Akuter Lehrermangel: «Mache mir als Mutter grosse Sorgen» – Lehrerverband-Chefin schlägt Alarm

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Akuter Lehrermangel«Mache mir als Mutter grosse Sorgen» – Lehrerverband-Chefin schlägt Alarm

Der Lehrpersonenmangel betrifft die Schulen schlimmer denn je. Schulleitungen müssen vermehrt auf Personen ohne pädagogische Ausbildung zurückgreifen.

von
Monira Djurdjevic
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In der Schweiz herrscht akuter Lehrpersonenmangel.

In der Schweiz herrscht akuter Lehrpersonenmangel.

Tamedia/Raisa Durandi
Schulleitungen müssen vermehrt auf Personen ohne pädagogische Ausbildung zurückgreifen.

Schulleitungen müssen vermehrt auf Personen ohne pädagogische Ausbildung zurückgreifen.

Tamedia/Raisa Durandi
Gleichzeitig haben Schulen die Situation rund um die Integration der geflüchteten Kinder aus der Ukraine samt der Ungewissheit, wie es weitergeht, zu meistern.

Gleichzeitig haben Schulen die Situation rund um die Integration der geflüchteten Kinder aus der Ukraine samt der Ungewissheit, wie es weitergeht, zu meistern.

Christoph Soeder/dpa

Darum gehts

  • Die Lehrerverband-Chefin schlägt wegen Pädagogen ohne Diplom Alarm.

  • Mittlerweile könne man nicht mehr von «Bildung sprechen, sondern lediglich von Betreuung». 

In der Schweiz herrscht akuter Lehrpersonenmangel. «Personalmangel ist auch in diesem Jahr ein sehr wichtiges Thema, das uns stark beschäftigt. Wir machen uns grosse Sorgen, weil die Bildungsqualität in Gefahr ist», sagte Dagmar Rösler, Zentralpräsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), am Montag vor den Medien. Die Suche nach Notlösungen laufe auf Hochtouren. «Selbstverständlich müssen keine Kinder zu Hause bleiben. Kinder haben ein Anrecht auf Bildung», so Rösler.

Mittlerweile könne man aber nicht mehr von «Bildung sprechen, sondern lediglich von Betreuung». Der Grund: «Immer mehr Stellen mussten mit nicht qualifiziertem oder nicht ausreichend qualifiziertem Personal besetzt werden», so Rösler. In Bern besitzen laut Rösler derzeit rund zehn Prozent der Lehrpersonen keine pädagogische Ausbildung: «Das finde ich eine erschreckend hohe Zahl.»

Diese Entwicklung sei zudem alarmierend und hochproblematisch, denn das Unterrichten sei eine anspruchsvolle und komplexe Aufgabe, die einer gründlichen Ausbildung bedürfe. Sie als Mutter mache sich grosse Sorgen: «Wenn ich als Mutter erfahren würde, dass meine Tochter zu einer Lehrperson kommt, die keine Ausbildung hat, könnte ich nicht mehr gut schlafen.» Die Lehrerverbände fordern deshalb zum Schulstart den Bund und die Kantone dazu auf, praktizierende sowie angehende Lehrpersonen zu unterstützen. «Nur nachhaltige Lösungen können die Qualität an Schulen langfristig sichern», so Rösler. 

Personen ohne anerkanntes Lehrdiplom

In Zürich und in Bern dürfen Personen ohne ein anerkanntes Lehrdiplom an den Volksschulen unterrichten. Mit dieser Massnahme und der damit gewonnenen Flexibilität sollen Schulen einfacher offene Stellen besetzen können. Die Anstellungen sind vorerst auf ein Jahr befristet. 

Laut der Zürcher Bildungsdirektion wurden zudem kürzlich verschiedene Massnahmen mit einem mittel- bis langfristigen Horizont eingeleitet. Dazu gehört unter anderem die Weiterführung der Taskforce «Lehrermangel» mit Vertreterinnen und Vertretern der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH), des Volksschulamts und der Verbände aus dem schulischen Umfeld. Ebenso werden laufend weitere Ausbildungsplätze geschaffen. 

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