Aktualisiert 27.03.2013 07:25

Millionär mit 17

«Ich kaufe mir neue Turnschuhe»

Nick D'Aloisio ist erst 17 – und seit neustem reich. Yahoo bezahlt ihm für eine App 30 Millionen Dollar. Der Jungunternehmer will aber auf dem Boden bleiben.

von
Philipp Dahm

Nick D'Aloisio war mit 15 Jahren der jüngste Firmengründer, in dessen Idee Geldgeber investierten. Nun ist er 17 Jahre alt – und hat seine Erfindung zu Gold gemacht. Der Internet-Dienstleister «Yahoo» zahlte laut «Forbes» 30 Millionen Dollar für seine Anwendung Summly. Wer ist der Musterknabe, der in Londons Stadtteil Wimbledon gross geworden ist?

Nicks Technikwissen kommt nicht von seinen Eltern. Vater Lou ist bei der Bank Morgan Stanley für den Energiesektor zuständig, Mutter Diana ist Anwältin. Im Fall D'Aloisio gilt: Selbst ist der Mann – nun ja: der Bube. Schon mit fünf Jahren liest er Bücher über das Weltall und die Sterne. Mit neun Jahren bekommt er seinen ersten Apple-Laptop, zwei Jahre darauf sein eigenes Smartphone. Mit zwölf Jahren beginnt Nick mit dem Programmieren.

«Muss ich diese Webseite ansehen?»

«Ich habe fünf oder sechs Apps herausgebracht. Zu jener Zeit gab es nur wenige tausend davon. Sie wurden recht oft heruntergeladen», erinnert sich der Jungunternehmer im Gespräch mit dem britischen «Standard». Seine ersten Apps heissen FingerMill und SoundStumble. Letztere Anwendung zeigt dem Nutzer, welche Musik Freunde in der Nähe hören. Seine Entwicklung FaceMood bedient sich der Facebbook-Timeline und informiert, wie es Freunden geht. «Es waren einfache, spielerische Apps, aber ich habe lehrreiche Erfahrungen gesammelt.»

Die Idee für seine Goldesel-App kommt dem Schüler, als er für eine Geschichtsarbeit recherchiert: Er findet zwar viel, muss aber erst lange lesen, bis er weiss, ob der Text hilfreich ist. «Niemand hat Zeit dafür. Ich will sofort wissen, ob ich diese Webseite ansehen muss», erläutert er dem «Focus». Auch bei Twitter gilt Quantität vor Qualität. «Ich wusste nicht: Ist dieser Link interessant? Soll ich ihn anklicken?» Die Lösung: ein Programm, dass den Inhalt auf 1000, 500 oder 140 Zeichen zusammendampft.

Ordnung für das Internet-Chaos

Im März 2011 präsentiert Nick Trimit und als Apple die App im Juli in seinen Shop aufnimmt, wird ein Milliardär auf den Musterknaben aufmerksam. Der Chinese Li Ka-Shing investiert 300'000 Dollar in Trimit: Der Investor hat mit Beteiligungen bei Facebook, Skype oder Spotify bewiesen, dass er ein Näschen für aufstrebende Technik-Firmen hat. Im Juni gründet Nick seine eigene Firma Summly Inc, lernt aus dem Feedback der Nutzer und schreibt das Programm neu.

Ihm gelingt, was Google und Microsoft bis dato nicht gelungen ist. «Ich begriff, dass es all diese Informationen im Netz gab, aber sie waren ungeordnet.» Er verbessert anhand des User-Feedbacks den Algorithmus, der die Ergebnisse aus der Internet-Suche automatisch zusammenfasst: Im Dezember 2011 wird Trimit als Summly neu herausgebracht, während Nick weiter an Verbesserungen arbeitet. Er trifft Apple-Chefdesigner Jonathan Ive – seine Schule hat ihn eigens dafür beurlaubt.

Erst Inhalte, dann das Leben

Nick D'Aloisio verbringt 2012 deutlich mehr Zeit mit Erwachsenen als mit Gleichaltrigen. Das sei «schon ein wenig verrückt». Und auch, dass er seine Freunde und das Kricket-Spielen vermisse. Für seine 16 Jahre ist der «schmächtige und picklige» Knabe aber erstaunlich weit. «Ich habe verstanden, dass das Leben erst beginnt, wenn man anfängt, eigene Inhalte zu produzieren.»

Damit die Suchmaschine für Texte weltweit Erfolg haben kann, wird das Programm für elf Sprachen (inkl. Deutsch, Mandarin und Russisch) übersetzt. Als im November 2012 frisches Kapital benötigt wird, stehen die Geldgeber Schlange. Unter ihnen sind Rupert Murdochs dritte Gattin Wendi, Hollywoodstar Ashton Kutcher, Yoko Ono und BBC-Mann Stephen Fry. Seinen Mitschülern erzählt der Musterknabe vorerst aber nichts – aus Angst, sie könnten ihn für einen Nerd halten.

«Ich bin kein Genie»

Schliesslich bekommt Nick 2013 ein Angebot, das er nicht ausschlagen kann. Yahoo kauft nicht nur seine Erfindung, sondern stellt den inzwischen 17-jährigen Briten sogar an, der von sich selbst behauptet: «Ich bin kein Genie.» Der Verkauf sei für ihn «wie ein Traum» gewesen, so der Neu-Millionär. «Ich hätte ganz ehrlich nie mit so was gerechnet. Ich habe es als Hobby angefangen und nicht begriffen, dass man damit Geld machen kann.»

Trotz seines Jobs will Nick das Lernen nicht zu kurz kommen lassen. «Ich habe noch eineinhalb Jahre auf der High School übrig», erklärt er der «New York Times». Anschliessend möchte er in Oxford studieren. Sein angestrebtes Hauptfach: Philosophie. Mit dem Geld hat er keine grossen Pläne. «Es wird in einen Treuhandfonds angelegt und meine Eltern werden mir helfen, ihn zu verwalten.» Gegenüber dem «Standard» verrät er aber doch noch einen Wunsch: «Ich mag Schuhe. Ich werde mir neue Nike-Turnschuhe und vielleicht einen neuen Computer kaufen.»

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