Aktualisiert 30.01.2020 16:06

Roger Federer

«Ich kann noch einen Grand-Slam-Titel holen»

Roger Federers Gefühle nach dem Ausscheiden gegen Novak Djokovic pendelten zwischen Genugtuung und Enttäuschung.

von
René Stauffer, Melbourne

Roger Federer, Sie haben nach dem ersten Satz eine medizinische Auszeit genommen. Gab es Überlegungen gar nicht anzutreten? Nein, eigentlich nicht. Ich machte noch in der Nacht nach dem Viertelfinal ein MRI, um zu schauen, wie gravierend das Problem ist. Alles war in Ordnung. Danach trainierte ich nicht, ich erholte mich. Als das Spiel dann begonnen hatte, war ich zuversichtlich, zu Ende spielen zu können. Die Behandlung nach dem ersten Satz war eher, um weiteren Problemen vorzubeugen. Mein grösstes Problem war die Angst, dass ich mich schlimmer verletzen könnte.

Novak zollt Ihnen Respekt, dass Sie angetreten sind, obwohl Sie nicht ganz fit waren. Wie lange wird es dauern, bis Sie sich von der Verletzung erholt haben? Ich weiss es nicht. Mein Gefühl sagt mir, dass es nicht lange geht. Vielleicht bin ich bereits in Südafrika wieder fit. Aber das ist nur eine Vermutung. Ich bin einfach sehr froh, dass ich mich nicht schlechter fühle als am Anfang. Das ist für mich sehr ermutigend.

In die Partie starteten Sie gut, doch dann drehte Novak Djokovic auf. Was war passiert? Zu Beginn habe ich versucht, die Ballwechsel auf ein Minimum zu beschränken und Novak zu überrumpeln. Das ist mir, denke ich, am Anfang auch gut gelungen. Leider funktionierte es dann nicht mehr. Ich schaffte es nicht mehr, ihn auszuspielen. Um ehrlich zu sein, hätte ich einen Weg finden sollen, das zu tun – aber ich war nicht in der Lage.

Hatten Sie dennoch Hoffnung? Es ist frustrierend, wenn du weisst, dass du vielleicht drei Prozent Chancen hast, das Spiel zu gewinnen. Ich hatte einen guten Start, ein gutes Ende und das dazwischen war zum Vergessen. Aber ich glaubte immer daran, dass ich eine kleine Chance habe, sonst hätte ich nicht weiter gespielt. Wenn du merkst, dass es anders kommt, ist das natürlich hart.

Wenn man selbst nur eine kleine Siegchance sieht, kann das kein lustiges Gefühl sein.Ich habe in meiner Karriere schon einige Spiele erlebt, bei denen ich mich so gefühlt habe. Es ist besser, als wenn man denkt, dass man keine Chance hat. Am schlimmsten war London (2014, Federer konnte nicht zum Final der ATP-Finals antreten, Red.) wo ich mich bei den Leuten entschuldigen musste, weil ich dort im Final nicht richtig laufen konnte. Dann lieber so wie heute. Es tut mir sehr weh, mit angezogener Handbremse zu spielen. Deshalb bin ich auch erleichtert, dass es vorbei ist.

Waren das Ihre letzten Australian Open? Keine Ahnung, ich denke gleich wie letztes Jahr. Man weiss nie, was die Zukunft bringt, vor allem weiss man es nicht in meinem Alter. Doch ich bin zuversichtlich. Aber ich habe keine Pläne, zurückzutreten. Wir werden sehen, wie es für die Familie ist. Es muss für die Familie und mich passen, es hat absolute Priorität, dass es für die Kinder passt.

Glauben Sie, dass sie noch Grand-Slam-Titel gewinnen können? Ja, daran glaube ich. Wenn man das letzte Jahr sieht, das ich hatte und weiss, wie ich spielen kann, habe ich diesen Glauben.

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