St. Gallen: «Ich kann nicht mehr ruhig schlafen vor Angst»
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St. Gallen«Ich kann nicht mehr ruhig schlafen vor Angst»

Für 83 Sachbeschädigungen soll ein Sprayer verantwortlich sein. Der 20-Jährige ist geständig. Betroffene sprechen über ihren Ärger.

von
mig
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Ein 20-Jähriger soll für 83 Sprayereien in der Region St. Gallen verantwortlich sein.

Ein 20-Jähriger soll für 83 Sprayereien in der Region St. Gallen verantwortlich sein.

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Unter anderem versprayte er Toiletten in Zügen.

Unter anderem versprayte er Toiletten in Zügen.

Keystone/Patrick B. Kraemer
Generell sind solche illegalen Sprayereien sehr mühsam. Oft gehen sie kaum mehr ab.

Generell sind solche illegalen Sprayereien sehr mühsam. Oft gehen sie kaum mehr ab.

Keystone/Georgios Kefalas

B.H.* führt einen Blumenstand und im Winter einen Marronistand in der Stadt St. Gallen. Beide wurden schon mehrmals beschmiert oder besprayt. Der Standbesitzer sagt: «Das regt mich richtig auf. Ich habe deswegen auch schon Anzeige erstattet bei der Polizei.» Die Sprayereien seien kaum wegzubringen. «Es ist eine Frechheit. Meine Stände wurden auch schon aufgebrochen.» Fast schon verzweifelt fügt er an: «Ich kann in der Nacht kaum mehr ruhig schlafen vor Angst, dass wieder etwas passiert.»

Den Sprayern ausgesetzt

Einen Schriftzug von einem Sprayer auf dem Blumenstand konnte H. bis heute nicht wegwischen, obwohl er schon vor Monaten angebracht wurde. Er habe es mit etlichen Putzmitteln versucht. Doch es sei Vorsicht geboten, da die Filzblache auf dem der Schriftzug ist, sehr sensibel sei. Die Sprayereien gehen dem Standbesitzer auf die Nerven. Er wisse nicht, was er dagegen machen kann. Zudem sagt er: «Die Sachbeschädigungen durch die Beschmierungen nehmen immer mehr zu.»

Die Polizei konnte nun einen Sprayer ausfindig machen. Dem 20 Jährigen konnten zwischen März 2018 und April dieses Jahres gesamthaft 83 Sprayereien in der Region St. Gallen nachgewiesen werden. Daraus resultierte ein Sachschaden von 85'000 Franken, wie es am Mittwoch in einer Medienmitteilung heisst. Laut der Kantonspolizei St. Gallen hat der 20-Jährige alle Taten zugegeben. Der Standbesitzer glaubt, dass es sich beim Jugendlichen um den Sprayer handelt, der seinem Blumenstand verschandelte. Zeit und die Art des Schriftzuges würden passen.

Auf Zug-Toilette Spray gezückt

Der gefasste Sprayer brachte meist nur kleinere Schriftzüge aus verschiedenen Buchstaben an, sogenannte Tags. Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kapo SG, sagt: «Er hat vier verschiedene Lieblingsmotive. Diese haben wir an verschiedensten Plätzen im gesamten Kanton gefunden.» Sein bevorzugtes Ziel für die Sprayereien waren Toiletten in Zügen. Aber er hatte seine Tags auch an anderen Orten angebracht. Krüsi sagt weiter: «Es ist durchaus möglich, dass der 20-Jährige auch den Blumenstand in der Stadt St. Gallen besprayt hat.»

Laut aktuellem Ermittlungsstand der Polizei war der Jugendliche alleine unterwegs. Gefasst werden konnte er auch dank Recherchen in den sozialen Medien. Dort tauchen immer wieder mal Sprayereien auf, auch solche die illegal angebracht wurden. Zu den Ermittlungen meint Krüsi: «Wir kennen die Szene. Wir haben Leute, die sich dort gut auskennen.» Schlussendlich habe im aktuellen Fall ein Puzzleteil nach dem anderen zum Jugendlichen geführt. Gegen ihn wurde nun ein Strafverfahren eröffnet.

*Name der Redaktion bekannt

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