01.09.2020 04:47

Kontroverse bei Stadion-Abstimmung«Ich kenne keine Klimastreikenden, die für das Stadion sind»

Die Klimastreik-Bewegung wehrt sich gegen den Vorwurf, von den Stadiongegnern instrumentalisiert zu werden. Eine Vertreterin äussert sich zur Kontroverse.

von
Thomas Mathis
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Im September stimmt die Stadtzürcher Bevölkerung erneut über das Hardturm-Stadion ab.

Im September stimmt die Stadtzürcher Bevölkerung erneut über das Hardturm-Stadion ab.

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Nach dem Ja zum Fussball-Stadion im November 2018 hatten FCZ-Präsident Ancillo Canepa (links) und Ex-GC-Präsident Stephan Anliker gejubelt.

Nach dem Ja zum Fussball-Stadion im November 2018 hatten FCZ-Präsident Ancillo Canepa (links) und Ex-GC-Präsident Stephan Anliker gejubelt.

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Doch die IG Freiräume ergriff das Referendum gegen den privaten Gestaltungsplan.

Doch die IG Freiräume ergriff das Referendum gegen den privaten Gestaltungsplan.

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Darum gehts

  • Vertreter der Klimastreik-Bewegung engagieren sich im Abstimmungskampf gegen das Hardturm-Stadion. Das sorgt für Kritik.
  • Annika Lutzke, Vertreterin der Klimastreik-Bewegung, weist den Vorwurf der Instrumentalisierung zurück. Sie sagt, dass eine offene und tolerante Diskussionskultur herrsche.

Bald stimmt Zürich über das Hardturm-Stadion ab. Im Abstimmungskampf hat eine Gruppe Schüler letzte Woche den Stadiongegnern vorgeworfen, die Klimastreik-Bewegung zu instrumentalisieren. Wie es in einer Mitteilung der IG Freiräume heisst, die das Referendum gegen den privaten Gestaltungsplan ergriffen hat, engagieren sich auch Vertreter der Bewegung Klimastreik gegen das Stadion.

Die Stadiongegner wehren sich gegen den Vorwurf der Instrumentalisierung. Nach der Veröffentlichung des Artikels hat die IG Freiräume den 19-jährigen Sprecher der Schülergruppe mit Wohnort und Beruf des Vaters in einer Medienmitteilung angeprangert. Eine Vertreterin der Klimastreik-Bewegung nimmt nun ausführlich Stellung zur Kontroverse.

Annika Lutzke (17) engagiert sich seit über einem Jahr aktiv für Klimastreik Zürich. Die Gruppe umfasst derzeit ungefähr 170 Aktivistinnen und Aktivisten. Annika hat im Sommer das Gymnasium erfolgreich abgeschlossen und wird ab Winter den Vorkurs für die Zürcher Hochschule der Künste besuchen.

Welche Haltung hat Klimastreik Zürich bei der Stadion-Abstimmung?

Offiziell haben wir keine Stellung bezogen. Wir konnten das bisher nicht ausreichend diskutieren. Für die Bewegung ist Nachhaltigkeit aber ein zentrales Anliegen. Meiner Meinung nach ist das beim Stadion nicht gegeben.

Warum hat Klimastreik Zürich keine Parole gefasst?

Die Stadion-Frage ist für die Bewegung zwar spannend, weil es neben klimatischen auch soziale und wirtschaftliche Aspekte gibt. Wir haben uns aber noch nicht entschieden, wie wir generell mit Initiativen und Referenden umgehen. Da müssen wir uns erst noch finden ‒ auch schweizweit.

Kann man als Klimastreikende trotzdem für das Stadion sein?

Ja, es ist nicht grundsätzlich ein klimaschädliches Projekt, doch in meinen Augen gehört dieses Bauprojekt keinesfalls in den Gestaltungsplan für eine nachhaltige Stadt Zürich. Trotzdem gibt es sicherlich auch Klimastreikende, die für das Stadion sind. Mir sind jedoch keine bekannt.

Eine Schülergruppe kritisiert, dass die Stadiongegner die Bewegung instrumentalisiere. Stimmt das?

Nein, das stimmt nicht. Es gibt zwei Personen, die sich zusammen mit dem Referendumskomitee gegen das Stadion einsetzen. Sie machen das aber freiwillig aus eigener Überzeugung. Es gab nie einen Druck von irgendeiner Seite.

Dürfen sie sich als Vertreter der Bewegung äussern?

Sie handeln als Einzelpersonen und äussern sich nie im Namen der Bewegung. Sie machen einfach transparent, wofür sie sich engagieren. Zum Beispiel sagen sie ja auch, welcher Partei sie angehören.

Ihr kritisiert die Schülergruppe aber gleichzeitig, weil sie sich als Klimastreikende äussern.

Die Gruppe stellt sich so dar, als ob sie der Klimastreik-Bewegung nahe ist. Das impliziert, dass sie sich im Namen eines Teils der Bewegung äussern und eben nicht als Einzelpersonen. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die Bewegung in dieser Thematik gespalten ist. Das ist aber nicht der Fall.

Geht es dabei nicht auch um Toleranz von anderen Meinungen?

Wir haben eine offene und tolerante Diskussionskultur. Bei Streitpunkten gehen wir aufeinander zu und besprechen die Angelegenheit. Der Sprecher der Gruppe bezeichnet sich als Klimastreikender, vom Vorwurf der Instrumentalisierung haben wir im Vorfeld aber nichts gehört.

Darf er sich nicht so bezeichnen?

Es geht nicht darum, eine einzelne Person anzugreifen. Aber es ist ein Unterschied, ob jemand einige Male an einer Klimademo teilgenommen hat oder ob er seine ganze Freizeit dafür opfert und aktiv mitbestimmt.

Wer darf sich demnach als Klimastreikender ausgeben?

Jede und jeder darf sich als Klimastreikender bezeichnen. Aber es darf nicht so rüberkommen, dass er oder sie die ganze Bewegung repräsentiert.

Was ist das Resultat der Diskussion?

Der Vorwurf hat viele negative Emotionen ausgelöst, und wir haben intensiv über das Stadion gesprochen. Das hat die Diskussion angeregt.

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