regierung ausführt, brauche es klare Vorteile für geimpfte und genesene Personen, um die Impfquote in der Schweiz zu steigern.

  • Laut Impf-Chef Christoph Berger sei das Ziel, möglichst viele unentschlossene Ungeimpfte zu erreichen. Dazu könne er sich regionale und an die Situation angepasste Lösungen vorstellen.

  • Diverse Politikerinnen und Politiker kritisieren die Schaffhauser Forderung jedoch scharf.

Mit einer 150 Millionen teuren Offensive will der Bundesrat die Impfquote in der Schweiz noch einmal deutlich steigern. Bei der Schaffhauser Regierung fallen die vom Bund vorgeschlagenen Massnahmen jedoch durch. Wie die «Schaffhauser Nachrichten» berichten, fordert der Kanton eine radikalere Lösung, um die Impfbereitschaft zu erhöhen: 2G statt 3G. Nur Geimpfte und von Corona Genesene sollen demnach Zutritt zu bestimmten Veranstaltungen oder Innenräumen erhalten.

Christoph Berger, Infektiologe und Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF), will zur 2G-Forderung Schaffhausens keine Stellung nehmen. «Ziel ist aber, möglichst viele unentschlossene Ungeimpfte zu erreichen. Um sie zu überzeugen, braucht es regionale und an die Situation angepasste Lösungen.» Diese würden in einer Stadt mit hoher Impfquote – etwa Basel Stadt – anders aussehen als auf dem Land mit tieferer Impfquote – etwa Appenzell Innerrhoden. «Ich kann mir darum vorstellen, dass in Zukunft in einem Kanton die 2G-Regel gilt, in einem anderen wiederum nicht.»

«Das ist ein indirekter Impfzwang»

Für Mitte-Nationalrat Lorenz Hess sind 2G-Regelungen grundsätzlich denkbar: «So könnte die Impfquote wohl noch um einige Prozent gesteigert werden.» Er warnt aber vor überhasteten Massnahmenverschärfungen: «Man darf nicht zu häufig die Spielregeln ändern.» Das führe nur zu Verwirrung.

Andere bürgerliche Politiker können der Idee dagegen nichts Gutes abgewinnen: «Das bringt nichts, solange die Gültigkeit des Genesenenstatus nicht verlängert wird», sagt etwa FDP-Nationalrat Marcel Dobler. SVP-Gesundheitspolitiker Andreas Glarner fordert gar die Abwahl der Schaffhauser Regierung: «Dieser Vorschlag ist eine absolute Frechheit.»

Kritik kommt auch von links: «Die Schaffhauser Regierung spielt mit dem Feuer», sagt Grünen-Nationalrätin Manuela Weichelt. Sie finde es gefährlich, einen grossen Teil der Bevölkerung auszuschliessen: «Das ist ein indirekter Impfzwang, den die Schweiz eigentlich nicht kennt.»

Kantone wollen sich nicht äussern

Auch die anderen Kantone zeigen sich zögerlich - und verweisen stattdessen auf die Zuständigkeit für die 2G-Regel, welche beim Bundesrat liege. So schreibt der Kanton Luzern, dass die Kantone keine Kompetenz hätten, die 2G-Regel einzuführen. Mit dem Vorschlag der Schaffhauser Kantonsregierung habe sich der Kanton Luzern «bisher nicht auseinandergesetzt». Das Gesundheitsdepartement Basel-Stadt begrüsse schweizweit einheitliche Lösungen bei der Bewältigung der Corona-Pandemie. Eine 2G-Regel habe auch der Kanton Basel-Stadt nicht in Erwägung gezogen. Andere Kantone wollten sich zum 2G-Vorschlag – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – nicht äussern.

Nachbarländer haben bereits 2G

In Deutschland entscheiden die Länder autonom über Zugangsbeschränkungen. Hamburg hat Ende August als erstes Bundesland auf die 2G-Regel gesetzt, mittlerweile sind andere nachgezogen. In Berlin und Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und weiteren Bundesländern gilt die 2G-Plus-Regel. Das heisst, die Betreiber können selbst wählen, ob bei ihnen 2G oder 3G gilt. Bei 2G entfällt die Maskenpflicht, zudem muss man auch keinen Abstand mehr halten. Ein 2G-Coiffeurbesuch ist etwa wieder wie vor der Pandemie möglich. Auch Österreich fährt einen harten Kurs: In Bars und Clubs kommt man nur als geimpfte oder genesene Person. Jüngst wurde bekannt, dass die 2G-Regel auch in Après-Ski-Lokalen gelten wird.

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